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  • 9. Oktober 2026 10:30

Eine kurze Zusammenfassung der vollen Wucht unserer systemischen Reaktion auf die vollkommen überraschende Energiepreiskrise

ByDirk Specht

Sep. 17, 2026

KOMMENTAR

Herausforderung: Eine (mal wieder) niemals nie erwartbare militärische Eskalation in einem (mal wieder) relevanten Ölfördergebiet lässt für die Kombination aus einem Liefer- und einem Verarbeiterkartell beliebige Preissetzung zu.
Nebenbemerkung: Jenes Doppelkartell, das uns seit Jahren über die Folgen der Nutzung und angeblich nicht existierenden Alternativen belügt.


Also steigen die Brennstoffpreise, damit Transportpreise, damit alle Preise. Muss auch nicht so sein, aber Trittbrettfahren ist Leistungssport im System.

Die Zentralbank erhöht die Zinsen. Wegen der Inflation. Für die Brennstoffpreise bedeutet das: Nichts. Aber vor allem Investitionen werden teurer und damit gebremst. Also Stromnetze, Stromspeicher, Erneuerbare Energien, neue Fahrzeuge, öffentliche Verkehrsinfrastrukturen, Wohnraum. So komisches Zeugs halt.

Das wird teurer, das wird weniger gebaut. Das führt zu einem Mangel und erzeugt Mangelpreise. Bei Mieten. Bei Netzen. Bei allen Transformationen.

Die Menschen sparen, geben weniger aus. Die Konjunktur lahmt. Das erzeugt Druck auf die breiten Preise, die Inflation sinkt. Die Treibstoffpreise sinken nicht.

Auch die Wirtschaft investiert weniger. Das verknappt das Angebot, vor allem verknappt es Innovationen. Die Wirtschaft spart auch, sie spart Zukunft.

Dadurch entstehen wieder Knappheitspreise. Aber nur für existierende Produkte. Innovative Produkte gibt es nicht. Bis die Amerikaner oder Chinesen sich mal wieder was einfallen lassen.

Die Treibstoffpreise betrifft das immer noch nicht.

Da die zu hoch sind, wird nun danach gerufen, die zu subventionieren.

Derweil schiebt die Lese/Sprechdame aus dem Wirtschaftsministerium endlich mal Panik und plötzlich ist Versorgungssicherheit doch wichtiger als der Preis. Also ordnet sie «dem Markt» an, dann doch mal Gas zu speichern, zum Bestpreis, ähm Höchstpreis. Geht doch, solche Speicher sind gar nicht so überbewertet und die nutzt man sogar zum speichern. Späte Erkenntnis, teure Erkenntnis.

Aber man legt ihr mal einen Zettel vor, auf dem nicht nur verlogenes (was man nämlich alles gar nicht tun kann) steht, sondern auch wahres: Man sollte besser direkte Hilfen in finanzschwache Haushalte geben. Der Finanzminister sagt aber, man könne so viele Überweisungen nicht machen, man habe auch die vielen IBANs nicht. Gießkanne geht, Direktüberweisung ist 2026 noch nicht vorgesehen.

Ob die mal bei Paypal anrufen?

Fazit: Unser gesamtes System reagiert auf die Herausforderungen, indem es jeden Cent mobilisiert, um die Ölrechnungen weiter bezahlen zu können.

Ach ja, nicht zu vergessen: Der Kanzler sagt, er oder man (so genau drückt er sich bekanntlich nicht aus) müsse jetzt (was er damit meint, ist auch nicht so klar) handeln.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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