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  • 9. Oktober 2026 10:05

Die Argumente für eine “KI-Blase” tragen nicht!

ByDirk Specht

Okt. 1, 2026

KOMMENTAR

In der Blasen-Debatte hört man immer dieselben Argumente: Chips werden teurer, alte GPUs sind nach zwei, drei Jahren wertlos, Token-Preise fallen im Preiskrieg – also kein Geschäftsmodell. Einige dieser Aussagen lassen sich schlicht widerlegen.

1. Alte Chips sind nicht wertlos. Nvidias H100 laufen bis heute und werden aktiv gehandelt, die Miete liegt im Median bei rund 3,50 $ pro Stunde. Einjahresverträge sind seit Herbst 2025 sogar um fast 40 % gestiegen. Werden sie irgendwann wertlos, dann weil Betreiber etwas ökonomisch Besseres haben. Das ist ein Vorteil, kein Verlust.

2. Neue Chips werden pro Leistung billiger, nicht teurer. Ein B200 kostet pro Stunde rund 50 % mehr als ein H100, produziert Tokens aber 2,5- bis 6-mal günstiger und schafft etwa dreimal so viele Tokens pro Megawatt. Die Mär vom steigenden Chippreis ist falsch!

3. Knappheitspreise sind nicht von Dauer. Eigene Chips der Hyperscaler wachsen 2026 fast dreimal so schnell wie GPUs, Nvidias Bruttomarge sinkt bereits.

4. Fallende Token-Preise sind nur eine Metrik. Sie fallen in Spannen: bei Spitzenmodellen um das 5- bis 10-Fache pro Jahr, bei einfacheren Aufgaben um bis zu das 900-Fache. Zugleich sinken die Produktionskosten – durch neue Hardware und durch effizientere Algorithmen, allein Letztere um etwa das Dreifache pro Jahr. Und die Menge steigt, bei Google etwa um das Siebenfache. Das ist zunächst eine ökonomisch logische Preis-Mengen-Reaktion. Nur die Preise zu nennen, ist keine Aussage.

5. Reine KI-„Hersteller“ gibt es nicht, nur Betreiber mit oder ohne eigene Modelle. Entscheidend könnte sein, auf wie vielen Ebenen der Transformation sie aktiv sind – von Chips über Modelle bis zum Kunden – und wie gut bestehende Kundenbeziehungen und Geschäftsmodelle dazu passen. Meine Prognose: Die Geschäftsberichte einiger angeblicher “Geldverbrenner” dürften ziemlich überraschen!

6. Für Infrastrukturanbieter wie Nvidia ist die Transformation eine Gelddruckmaschine, bis Wettbewerb und Sättigung eintreten. Das kann noch Jahre dauern oder bei Überraschungen, etwa aus China, sehr schnell gehen. Investoren müssen alles einpreisen, vom schleichenden Erosionsprozess bis zum plötzlichen Kipppunkt.

Das heißt nicht, dass alle gewinnen. Bei der Auslese von Gewinnern und Verlierern kann es zu Ausfällen im hohen dreistelligen Milliardenbereich kommen. Ob das Finanzsystem dahinter eine Blase erzeugt hat, die dann wie beim Subprime-Markt oder in der Euro-Krise platzt, ist ein anderes Thema – nicht weniger wichtig, aber keine „KI-Blase“.

Quellen: SemiAnalysis InferenceX, Epoch AI, „The Price of Progress“ (arXiv), GetDeploying, SemiAnalysis/TrendForce, Nvidia-Geschäftsbericht FY2026

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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