Disruption gestalten, nicht erleiden
KOMMENTAR
Disruptionen kündigen sich durchaus an. Sie kommen meist von außen — und treffen etablierte Technologien sowie Geschäftsmodelle genau dann, wenn die sich in ihrer Komfortzone am sichersten wähnen.
Der Kernfehler sowohl bei der Erkennung als auch der Reaktion basiert auf der Unfähigkeit, exponentielle Prozesse einzuschätzen. Was sich in den letzten zehn Jahren um Faktor 100 verbessert hat, bewerten wir oft bereits zu spät, übersehen aber vor allem, dass es in nochmals zehn Jahren Faktor 10.000 sein wird.

Anmerkung: Wir können es sogar rückwirkend oft nicht wahrnehmen. Wer sich aber mal die Leistungswerte der Digitalisierung (Mengen, Nutzer, Apps, Firmen, Umsätze, Märkte) vor 20 Jahren ansieht, wird den Faktor 10.000 finden – und immer noch nicht wirklich “wahrnehmen”.
Menschen können das nicht, daher muss man es modellieren und bei jeder intuitiven Einschätzung inne halten. Das betrifft vor allem die allzu schnellen Sätze wie “nicht machbar” oder “können wir abwarten”.
Mit diesen Gedanken habe ich letzte Woche bei einem AI-Event in Berlin einen Vortrag zum Thema Disruptionsmanagement gehalten — methodisch aufgebaut, aber mit einem sehr aktuellen Kern: dem KI-Moment in Softwareentwicklung und IT-Security.
Zugleich Gelegenheit, mit einem ebenso aktuellen Fallbeispiel, der E-Mobilität vom physikalisch überlegenen Elektromotor (1900!) bis zu Wan Gang — dem Audi-Ingenieur, der später als Chinas Wissenschaftsminister die E-Auto-Industriepolitik orchestrierte. Ein Beispiel für eine Disruption, die durch mehrere technologische Entwicklungen mehr als hundert Jahre dauerte und dann doch klassisch exponentiell durchschlug.
Der Vortrag endet übrigens mit dem sehr ernsten Hinweis, dass viele Menschen sich selbst disruptieren, indem sie ihre Fähigkeiten an AI delegieren und dadurch verlieren. Das sollte wirklich jeder sehr ernst nehmen!
Fazit: Die einen orchestrieren Disruptionen, die anderen übersehen es und sehr oft reagieren sie sogar danach noch viel zu langsam und unentschlossen.
Das muss nicht sein!
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