ANALYSE
Greta Thunberg erlangte 2018 als 15-Jährige mit ihrem Schulstreik vor dem schwedischen Reichstag internationale Bekanntheit. Aus dieser Aktion ging die „Fridays for Future“-Bewegung hervor, die heute weitgehend an Relevanz verloren hat.
Rascher Aufstieg
Thunberg wurde zur prominentesten Figur der globalen Klimabewegung. Sie trat vor dem Weltwirtschaftsforum, den Vereinten Nationen und nationalen Parlamenten auf. Zu ihren Auszeichnungen zählen die Wahl zur „TIME Person of the Year“ 2019, der Right Livelihood Award sowie der Amnesty International Ambassador of Conscience Award. Mehrfach wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert.
Ausweitung ins Politische
Schon bald beschränkte sich Thunberg nicht mehr auf das Thema Klimaschutz. Sie bezog zunehmend Stellung zu wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen und entwickelte eine dezidiert linke, systemkritische Haltung. Kritiker sehen darin den Versuch, die Klimakrise als Hebel für eine grundsätzliche Umgestaltung der westlichen Gesellschaften zu nutzen.
Besonders problematisch: Die Haltung zum Nahostkonflikt
Deutliche Kritik lösten ihre Äußerungen und Aktionen nach dem brutalen Hamas-Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 aus. Thunberg verurteilte Israel einseitig, zeigte Symbole der palästinensischen Sache und reihte sich in ein Lager ein, das den jüdischen Staat dämonisiert. Statt die Hamas als terroristische Organisation klar zu benennen und zu verurteilen, richtete sich ihre Kritik fast ausschließlich gegen Israel.
After almost 4 months of encampment, the student Palestine encampment in Dortmund were forced by German police to take down the camp and leave, and police said they would arrest me if I went there. All this just because the students had invited me to speak at their event and I… pic.twitter.com/TA3KXbcT7F
— Greta Thunberg (@GretaThunberg) October 9, 2024
Antisemitismus kein rechtes Monopol
Solche Positionen stehen nicht im Widerspruch zu ihrer linken Grundorientierung. Im Gegenteil: In Teilen der linken Aktivistenszene hat sich eine spezifische Form des Antisemitismus etabliert, die sich als „Antizionismus“ tarnt. Israel wird dabei nicht mehr als Staat mit berechtigten Sicherheitsinteressen gesehen, sondern als koloniales Projekt, dem das Existenzrecht abgesprochen wird. Thunberg steht damit exemplarisch für die Verquickung von Klimakampf, linksradikaler Ideologie und judenfeindlichen Tendenzen.
Hinzu kommt ein Umgang mit Kritik, der abweichende Meinungen oft moralisch diffamiert. Die einst als authentisch und kindlich wahrgenommene Aktivistin wirkt inzwischen ideologisch verfestigt und polarisierend.
We must all stand up against the repression activists are facing just for speaking up against the genocide and occupation in Palestine. In Dortmund, in the whole of Germany and all over the world. We will not be silenced; free Palestine 🇵🇸✊🏽 2/2#FreePalestine #StandWithGaza…
— Greta Thunberg (@GretaThunberg) October 9, 2024
Greta Thunberg hat die Klimadebatte zugespitzt und zeitweise in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Doch ihre Entwicklung von einer auf den Klimaschutz fokussierten Aktivistin hin zu einer radikalen politischen Linken zeigt, wie sehr Teile der Bewegung von sachlicher Umweltpolitik abgerückt sind. Was als jugendlicher Protest begann, ist zu einem ideologischen Projekt geworden, das zunehmend mit fragwürdigen Positionen belastet ist.
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