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  • 12. April 2026 10:57

Wie entstand die Weihnachtsgeschichte?

ByLena Wallner

Dez. 24, 2025

Die Geburt Jesu – ein Ereignis, das weltweit gefeiert wird, ist zugleich von Mythos und Legende umgeben. Historiker vermuten, dass Jesus etwa vier Jahre vor unserer Zeitrechnung geboren wurde. Die genauen Umstände bleiben jedoch unsicher. Entscheidenden Einfluss auf die heute bekannte Weihnachtsgeschichte hatte der Evangelist Matthäus. Dieser Artikel beleuchtet die historischen Fakten, die Mythen und die Entstehung der traditionellen Erzählung.

Matthäus, der die frohe Botschaft von Jesus verkündete, war nach heutiger Forschung vermutlich nicht identisch mit dem gleichnamigen Jünger. Vielmehr handelte es sich wahrscheinlich um einen Lehrer einer Gemeinde von Judenchristen. Diese Gläubigen hatten sich taufen lassen, hielten jedoch weiterhin die jüdischen Gebote – eine prekäre Position in einer Zeit, die von politischen Unruhen und religiösen Spannungen geprägt war.

Rund 20 Jahre vor der Niederschrift des Matthäus-Evangeliums hatte Rom einen jüdischen Aufstand brutal niedergeschlagen. In dessen Folge verlangten die pharisäischen Schriftgelehrten eine strikte Einhaltung aller Gebote, was für die Judenchristen Fragen nach ihrem Platz im neuen Glauben aufwarf. Matthäus schrieb sein Evangelium unter anderem, um diese Zweifler zu überzeugen: Jesus sei der erwartete Messias, tief verwurzelt in der jüdischen Tradition und Erfüllung alttestamentlicher Prophezeiungen.

Interessanterweise enthalten die Quellen, die Matthäus für sein Werk nutzte – das Markus-Evangelium und die sogenannte „Q“-Quelle – keinerlei Angaben über die Geburt Jesu. Dennoch beschloss er, eine Geburtsgeschichte zu erzählen. Beginnend mit Marias Empfängnis durch den Heiligen Geist verknüpfte er bekannte religiöse Vorstellungen mit Prophezeiungen, etwa der Jesaja-Vorhersage von der Geburt eines Messias durch eine Jungfrau.

Im antiken Kontext war die Idee einer göttlichen Vaterschaft nicht ungewöhnlich. Später tauchten sogar Gerüchte auf, Maria habe eine Affäre mit einem römischen Soldaten namens Tiberius Julius Abdes Pantera gehabt – eine Behauptung, die historisch wenig Halt findet.

Matthäus versuchte außerdem, die Geburt in Bethlehem mit dem Aufwachsen in Nazareth in Einklang zu bringen. Dazu führte er die Magier aus dem Osten ein, inspiriert von historischen Ereignissen wie der Reise des armenischen Königs Tiridates nach Rom im Jahr 66 n. Chr. Die Magier – in späteren Traditionen als die Heiligen Drei Könige bekannt – brachten Geschenke wie Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ob der Weihnachtsstern tatsächlich ein astronomisches Phänomen war, bleibt umstritten.

Die Erzählung von der Flucht nach Ägypten und der Rückkehr nach Nazareth diente zwei Zwecken: Sie erfüllte alttestamentliche Prophezeiungen und schützte die Familie vor dem tyrannischen Herrscher Herodes. Der Kindermord in Bethlehem, den Matthäus beschreibt, ist historisch nicht belegt, sollte aber die Grausamkeit Herodes’ verdeutlichen.

Einige Elemente der heute populären Weihnachtsgeschichte – überfüllte Herbergen, Ochs und Esel – stammen nicht von Matthäus, sondern vom Evangelium des Lukas. Lukas schildert einen Zensus, der Maria und Josef nach Bethlehem führt, die Geburt Jesu in einer Krippe, Engel, Hirten und schließlich die Rückkehr nach Nazareth. Historisch betrachtet ist die Glaubwürdigkeit dieser Erzählung begrenzt: Ein reichsweiter Zensus zu jener Zeit fand vermutlich nicht statt, und Ochs und Esel wurden erst später als symbolische Ergänzungen eingefügt.

So entstand die Weihnachtsgeschichte – ein faszinierender Mix aus historischen Fakten, religiöser Überlieferung und Legenden, der bis heute Menschen weltweit bewegt und inspiriert.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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