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  • 12. April 2026 11:36

Long Covid: OECD schätzt jährliche Belastung für Volkswirtschaften auf bis zu 135 Milliarden US-Dollar

BySarah Koller

Apr. 9, 2026

Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Corona-Pandemie sind die wirtschaftlichen Folgen weiterhin spürbar. Ein aktueller Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt nun, dass Long Covid – anhaltende Beschwerden nach einer Covid-19-Infektion wie extreme Erschöpfung, Konzentrationsstörungen oder Atemprobleme – die Volkswirtschaften der 38 OECD-Länder in den kommenden zehn Jahren erheblich belasten könnte.

Laut dem am 8. April 2026 veröffentlichten OECD-Bericht Addressing the Costs and Care for Long COVID – The Long Shadow of the Pandemic könnten die jährlichen Gesamtkosten bis zu 135 Milliarden US-Dollar betragen. Etwa 11 Milliarden US-Dollar entfallen pro Jahr auf direkte Gesundheitskosten für Behandlung und Versorgung. Grundlage dieser Schätzung ist die Annahme, dass zwischen 2025 und 2035 weiterhin 0,6 bis 1,0 Prozent der Bevölkerung in den OECD-Staaten unter Long Covid leiden werden.

Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Pandemie im Jahr 2021 waren mehr als fünf Prozent der Bevölkerung betroffen – etwa 75 Millionen Menschen. Damals beliefen sich die Gesundheitsausgaben auf bis zu 53 Milliarden US-Dollar.

Den weitaus größeren wirtschaftlichen Schaden verursacht jedoch der indirekte Effekt: Long Covid führt bei vielen Betroffenen zu längeren Fehlzeiten am Arbeitsplatz, eingeschränkter Leistungsfähigkeit oder sogar zum vollständigen Ausscheiden aus dem Berufsleben. Studien, die der OECD-Bericht heranzieht, zeigen, dass rund 20 Prozent der Betroffenen langfristige Einschränkungen im Erwerbsleben erfahren. Dies entspricht einem Leistungsverlust von fünf bis zehn Prozent pro Person im ersten Jahr nach der Infektion.

Die OECD prognostiziert daraus jährliche Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,1 bis 0,2 Prozent. Hochgerechnet auf alle OECD-Länder ergibt sich die Summe von bis zu 135 Milliarden US-Dollar pro Jahr – etwa so hoch wie das gesamte Gesundheitsbudget der Niederlande oder Spaniens. Diese Belastung dürfte mindestens ein Jahrzehnt anhalten, besonders bei fortgesetzter, wenn auch moderater Virusübertragung.

Guillaume Dedet, Koordinator des Berichts und leitender Gesundheitsökonom bei der OECD in Paris, unterstreicht die Bedeutung der Studie: „Diese Arbeit liefert erstmals eine umfassende Schätzung der wirtschaftlichen Belastung durch Long Covid in den EU- und OECD-Ländern.“ Der Bericht warnt, dass Long Covid die Arbeitsmärkte langfristig beeinflussen könnte – gerade in Zeiten moderaten Wachstums und alternder Gesellschaften.

Die OECD empfiehlt unter anderem:

  • Bessere Schulungen für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte,
  • Einheitliche klinische Leitlinien, die auch die Erfahrungen von Betroffenen berücksichtigen,
  • Langfristige nationale Strategien zur Versorgung und Rehabilitation.

In einigen Ländern, darunter Deutschland und die Niederlande, seien entsprechende Initiativen bereits weiter fortgeschritten. Ziel sei es, Betroffene schneller und effektiver zu versorgen und ihnen die Rückkehr in den Arbeitsmarkt zu erleichtern – sowohl aus humanitären Gründen als auch zur Begrenzung wirtschaftlicher Verluste.

Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Pandemie zeigt der Bericht deutlich: Long Covid wirft weiterhin einen langen Schatten auf Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften.

Quelle: OECD, Addressing the Costs and Care for Long COVID: The Long Shadow of the Pandemic, April 2026.

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By Sarah Koller

Sarah Koller schreibt vor allem zu Gesundheits- und Wissenschaftsthemen, behandelt aber auch soziale und historische Fragestellungen. Ihre Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit und die Fähigkeit aus, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten.

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