KOMMENTAR
Ein weiterer Indikator für meine These: KI fordert nicht nur jeden Einzelnen, sondern jedes Unternehmen. Das WSJ beschreibt, wie eng der US-Aktienmarkt geworden ist. Im September verloren fast 80 % der Aktien im S&P 500, der Nasdaq-100 legte trotzdem zu. KI zieht Kapital an, und steigende Zinsen verschärfen die Spreizung.
Wer jetzt «Blase» ruft, greift zu kurz. Ja, die Welle kann erneut eine Finanzblase erzeugen, und die kann platzen. Das hatten wir vor 25 Jahren beim Internet auch. Aufgehalten hat es die Technologie nicht. Auch die erwartbare Rotation von den Ausrüstern zu den Anwendern ist kein Blasenzeichen, sondern typisch für jede Technologiewelle.
Warum das jeden betrifft: KI-Kompetenz wird zum berufs- und branchenübergreifenden Erfolgskriterium. Diese Technologie dringt erstmals in dieser Breite in unsere Wissens- und Entscheidungsprozesse vor. Wer sie kompetent einsetzt, vom Einzelnen bis zum Unternehmen, kommt vor die Welle. Alle anderen geraten darunter. Unternehmen müssen KI genauso kompetent angehen wie ihre Mitarbeitenden, beides muss zusammenfinden.
Kompetenz ist aber nur die Grundlage. Ökonomischer Erfolg entsteht aus Kompetenz plus Kapital.
Europa hat das nach 2000 schmerzhaft erlebt. Hier tragen traditionell die Unternehmen selbst den Großteil des Innovationskapitals, aus Bilanz und Geschäftsplanung. Die Börsen waren nie potent genug, Start-ups ausreichend zu finanzieren. Der Neue Markt zeigt zudem: Neben Kapital braucht es Vertrauen und verlässliche Regeln. Europäische Digitalfirmen mussten deshalb viel früher als ihre US-Wettbewerber zahlende Kunden gewinnen, im B2B oder im innovationsscheuen B2C.
Dann kam der Einschnitt: Nach 2001 strichen Unternehmen Forschungs- und Projektbudgets, und der europäische Digitalsektor brach maßgeblich daran zusammen. Konzerne sind aber weder geeignete Innovationstreiber noch Risikokapitalgeber. Diese Rolle fehlt Europa im Wettbewerb mit den USA und China bis heute, oder sie ist um ein Vielfaches kleiner.
Mein Fazit: Europa hat KI-Kompetenz von globalem Rang. Sie muss aber in die Breite: in den Bildungssektor, in die Personalentwicklung, in die Unternehmensentwicklung und bis zu jedem Einzelnen. Und sie braucht Kapital, also tiefe Kapitalmärkte mit verlässlichen Regeln und eine echte Risikokapitalkultur. Sonst bleibt es wieder bei Kompetenz wieder hier und die Wertschöpfung entsteht woanders.

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