Respiratorische Infektionen gelten vielerorts noch immer als saisonale Routineerscheinung. Eine neue spanische Studie mit hospitalisierten Erwachsenen zeigt jedoch, dass das Respiratory Syncytial Virus (RSV) in der klinischen Realität deutlich näher an die Influenza heranrückt als lange angenommen – sowohl bei der Schwere der Erkrankung als auch bei der Belastung der Versorgung.
Die im Fachjournal Influenza and Other Respiratory Viruses veröffentlichte Arbeit verglich Erwachsene, die entweder wegen RSV oder Influenza stationär behandelt werden mussten. Dabei zeigen sich in vielen Parametern erstaunlich ähnliche Verläufe.
Vor allem ältere Patientinnen und Patienten sowie Menschen mit Vorerkrankungen entwickeln bei beiden Infektionen schwere Krankheitsbilder, die eine Krankenhausbehandlung erforderlich machen. RSV lässt sich damit kaum noch als reines pädiatrisches Virus einordnen – auch in der Erwachsenenmedizin spielt es eine zunehmende Rolle.
Auch aus ökonomischer Sicht ergeben sich kaum klare Unterschiede. Sowohl Behandlungskosten als auch der Ressourcenverbrauch im Krankenhaus bewegen sich auf vergleichbarem Niveau wie bei Influenza-Fällen. In der Praxis verschärft das in den Wintermonaten die ohnehin hohe Belastung durch gleichzeitig zirkulierende Atemwegsviren.
Für Kliniken ergibt sich daraus ein bekanntes, aber ungelöstes Problem: Ohne Labordiagnostik lassen sich die Erreger im klinischen Alltag kaum zuverlässig voneinander unterscheiden. Die Symptomatik allein reicht für eine Differenzierung nicht aus.
Vor diesem Hintergrund gewinnt RSV gesundheitspolitisch an Bedeutung. Während gegen Influenza seit Langem etablierte Impfprogramme bestehen, stehen spezifische Impfstoffe gegen RSV für ältere Erwachsene erst seit kurzer Zeit zur Verfügung.
RSV ist damit endgültig aus dem Schatten der Kinderstationen herausgetreten – und zu einem festen Bestandteil der erwachsenen Infektiologie geworden.
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