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  • 11. März 2026 11:31

Zivilluftfahrt in der Schweiz: 25 Milliarden Wertschöpfung – auf Kosten von Klima und Gesundheit?

ByAnton Aeberhard

Jan. 21, 2026

Laut einer neuen INFRAS-Studie erzielte die Zivilluftfahrt in der Schweiz 2024 eine direkte Wertschöpfung von knapp 10 Milliarden Franken. Mit indirekten Effekten steigt der Beitrag auf fast 25 Milliarden Franken – rund 3 % des BIP. Rund 150.000 Vollzeitstellen sind direkt oder indirekt mit der Branche verbunden.

Die Zahlen unterstreichen die volkswirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrt, insbesondere für die internationale Erreichbarkeit von Zürich, Genf und Basel. Doch Kritiker warnen: Die Studie bildet nur die halbe Realität ab. Externe Kosten werden auf 6,5 Milliarden Franken geschätzt, vor allem für Klimawirkungen, Lärm und Luftverschmutzung. Umweltorganisationen und Gesundheitsexperten halten diese Schätzung für zu niedrig und warnen, dass viele langfristige Folgen unberücksichtigt bleiben.

Unvollständige Erfassung externer Kosten

Emissionen, Lärm und Luftschadstoffe werden zwar monetarisiert, langfristige Klimafolgekosten wie Extremwetterereignisse, Ernteausfälle oder Infrastrukturschäden bleiben jedoch weitgehend außen vor. Studien zeigen zudem, dass Lärmbelastung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafstörungen zusammenhängt, während Feinstaub und Stickoxide das Risiko für Atemwegserkrankungen erhöhen. Diese indirekten Kosten belasten das Gesundheitssystem und die Produktivität – in der INFRAS-Rechnung werden sie nur unvollständig berücksichtigt.

Private Flüge: hoher Schaden, geringer Nutzen

Ein zentraler Kritikpunkt ist die fehlende Differenzierung zwischen ökonomisch notwendigen Linienflügen und privater oder geschäftsbezogener Nutzung. Gerade Kurzstrecken und private Flüge verursachen pro Passagierkilometer überproportional hohe Emissionen, liefern jedoch nur geringen volkswirtschaftlichen Mehrwert. In Zeiten etablierter digitaler Alternativen wie Videokonferenzen und Remote-Arbeit wird die Notwendigkeit vieler Geschäftsreisen zunehmend hinterfragt.

Erreichbarkeit: Standortvorteil oder überschätzter Faktor?

Die Studie betont die hohe internationale Vernetzung als Wettbewerbsvorteil. Doch technologische Fortschritte reduzieren den Bedarf an physischen Reisen. Kritiker argumentieren, dass der tatsächliche volkswirtschaftliche Nutzen der Erreichbarkeit in einer digitalisierten Wirtschaft geringer ist als traditionell angenommen.

Die INFRAS-Studie liefert eine fundierte Momentaufnahme der direkten und indirekten Effekte der Zivilluftfahrt. Gleichzeitig offenbart sie die Grenzen solcher Analysen: Solange externe Kosten nicht vollständig erfasst und internalisiert werden, bleibt die Nettobilanz der Branche umstritten. Wer den wirtschaftlichen Nutzen der Luftfahrt misst, ohne Klima- und Gesundheitsfolgen einzuberechnen, kalkuliert auf Kosten der Zukunft. In einer Zeit verschärfter Klimaziele und steigender Gesundheitskosten könnten diese unbeachteten Faktoren die politische und wirtschaftliche Bewertung der Luftfahrt grundlegend verändern.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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