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  • 12. April 2026 11:12

Dubler-„Mohrenkopf“-Gruppe auf Facebook: Ein Spiegel der Schweizer Kulturdebatte

ByLena Wallner

März 21, 2026

Die Facebook-Gruppe „Dubler Mohrenkopf“ ist auch im März 2026 weiterhin aktiv. Sie vereint über 33’000 Mitglieder, die regelmäßig Beiträge posten. Im Zentrum stehen Fotos und Videos der beliebten Schweizer Süßigkeit, häufig begleitet von kurzen Kommentaren wie „Schon wieder einen gegessen!“ oder Beiträgen, die Kritik am Produktnamen hinterfragen oder in Frage stellen. Die Gruppe entstand 2020 im Zuge der Debatte um die Black-Lives-Matter-Bewegung, nachdem Migros das Produkt aufgrund der historischen Belastung des Namens aus dem Sortiment genommen hatte.

Beobachtbare Muster in der Gruppe

Ein exemplarischer Beitrag vom März 2026 lautet wörtlich:

„Jetzt mal im Ernst, steht es in der Schweiz unter Strafe, den Begriff ‘Mohrenkopf’ zu benutzen? Wenn man hier so liest, könnte man es fast meinen.“

Der Post erhielt über 2.700 Reaktionen und zahlreiche Kommentare. Typische Antworten (öffentlich einsehbar) sind:

  • „Die Besten !!!! Morenköpfe, die es gibt, seit über 50 Jahren.“
  • „Das sind die besten Mohrenköpfe, die ich kenne.“
  • „Was gits besser’s als en Dubler ?“

Weitere Beiträge verbinden das Produkt mit Alltagserlebnissen, etwa bei Transport oder Mitfahrgelegenheiten, während Kommentare fast ausschließlich Zustimmung ausdrücken. Gegenstimmen sind in den öffentlich einsehbaren Bereichen selten.

Diese Muster zeigen ein klassisches Echochamber-Phänomen, wie es in der Kommunikations- und Sozialpsychologie beschrieben wird: Gleichgesinnte verstärken gegenseitig ihre Ansichten, während kritische Stimmen ausgeblendet werden (Pew Research Center, 2021; Oxford Internet Institute, 2021).

Gruppendynamik und Psychologie

Die Interaktionen in der Gruppe folgen einem wiederkehrenden Schema: Ein Mitglied postet ein Foto oder eine Bemerkung zum Produkt, innerhalb kurzer Zeit erscheinen zahlreiche zustimmende Kommentare. Diese Dynamik schafft ein Gefühl von Gemeinschaft und kollektiver Bestätigung.

Forschung zeigt, dass solche Echochamber-Effekte zu Radikalisierung kleiner Haltungen führen können – angefangen bei Nostalgie und Traditionsbewusstsein bis hin zu ablehnender Haltung gegenüber gesellschaftlicher Kritik (Frimer et al., 2017). In der Gruppe lässt sich beobachten, dass die Reaktion auf Kritik häufig Trotzreaktionen auslöst: Je mehr der Name öffentlich diskutiert wird, desto mehr „Ich habe gerade einen gegessen!“-Posts erscheinen.

Historischer Kontext des Begriffs

Der Begriff „Mohrenkopf“ ist historisch belastet. Er geht auf koloniale Darstellungen Afrikaner als „die Anderen“ zurück und ist in seiner Ursprungskonnotation rassistisch. Sprachwissenschaftlerinnen wie Luise Kempf (Uni Bern) betonen:

„Die Bezeichnung ist historisch nicht neutral, sie trägt ein rassistisches Weltbild in sich.“

Die gesellschaftliche Debatte betrifft somit nicht nur ein Süßigkeitenprodukt, sondern die Wirkung von Sprache auf Wahrnehmungen und stereotype Vorstellungen.

Unternehmensposition

Firmeninhaber Robert Dubler weist die Kritik an der Bezeichnung zurück. Im Interview mit Watson (2020) sagte er:

„Wenn der Mohrenkopf ein so grosses Problem ist, dann haben wir etwas viel Wichtigeres vergessen.“

Analytisch betrachtet handelt es sich hierbei um einen Whataboutism: die Kritik an einem Produkt wird auf globale Probleme verlagert, ohne sich mit der historischen und sozialen Wirkung des Begriffs auseinanderzusetzen. Dubler argumentiert außerdem, dass das Produkt nicht verantwortlich sei für rassistische Äußerungen Einzelner. Forschung zu Alltagsrassismus zeigt jedoch, dass Sprache und Symbole gesellschaftliche Wahrnehmungen prägen, unabhängig von der Intention des Herstellers.

Gesellschaftliche Reaktionen

Die Reaktionen auf die Gruppe und den Produktnamen sind polarisiert:

Die Facebook-Gruppe spiegelt damit einen breiteren Kulturkampf in der Schweiz wider: Es geht um Identität, Tradition und die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Kritik.

Die „Dubler Mohrenkopf“-Gruppe ist kein harmloses Forum für Süßigkeitenliebhaber. Sie zeigt deutlich, wie ein Produktname als Symbol für Identität, Tradition und Abwehr von gesellschaftlicher Kritik dient. Die Gruppendynamik – Likes, Wiederholung von Triumph-Posts, minimale Gegenstimmen – illustriert die Mechanismen von Echochamber-Effekten und Backlash-Reaktionen.

Gleichzeitig wird klar: Die Debatte ist mehr als Nostalgie. Historische Sprachlast, Forschung zu Alltagsrassismus und die öffentliche Resonanz zeigen, dass Sprache gesellschaftliche Realität prägt. Leserinnen und Leser erkennen in der Gruppe ein Beispiel dafür, wie digitale Räume kollektive Haltungen verstärken, selbst bei scheinbar trivialen Themen wie Süßigkeiten.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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