Eine wissenschaftliche Untersuchung von Ende 2025 liefert robuste empirische Belege, dass großflächige Abholzung im Amazonasgebiet nicht nur die globale CO₂‑Bilanz beeinflusst, sondern auch zu messbaren regionalen Klimaveränderungen führt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Communications Earth & Environment veröffentlicht und basieren auf der Auswertung umfassender Satellitendaten.
Studie und Forschungsmethode
In der Studie „Observed shifts in regional climate linked to Amazon deforestation“ analysierten Forscherinnen und Forscher um Marcus V. F. Silveira und Kolleginnen und Kollegen anhand satellitengestützter Daten mehrere klimarelevante Parameter wie Landoberflächentemperatur, Evapotranspiration und Niederschlag über unterschiedliche Landschaftsraster im brasilianischen Amazonasgebiet. Der Vergleich erfolgte zwischen Zellen mit unterschiedlichem Anteil verbleibender Waldfläche und benachbarten, weitgehend ungestörten Waldgebieten mit über 80 % Baumdeckung.
Zentrale Ergebnisse
Temperaturanstieg:
In Regionen mit weniger als 60 % Walddeckung war die Landoberflächentemperatur in der Trockenzeit im Mittel um etwa 3 °C höher als in nahegelegenen, stark bewaldeten Gebieten. In stark entwaldeten Zellen mit noch weniger Wald kann der Unterschied bis zu 4 °C oder mehr betragen.
Verdunstung (Evapotranspiration):
In Gebieten mit stark reduziertem Waldanteil zeigte die Evapotranspiration – also die Abgabe von Wasser durch Verdunstung und Pflanzentranspiration – im Durchschnitt deutlich geringere Werte als in bewaldeten Referenzgebieten.
Niederschlag:
Die Niederschlagsmenge war in stark entwaldeten Regionen signifikant geringer, und es wurden im Jahresdurchschnitt weniger Regentage registriert. Im Vergleich zu nahegelegenen Referenzflächen war der Niederschlag um etwa 25 % reduziert.
Klimadynamik:
Die analysierten Klimaparameter in stark entwaldeten Gebieten zeigen Ähnlichkeiten mit Übergangsbereichen zwischen tropischem Regenwald und Savanne, was auf ein trockeneres und wärmeres regionales Klima hindeutet als in intakten Waldgebieten.
Regionale Klimaveränderungen und ökologische Bedeutung
Die Ergebnisse bestätigen, dass Wälder entscheidend zur regionalen Klimaregulation beitragen, indem sie durch Evapotranspiration Feuchtigkeit in die Atmosphäre abgeben und so Niederschläge fördern sowie Temperaturen abmildern. Wenn diese Funktion durch Waldverlust geschwächt wird, entstehen lokal wärmere und trockenere Bedingungen, die wiederum den verbliebenen Wald weiter unter Stress setzen – ein Prozess, der sich verstärken kann, wenn weniger Regen auftritt und damit auch die Regeneration der Vegetation erschwert wird.
Abgrenzung zum globalen Klimawandel
Die Studie unterscheidet die beobachteten regionalen Auswirkungen der Abholzung von den überlagerten globalen Effekten der Erwärmung durch Treibhausgase. Während die globale Erwärmung das gesamte Amazonasgebiet beeinflusst, zeigen die Daten, dass Abholzung zusätzliche, vor Ort wirksame Veränderungen verursacht – insbesondere höhere Oberflächentemperaturen, reduzierte Verdunstung und verringerte Niederschläge in stärker entwaldeten Regionen.
Silveira, M. V. F. et al. (2025): Observed shifts in regional climate linked to Amazon deforestation, Communications Earth & Environment, Article 948, DOI: 10.1038/s43247‑025‑02900‑2.
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