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  • 11. März 2026 10:44

Offener Brief an die WHO: Experten fordern stärkeren Atemschutz für Klinikpersonal

BySarah Koller

Jan. 10, 2026

Eine internationale Gruppe von Forscherinnen, Ärztinnen und Experten für Infektionsschutz hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem offenen Brief aufgefordert, ihre Empfehlungen zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) im Gesundheitswesen zu überarbeiten. Die Unterzeichnenden argumentieren, dass chirurgische Masken im klinischen Alltag nicht ausreichend Schutz gegen durch die Luft übertragene Krankheiten wie Covid‑19 und Influenza bieten, und plädieren stattdessen für einen Standard mit eng anliegenden Atemschutzmasken (Respiratoren) wie FFP2, FFP3 oder N95.

Der Brief, datiert auf den 7. Januar 2026 und an WHO‑Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus gerichtet, wurde von sieben Fachleuten initiiert und von fast 50 weiteren Ärztinnen, Wissenschaftlerinnen und rund 2.000 weiteren Personen unterzeichnet, darunter vulnerable Patientinnen und Patienten.

Kritik an chirurgischen Masken und Argument für Respiratoren

Die Autorinnen und Autoren des offenen Briefs weisen darauf hin, dass chirurgische Masken ursprünglich dazu entwickelt wurden, Patientinnen und Patienten vor Tröpfchen des medizinischen Personals zu schützen, nicht primär den Träger oder die Trägerin vor dem Einatmen infektiöser Partikel. Sie betonen, dass chirurgische Masken häufig schlecht abdichten und feine Aerosole, die beim Atmen, Sprechen oder Husten entstehen, nicht zuverlässig filtern.

Respiratoren wie FFP2, FFP3 oder N95 hingegen werden nach technischen Normen geprüft und müssen einen definierten Anteil an Testaerosolen filtern (z. B. mindestens 94 % bei FFP2, 99 % bei FFP3 nach EN 149) – was ihnen deutlich höhere Schutzwirkung insbesondere gegen kleine, in der Luft schwebende Partikel verleiht.

Prof. Adam Finkel von der University of Michigan, einer der Initiatoren, betonte im Guardian‑Interview: „Chirurgische Masken sind nicht dafür gemacht, luftgetragene Krankheitserreger zu stoppen.“ Er verglich sie mit einem frühen Schreibgerät im Vergleich zu modernen Computern – nicht dass sie völlig funktionslos wären, aber sie seien nicht zeitgemäß für den Eigenschutz im klinischen Umfeld.

Wissenschaftlicher Kontext und Debatte

Der offenen Forderung liegt die Überlegung zugrunde, dass viele respiratorisch übertragene Erkrankungen – darunter Covid‑19, Influenza und andere Atemwegsinfektionen – durch sogenannte Aerosole verbreitet werden können, die über feinste Partikel in der Luft verbreitet werden. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass solche Aerosole bei normalen Atem‑ und Gesprächsprozessen entstehen und infektiöse Partikel über Entfernungen hinaus tragen können, die über den traditionellen Tröpfchenbereich hinausgehen.

Eine systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit von PSA erläutert, dass der Schutz vor inhalativen Atemwegsinfektionen von Filterleistung, Passform und korrekter Anwendung abhängt – Faktoren, die bei chirurgischen Masken im Vergleich zu zertifizierten Atemschutzmasken limitiert sind.

Die WHO selbst erkennt in ihren Leitlinien an, dass unterschiedliche Übertragungswege möglich sind und bewertet die Verwendung von medizinischen Masken und respiratorischen Schutzmasken im Rahmen einer umfassenden PSA‑Strategie, wobei respiratorische Vorsichtsmaßnahmen in Situationen mit hohem Risiko empfohlen werden.

Gegenargumente und Evidenzlage

Kritikerinnen und Kritiker der Forderung verweisen darauf, dass randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) bisher keinen eindeutigen Vorteil respiratorischer Masken gegenüber chirurgischen Masken im klinischen Alltag nachgewiesen hätten. Die Befürworter argumentieren jedoch, dass solche Studien schwer durchführbar sind, weil perfekte Tragebedingungen und konstante Exposition schwer zu gewährleisten sind. Sie verweisen stattdessen auf laborbasierte Filtertests und physikalische Eigenschaften der Masken als verlässliche Evidenz.

Reaktion der WHO und mögliche Auswirkungen

Eine Sprecherin der WHO erklärte, dass der Brief geprüft werde und dass die Organisation weltweit Expertinnen und Experten konsultiere, um ihre Leitlinien zur PSA im Gesundheitswesen möglicherweise zu aktualisieren. Sie betonte, dass die WHO bei der Erstellung von Empfehlungen eine breite Datenlage berücksichtige.

Sollte die WHO den Ratschlag aufgreifen und respiratorischen Schutz standardisieren, könnte dies die Sicherheit von Gesundheitspersonal verbessern, Krankenstände reduzieren und die Resilienz von Gesundheitssystemen im Umgang mit Atemwegsinfektionen stärken. Zugleich wären für ressourcenschwache Regionen zusätzliche Anstrengungen nötig, um den Zugang zu hochwertigen Atemschutzmasken sicherzustellen.

Der offene Brief beleuchtet eine anhaltende Debatte in der Infektionsprävention über die Wirksamkeit verschiedener Maskentypen und die angemessene Risikokommunikation. Er basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Diskussionen über airborne Übertragung, Filterleistung von Masken und den Schutzbedarf im klinischen Alltag. Die Diskussion um die Aktualisierung von WHO‑Leitlinien ist offen und verdeutlicht, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse in globale Gesundheitsempfehlungen einfließen können.

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By Sarah Koller

Sarah Koller schreibt vor allem zu Gesundheits- und Wissenschaftsthemen, behandelt aber auch soziale und historische Fragestellungen. Ihre Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit und die Fähigkeit aus, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten.

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