Forschende warnen vor sogenannten KI-Schwärmen – vernetzten Systemen aus vielen KI-gesteuerten Profilen –, die gezielt Desinformation verbreiten und demokratische Prozesse unter Druck setzen können. Eine internationale Studie spricht von einer neuen Eskalationsstufe im Informationskrieg.
Im Unterschied zu klassischen Social-Media-Bots agieren KI-Schwärme deutlich subtiler. Sie bestehen aus zahlreichen automatisierten Accounts, die über soziale Netzwerke, Foren, Kommentarspalten oder Messenger hinweg aktiv sind. Nach außen wirken diese Profile wie voneinander unabhängige Menschen. Im Hintergrund sind sie jedoch koordiniert, tauschen Informationen aus und passen ihre Strategien laufend an. Grundlage dafür sind leistungsfähige Sprachmodelle, die menschliches Kommunikationsverhalten immer besser imitieren.
Besonders problematisch ist die Fähigkeit dieser Systeme zur Zusammenarbeit. KI-Schwärme können über längere Zeit unauffällig agieren, Diskussionen gezielt beeinflussen und soziale Netzwerke analysieren. So lassen sich psychologische Anfälligkeiten einzelner Nutzer oder ganzer Gruppen erkennen. Darauf aufbauend werden maßgeschneiderte Botschaften platziert – entweder, um gezielt Verwirrung zu stiften, etwa durch widersprüchliche Erzählungen, oder um den Eindruck eines breiten gesellschaftlichen Konsenses zu erzeugen, wo in Wirklichkeit große Meinungsvielfalt besteht.
Zwar zeigten frühere Studien, dass klassische Bot-Kampagnen nur begrenzten Einfluss auf Wahlentscheide hatten. Doch KI-Schwärme sind günstiger, leichter skalierbar und deutlich präziser. Dadurch könnte ihre Wirkung in Zukunft erheblich zunehmen, insbesondere weil sie kaum noch von echtem menschlichem Verhalten zu unterscheiden sind.
Auch für die Schweiz ergibt sich ein ambivalentes Bild. Föderalismus, Mehrsprachigkeit und eine fragmentierte Medienlandschaft erhöhen den Aufwand für Angreifer und wirken grundsätzlich stabilisierend. Gleichzeitig bietet die direkte Demokratie mit ihren häufigen Abstimmungen viele Anlässe, bei denen bereits kleine Verschiebungen in Aufmerksamkeit oder Mobilisierung relevant sein können – vor allem bei knappen Entscheidungen.
Als Gegenmaßnahmen fordern Forschende besseren Zugang zu Forschungsdaten von Online-Plattformen, die Störung kommerzieller Märkte für Manipulationsdienste sowie den Aufbau eines dezentralen Beobachtungsnetzwerks, in dem Erkenntnisse zu KI-Einflusskampagnen gebündelt werden.
Die zentrale Gefahr der KI-Schwärme liegt weniger in der offenen Lüge als in der schleichenden Verzerrung des öffentlichen Diskurses. Wo künstlich erzeugte Stimmen Aufmerksamkeit bündeln, Zweifel säen oder falsche Mehrheiten simulieren, wird demokratische Willensbildung untergraben, ohne dass ein klarer Angriff erkennbar ist. Demokratien müssen deshalb lernen, nicht nur Desinformation zu bekämpfen, sondern auch Manipulation dort zu erkennen, wo sie leise, langfristig und scheinbar menschlich daherkommt.
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