An der laufenden Swissbau in Basel setzen das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) Cybersicherheit in der Lieferkette und bei smarten Gebäuden ins Zentrum. Fachleute fordern klare Verantwortlichkeiten und das Prinzip «Secure by Design».
Basel/Bern – Die Digitalisierung verändert die Bau- und Immobilienwirtschaft grundlegend – und macht sie zugleich verwundbarer. An der Swissbau 2026 in Basel rücken das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) das Thema Cybersicherheit gezielt in den Fokus. In Panels, Workshops und Themenanlässen weisen die beiden Organisationen auf wachsende Angriffsflächen hin, insbesondere in der komplexen Lieferkette und bei vernetzter Gebäudetechnik.
«Cyberresilienz beginnt dort, wo Risiken offen angesprochen, Zuständigkeiten geklärt und Schutzmassnahmen konsequent umgesetzt werden», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung von BACS und SIA. Besonders die Lieferkette – von Planungsbüros über Generalunternehmer bis zu Zulieferern und Betreibern – werde zunehmend zum Einfallstor für Cyberkriminelle.
Florian Schütz, Direktor des BACS, diskutiert heute zusammen mit Christoph Starck, Geschäftsführer des SIA, und Andreas Albrecht (Uniola AG) in einem Panel, wie Angreifer gezielt das Vertrauen zwischen den Akteuren ausnutzen. Schütz betont dabei, worauf Bauunternehmen bei der Auswahl von Lieferanten und Partnern achten sollten: «Es reicht nicht mehr, nur den Preis oder die Referenzen zu prüfen. Cyberrisiken müssen bereits in der Vertragsgestaltung und bei der Due Diligence eine zentrale Rolle spielen.»
Praxisnahe Sensibilisierung
Ein zentrales Element des gemeinsamen Auftritts ist ein von SIA und BACS entwickeltes Cybersicherheits-Rollenspiel. Ohne Computer, dafür mit realitätsnahen Szenarien aus der Bauwirtschaft, können Teilnehmende unter Zeitdruck Entscheidungen treffen und die möglichen Folgen von Cyberangriffen durchspielen. Ziel ist es laut den Veranstaltern, die oft abstrakte Bedrohung greifbar zu machen – für Geschäftsführer, Bauleiter, Planer und Facility-Manager gleichermassen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf smarten Gebäuden. Vernetzte Heizungs-, Lüftungs-, Zutritts- und Energiemanagementsysteme erhöhen Komfort und Effizienz, schaffen aber neue Schwachstellen. Fachleute zeigen auf, wie Prävention, Mitarbeitersensibilisierung und ein solides Notfallkonzept ineinandergreifen müssen, damit ein Cyberangriff nicht den gesamten Gebäudebetrieb lahmlegt.
Besonders hervorgehoben wird das Prinzip «Secure by Design» bereits in der Software-Entwicklung sowie die Notwendigkeit, in Verträgen klare Verantwortlichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu definieren. Bauherrschaften sollten dabei gezielte Fragen stellen: Wer haftet bei einem Ausfall durch einen Cyberangriff? Wer ist für Updates und Patches zuständig? Wer führt Sicherheitsaudits durch?
Hintergrund
Die Bau- und Immobilienbranche zählt in der Schweiz zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen. Mit der fortschreitenden Nutzung von BIM (Building Information Modeling), IoT-Komponenten und Cloud-Lösungen auf Baustellen wächst jedoch das Risiko von Ransomware, Datendiebstahl und Betriebsunterbrechungen. Internationale Fälle – etwa manipulierte Gebäudesteuerungen oder erpresste Generalunternehmer – zeigen, dass es sich dabei längst nicht mehr um ein Randphänomen handelt.
Das BACS positioniert sich im Rahmen der Swissbau als Impulsgeber für kritische Sektoren. Parallel laufen Vorarbeiten für ein geplantes nationales Cyber-Resilienz-Regime, das voraussichtlich ab 2027 schärfere Melde- und Schutzanforderungen auch für die Bau- und Immobilienwirtschaft mit sich bringen dürfte.
Die Swissbau 2026 dauert noch bis 23. Januar (mit Zusatztag Innenausbau am 24. Januar) in Basel. Die Veranstaltungen von BACS und SIA finden verteilt über das Messegelände statt, viele sind auch als Livestream zugänglich.
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