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  • 9. Oktober 2026 9:56

Fachkompetenz und KI-Kompetenz müssen zusammenfinden – ausnahmslos

ByDirk Specht

Okt. 2, 2026

KOMMENTAR

„Es hat mein Denken verlangsamt.” So beschreibt ein 15-jähriger US-Schüler, was die KI auf seinem Schullaptop mit ihm gemacht hat. Die Hausaufgaben waren schnell erledigt, die Abschlussprüfung in Mathe ging schief. Das WSJ hat dazu über 60 Lehrer, Eltern und Therapeuten befragt.

Die Forschung dazu ist jung, teilweise auf wenig Daten besierend. Aber das Muster ähnelt sich fatal, ich habe es hier oft thematisiert, zuletzt mit einer chinesischen Schülerstudie. Die Ergebnisse legen aber nah, dass es nicht nur Kinder betrifft, sondern durchaus Gruppen, die das von sich selbst eher nicht vermuten würden:

  • PISA 2025 (OECD, 760.000 Schüler): Wer KI täglich zum Schreiben nutzt, liegt in Naturwissenschaften rund 20 Punkte zurück, etwa ein Schuljahr.
  • Türkei (Bastani et al., PNAS): +48 % bei den Übungsaufgaben, −17 % in der Klausur. Ein Tutor, der nur Hinweise gab, richtete keinen Schaden an.
  • Unternehmensberater (BCG/Harvard, 2023): Innerhalb der KI-Fähigkeiten waren sie schneller und besser. Bei Aufgaben knapp außerhalb lagen sie mit KI um 19 Prozentpunkte seltener richtig. Sie vertrauten Antworten, die gut klangen.
  • Entwickler (Shen & Tamkin, 2026): Sie verstanden Code schlechter und fanden Fehler schlechter.

Die Richtung ist überall dieselbe: KI erzeugt schnell gute Ergebnisse, wer dabei seine Fähigkeiten KI überlässt, verliert sie. Die notwendige Antwort ist aus meiner Sicht, fachspezifische Fähigkeiten mit KI-Fähigkeiten gemeinsam zu schulen. Das passiert in meinem Hörsaal seit einem Jahr und es ist herausfordernd. In Kollegenkreisen werbe ich dafür, es weiter zu entwickeln, das ganze Bildungssystem sollte es tun – mit den Schulen beginnend. Aber in Unternehmen ist es genauso erforderlich, am besten mit Aufsichtsräten und Vorständen beginnend.

KI und Mensch müssen und können klare Rollen finden. Das setzt beim Menschen Veränderung und sowohl bisherige wie neue Kompetenzen voraus, während reproduzierbare Umsetzungskompetenz vielleicht sogar bei KI besser aufgehoben ist. Dazwischen mag KI auch gute Sparringsrollen leisten, was – professionell und bewusst genutzt – menschlichen Bias reduzieren kann.

Falsch eingesetzt, passiert genau das Gegenteil. Die Bewertungs- und Entscheidungshoheit wandert zur KI, Ergebnisse sind irgendwas zwischen erratisch und noch mehr Bias-geprägt. Der Mensch wird inkompetenter.

Letztlich vielleicht komplexer denn je, aber wie gehabt: Nicht das Werkzeug entscheidet, sondern die Nutzung. Antwort-Automat oder Sparringspartner und kontrollierter Ergebnisproduzent. Das muss gelernt werden, systematisch und für jeden.

Nur so geraten wir vor die Welle und nicht darunter.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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