ESSAY
Kann es sein, dass Langeweile gar nicht das ist, wofür man sie hält? Wir kennen sie alle nur zu gut. Sie schleicht sich an uns heran, wenn nichts geschieht und Sekunden und Minuten zu Stunden und Tagen werden. Unser einziger Gedanke ist, sie so rasch wie möglich wieder loszuwerden.
Ein Kinderspiel; ein Griff zum Handy und schon ist jede noch so kleine Lücke gefüllt mit Geräuschen und Bildern. Kann es sein, dass Langeweile ihr wahres Gesicht hinter einer öden Maske verbirgt? Wenn wir den Versuch wagen, ihr diese abzunehmen, beginnt sich etwas darunter zu zeigen.
Dann kommen wir der Langeweile auf die Spur und bemerken, dass sie einfach eine lange Weile ist, die uns frei geschenkt wird, ohne Erwartung, ohne Gegenleistung. Dieses Geschenk ist wie ein Garten, in dem etwas wachsen darf. Es beginnt in und mit der Stille.
Auf einmal gesellen sich ein Gedanke, ein Bild oder eine Erinnerung dazu. Eine ungeahnte Sehnsucht darf von der Dunkelheit ins Licht und der Blick aus dem Fenster lässt uns reisen, Pläne schmieden oder einfach nur Gedanken aneinanderreihen, bis daraus irgendwo ein Traum geboren wird.
Kann es sein, dass das das wahre Gesicht der Langeweile ist und sie uns nicht Leere aufzwingen, sondern Raum schenken will? Unsere Welt bringt uns bei, möglichst jede Minute zu füllen, etwas zu tun und zu leisten, ständig erreichbar zu sein. Wenn wir nichts tun, gilt es wenigstens zu konsumieren.
Würde es uns aber nicht genau das Gegenteil nähren und bereichern: einfach nichts tun und einfach sein? Die Langeweile schenkt uns die Möglichkeit zu träumen und ohne sie werden unsere Träume immer leiser und ersticken im Lärm des Alltags.
Nehmen wir uns die Zeit, zu schauen, was sich hinter der grauen Maske der Langeweile versteckt, wird uns bewusst, was sie wirklich ist: eine lange Weile, wie ein stiller Zwischenraum, der unseren Gedanken Freiheit schenkt und unseren Träumen neuen Atem.
Fehler- und Korrekturhinweise
Fehler gefunden?
Wir sind dankbar für jeden Hinweis, der uns hilft, unsere Berichterstattung zu verbessern. Bitte senden Sie eine kurze E-Mail an feedback@dmz-news.online mit folgenden Angaben:
- Die genaue URL des Artikels
- Beschreibung des Fehlers
- (Optional) Vorschlag zur Korrektur
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus
Seit unserer Gründung setzt sich die DMZ dafür ein, dass verlässliche Informationen für alle zugänglich sind. In einer Zeit, in der Desinformation und soziale Medien die Nachrichtenlandschaft prägen, ist unabhängiger Journalismus wichtiger denn je.
Wir glauben daran, dass jede und jeder das Recht hat, faktenbasierte, hochwertige Nachrichten zu erhalten – ohne Paywall und ohne Unterbrechungen. Unser Ziel ist es, Journalismus zu machen, der informiert, erklärt und Vertrauen schafft.
Unsere Leserinnen und Leser sind das Herzstück dieser Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir weiterhin unabhängig, kritisch und engagiert berichten. Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft uns, dieses Ziel zu erreichen.
Helfen Sie mit, Journalismus frei zugänglich zu halten. Unterstützen Sie die DMZ noch heute.
Im Fokus
- Milch – wirklich so gesund, wie wir immer hören?„Trink deine Milch, die ist gesund.“ Diesen Satz haben viele von uns schon als Kinder gehört. Milch galt über Jahrzehnte als etwas, das einfach dazugehört. Sie soll starke Knochen machen, beim Wachstum helfen und überhaupt ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung sein. Aber stimmt das wirklich? Wenn man sich die wissenschaftliche Literatur genauer anschaut, wird… Weiterlesen: Milch – wirklich so gesund, wie wir immer hören?
- Die WohlstandsvernichterKOMMENTAR Eine lesenswerte Studie zum Populismus, die wie andere zuvor zu dem Ergebnis kommt, dass wir in einem Zeitalter des Populismus leben. Es ist viel vom Faschismus die Rede, aber vermutlich werden irgendwann auch Historiker vom Populismus reden und ihn vom Faschismus abgrenzen. Bei einigen Parallelen ist aus meiner Sicht der größte Unterschied, dass Populisten… Weiterlesen: Die Wohlstandsvernichter
- Die Demokratie darf sich nicht wegduckenÜber die AfD, die politische Gewöhnung und die Pflicht eines wehrhaften Rechtsstaats KOMMENTAR Es gibt einen Satz, der jede Diskussion über die AfD zuverlässig beendet: Sie sei schließlich demokratisch gewählt worden. Das ist richtig. Und es ist trotzdem kein Argument gegen Kritik. Eine Partei wird durch Wahlen dazu legitimiert, politische Macht auszuüben. Mehr zunächst einmal… Weiterlesen: Die Demokratie darf sich nicht wegducken
- Brot und Spiele 2.0: Wie Sport und Unterhaltung uns von der Realität ablenkenKOMMENTAR In einer Welt, die von sozialen und politischen Krisen geprägt ist, suchen immer mehr Menschen nach Wegen, dem täglichen Druck zu entkommen. Eine der am weitesten verbreiteten Fluchtstrategien ist die Flucht in die Welt des Sports – sei es durch das Mitfiebern bei Fußball-Weltmeisterschaften, den packenden Wettkämpfen bei den Olympischen Spielen oder den packenden… Weiterlesen: Brot und Spiele 2.0: Wie Sport und Unterhaltung uns von der Realität ablenken
- Kolonialismus ohne Kolonien: Die Schweiz und ihr verdrängtes ErbeZwar betrieb die Schweiz keinen eigenen Kolonialismus, doch war sie indirekt stark in koloniale Strukturen und den Sklavenhandel eingebunden. Schweizer Produkte, Waffen und Alkohol wurden nach Westafrika exportiert, wo Menschen als Sklaven verschifft und in der Neuen Welt verkauft wurden. Viele Schweizer Handelsunternehmen, aber auch private Unternehmer wie Alfred Escher, Jacques-Louis Pourtales oder David de… Weiterlesen: Kolonialismus ohne Kolonien: Die Schweiz und ihr verdrängtes Erbe





