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  • 18. Juli 2026 11:14

COVID-19 in der Schwangerschaft: Studie weist auf mögliche Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung hin

ByDavid Aebischer

Jan. 4, 2026

Berlin – 3. Januar 2026 – Eine aktuelle US-Studie legt nahe, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 während der Schwangerschaft das Risiko für Entwicklungsstörungen bei Kindern erhöhen könnte. Forschende des Mass General Brigham-Gesundheitssystems in Boston analysierten dafür Daten von mehr als 18.000 Geburten und fanden Hinweise auf ein erhöhtes Auftreten von Sprachstörungen, motorischen Entwicklungsstörungen und Autismus bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt waren.

Von den untersuchten Geburten zwischen März 2020 und Mai 2021 waren 861 Kinder einer mütterlichen COVID-19-Infektion ausgesetzt. In dieser Zeit war ein PCR-Test bei Aufnahme in die Entbindungsstation obligatorisch, Impfungen waren jedoch noch selten.

Die Studie zeigt, dass rund 16 % der exponierten Kinder bis zum dritten Lebensjahr eine Diagnose einer neurodevelopmentalen Störung erhielten – im Vergleich zu etwa 10 % bei nicht-exponierten Kindern. Nach statistischer Anpassung für Faktoren wie Alter der Mutter, ethnische Herkunft, Versicherungsstatus, Geschlecht des Kindes, Frühgeburtlichkeit und Impfstatus ergab sich eine um 29 % erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine entsprechende Diagnose. Besonders betroffen waren Jungen, vermutlich aufgrund einer höheren Anfälligkeit männlicher Föten für mütterliche Immunreaktionen. Das Risiko war zudem im dritten Trimester am höchsten, einer entscheidenden Phase des neuronalen Wachstums.

„Das dritte Trimester ist für die Gehirnentwicklung besonders wichtig. In dieser Phase entstehen viele Synapsen, die für spätere kognitive und motorische Fähigkeiten entscheidend sind“, erklärt Roy Perlis, Mitautor der Studie.

Bereits frühere Untersuchungen hatten bei Kindern im Alter von 12 und 18 Monaten ähnliche Trends gezeigt. Generell ist bekannt, dass virale Infektionen während der Schwangerschaft, etwa durch Grippe oder Zika, mit neurologischen Auffälligkeiten bei Kindern in Verbindung gebracht werden können. SARS-CoV-2 wird nur selten direkt auf den Fötus übertragen; Tierversuche legen jedoch nahe, dass die mütterliche Immunreaktion die Gehirnentwicklung beeinflussen könnte.

Die Forschenden und unabhängige Expertinnen und Experten betonen jedoch, dass die Studie keine direkten Kausalzusammenhänge beweist. Brian Lee, Epidemiologe an der Drexel University, warnt: „Die Ergebnisse sollten nicht so interpretiert werden, dass COVID-19 automatisch neurodevelopmentale Störungen verursacht. Vielmehr kann eine Infektion ein Hinweis auf ein potenziell erhöhtes Risiko sein.“

Andrea Edlow, leitende Autorin der Studie, fordert daher größere Untersuchungen mit mehreren Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um den Einfluss von Infektionsschwere, Trimester und Impfstatus präziser zu analysieren. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen: Impfungen können Schwangere vor schweren Verläufen und Frühgeburten schützen. Auch nach jüngsten Anpassungen im US-Impfkalender empfiehlt das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) weiterhin die COVID-19-Impfung für Schwangere.

Für Eltern, deren Kinder während der Schwangerschaft einer mütterlichen COVID-19-Infektion ausgesetzt waren, kann die Studie Anlass sein, die kindliche Entwicklung genau zu beobachten. In Deutschland liegt die Booster-Impfquote bei Schwangeren derzeit unter 50 %, was den Bedarf an gezielten Präventionsstrategien zusätzlich unterstreicht.

Die Forschung wurde durch das National Institutes of Health gefördert. Weitere Studien sind notwendig, um die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die nächste Generation umfassend zu verstehen.

-> Zur Studie

Weitere Infos / Primärquellen zu COVID-19 in der Schwangerschaft

1. Edlow AG, et al. (2026)COVID-19 in Pregnancy Linked With Risk of Neurodevelopmental Disorders in Early Childhood, JAMA.
Retrospektive Analyse von über 18.000 Geburten in den USA; untersucht den Zusammenhang zwischen mütterlicher SARS‑CoV‑2-Infektion und neurodevelopmentalen Diagnosen bis zum Alter von 3 Jahren.

2. Shuffrey LC, et al. (2022)Association of Birth During the COVID‑19 Pandemic With Neurodevelopmental Status at 6 Months, PubMed.
Kohortenstudie: Pandemiezeitraum unabhängig von direkter Infektion beeinflusst Entwicklungsparameter bei Säuglingen.

3. Gur R, et al. (2025)Prenatal SARS‑CoV‑2 infection results in neurodevelopmental and behavioral outcomes in mice, PubMed.
Experimentelle Tierstudie zur Auswirkung der mütterlichen SARS‑CoV‑2-Infektion auf Gehirnentwicklung und Verhalten.

4. Kokkinaki M, et al. (2025)Neurodevelopmental delay in children exposed to maternal SARS‑CoV‑2 in‑utero, PubMed.
Beobachtungsstudie mit Bayley-III-Untersuchungen; zeigt Entwicklungsverzögerungen bei COVID‑19-exponierten Kindern.

5. Hernández-Díaz S, et al. (2021)Impact of maternal viral infections on offspring neurodevelopment, European Child & Adolescent Psychiatry.
Überblicksstudie zu pränatalen Virusinfektionen (Grippe, Zika, SARS‑CoV‑2) und neurologischen Auffälligkeiten bei Kindern.

Alle Links führen zu den Originalstudien oder den entsprechenden wissenschaftlichen Abstracts.

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By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

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