Ethikkommission warnt vor unterschätzter Wirkung von Begriffen wie «Genschere»
Bern – Wie über neue gentechnische Verfahren gesprochen wird, beeinflusst maßgeblich, wie sie in der Öffentlichkeit und Politik bewertet werden. Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Außerhumanbereich (EKAH) in einem neuen Bericht. Begriffe wie «Genschere» oder «Genome Editing» seien weit mehr als technische Bezeichnungen – sie wirken als Deutungsrahmen für die öffentliche Meinungsbildung.
Der Bericht erscheint inmitten intensiver Debatten über die künftige Regulierung neuer Züchtungstechnologien. Der Bundesrat hatte am 2. April 2025 die Vernehmlassung zum Bundesgesetz über Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien (NZTG) eröffnet. Vorgesehen ist ein risikobasiertes Zulassungsverfahren, das gezielte genetische Veränderungen anders behandeln soll als klassische Gentechnik. Das seit 2005 geltende Anbau-Moratorium für gentechnisch veränderte Organismen bliebe davon unberührt.
Metaphern entfalten eigene Wirkung
Im Zentrum der Analyse steht die Rolle von Metaphern in der Wissenschafts- und Behördenkommunikation. Während solche Bilder in der Fachwelt oft als hilfreiche Vereinfachungen dienen, entfalten sie im öffentlichen Diskurs eine eigene Wirkung.
Der Begriff «Genschere» suggeriert Präzision, Einfachheit und vollständige Kontrollierbarkeit. Dadurch könne die Technologie als berechenbarer erscheinen, als sie in der molekularbiologischen Realität ist. Gleichzeitig träten Aspekte wie mögliche Unsicherheiten oder langfristige ökologische Folgen in den Hintergrund, warnt die Kommission.
„Metaphern sind in der Wissenschaftskommunikation oft unverzichtbar, um komplexe Sachverhalte verständlich zu benennen. Sie können jedoch mit verdeckten Wertungen verbunden sein“, heißt es im Bericht. Die EKAH fordert deshalb eine klare Trennung zwischen metaphorischer Beschreibung und expliziter Bewertung von Chancen und Risiken.
Beitrag zur demokratischen Debatte
Die Kommission versteht ihren Bericht ausdrücklich nicht als Position zur konkreten Ausgestaltung des NZTG, sondern als Beitrag zur Qualität der öffentlichen Diskussion. Behörden, Wissenschaft und Medien sollten metaphorische Begriffe reflektiert einsetzen, um eine informierte und eigenständige Meinungsbildung zu ermöglichen.
Technologien und politischer Kontext
Techniken wie CRISPR/Cas ermöglichen seit rund 20 Jahren gezielte Eingriffe ins Erbgut von Pflanzen und gelten als schneller und präziser als herkömmliche Züchtungsmethoden. Befürworter erhoffen sich davon Fortschritte bei klimaresistenten Sorten und einer Reduktion von Pflanzenschutzmitteln. Kritiker verweisen auf offene Fragen zu ökologischen Langzeitwirkungen und plädieren für eine vorsichtige Regulierung.
Für den Bericht hat die EKAH ein externes Gutachten der Historikerin und Wissenschaftsforscherin Prof. Christina Brandt von der Universität Jena eingeholt.
Die Analyse macht deutlich: Die Auseinandersetzung mit neuen Züchtungstechnologien ist nicht nur eine Frage von wissenschaftlichen Risiken und Nutzen, sondern auch eine Frage von Sprache und Bildern – und damit davon, wie politische Entscheidungen vorbereitet werden.
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