Möchten Sie Push-Benachrichtigungen von unserer Zeitung erhalten? Ja Nein, danke
  • 12. April 2026 12:00

Die neue Unart der belehrenden Rechthaberei

BySarah Koller

März 13, 2026

KOMMENTAR

Sie tritt oft im Gewand vermeintlicher Sachlichkeit auf und ist doch kaum zu übersehen: eine Form der belehrenden Rechthaberei, die sich zunehmend im öffentlichen Diskurs etabliert. Umgangssprachlich wird sie gern als „Klugscheisserei“ bezeichnet – gemeint ist damit nicht das sachliche Korrigieren eines Fehlers oder der berechtigte Hinweis auf einen Irrtum. Gemeint ist vielmehr eine Haltung, die weniger an Erkenntnis interessiert ist als an der demonstrativen Überlegenheit des eigenen Wissens.

In sozialen Netzwerken, Kommentarspalten, Talkshows und zunehmend auch in politischen Debatten hat sich ein Ton etabliert, der den Austausch erschwert. Aussagen werden nicht mehr ernsthaft hinterfragt, sondern vorgeführt. Wer spricht, wird nicht gehört, sondern zerlegt – bevorzugt mithilfe formaler Einwände, spitzfindiger Detailkritik oder Nebensächlichkeiten, die den Kern der Aussage verfehlen. Rechthaberei wird so zur Ersatzhandlung: Sie simuliert Kompetenz, ohne Verantwortung für den eigentlichen Inhalt zu übernehmen.

Problematisch ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil sie den öffentlichen Diskurs verengt. Wer jederzeit damit rechnen muss, öffentlich bloßgestellt zu werden, überlegt sich zweimal, ob er oder sie überhaupt noch eine Position äußert. Das betrifft nicht nur Laien, sondern zunehmend auch Fachleute, die erleben, wie komplexe Sachverhalte auf triviale „Gotcha“-Momente reduziert werden. Die Folge ist ein Klima der Vorsicht – und damit ein Verlust an Offenheit, Widerspruch und Erkenntnis.

Diese Dynamik ist kein Zufall. Digitale Öffentlichkeiten belohnen Zuspitzung, Schnelligkeit und moralische oder intellektuelle Überlegenheit stärker als geduldige Argumentation. Was sich leicht teilen lässt, setzt sich durch; was erklärt, abwägt oder Unsicherheiten benennt, bleibt zurück. Die belehrende Rechthaberei passt sich dieser Logik an – sie ist effizient, pointiert und publikumswirksam, aber selten erkenntnisfördernd.

Hinzu kommt ein demokratiepolitischer Aspekt. Öffentliche Debatten leben von Argumenten, nicht von Attitüden. Rechthaberei verschiebt den Fokus vom „Was ist richtig?“ zum „Wer hat recht?“. Gerade in Zeiten multipler Krisen – vom Klimawandel über soziale Ungleichheit bis hin zu internationalen Konflikten – ist das eine gefährliche Entwicklung. Komplexe Probleme lassen sich nicht durch sprachliche Überlegenheit lösen.

Dabei wäre Kritik notwendiger denn je – allerdings als ernsthafte Auseinandersetzung, nicht als intellektuelle Machtdemonstration. Seriöser Diskurs bedeutet, den anderen verstehen zu wollen, bevor man widerspricht. Er verlangt die Bereitschaft, Ambivalenzen auszuhalten und eigene Unsicherheiten einzugestehen. Belehrende Rechthaberei hingegen lebt von der Illusion, stets schon im Besitz der richtigen Antwort zu sein.

Eine demokratische Öffentlichkeit kann sich diese Haltung nicht leisten. Sie braucht Respekt, Präzision und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Wer wirklich klug ist, weiss: Erkenntnis beginnt nicht mit dem Belehren, sondern mit dem Zuhören. 

Wenn Sie einen Fehler entdecken, der Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollte, teilen Sie ihn uns bitte mit, indem Sie an feedback@dmz-news.online schreiben. Wir sind bestrebt, eventuelle Fehler zeitnah zu korrigieren, und Ihre Mitarbeit erleichtert uns diesen Prozess erheblich.

Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail die folgenden Informationen sachlich an: Ort des Fehlers: Geben Sie uns die genaue URL/Webadresse an, unter der Sie den Fehler gefunden haben.

Beschreibung des Fehlers:

Teilen Sie uns bitte präzise mit, welche Angaben oder Textpassagen Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollten und auf welche Weise. Wir sind offen für Ihre sinnvollen Vorschläge.

Belege: Idealerweise fügen Sie Ihrer Nachricht Belege für Ihre Aussagen hinzu, wie beispielsweise Webadressen. Das erleichtert es uns, Ihre Fehler- oder Korrekturhinweise zu überprüfen und die Korrektur möglichst schnell durchzuführen. Wir prüfen eingegangene Fehler- und Korrekturhinweise so schnell wie möglich.

Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback!

Seit unserer Gründung setzt sich die DMZ dafür ein, dass verlässliche Informationen für alle zugänglich sind. In einer Zeit, in der Desinformation und soziale Medien die Nachrichtenlandschaft prägen, ist unabhängiger Journalismus wichtiger denn je.

Wir glauben daran, dass jede:r das Recht hat, faktenbasierte, hochwertige Nachrichten zu erhalten – ohne Paywall und ohne Unterbrechungen. Unser Ziel ist es, Journalismus zu machen, der informiert, erklärt und Vertrauen schafft.

Unsere Leser:innen sind das Herzstück dieser Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir weiterhin unabhängig, kritisch und engagiert berichten. Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft uns, dieses Ziel zu erreichen.

Helfen Sie mit, Journalismus frei zugänglich zu halten. Unterstützen Sie die DMZ noch heute.

By Sarah Koller

Sarah Koller schreibt vor allem zu Gesundheits- und Wissenschaftsthemen, behandelt aber auch soziale und historische Fragestellungen. Ihre Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit und die Fähigkeit aus, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert