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  • 9. Oktober 2026 9:52

Eine etwas andere Perspektive auf Zinsentwicklungen und Staatsdefizite

ByDirk Specht

Sep. 13, 2026

KOMMENTAR

Die Polykrise aus Corona-Lieferkettenstörungen und Energiepreiseskalation durch den Ukraine-Krieg löste bekanntlich 2022 eine Inflationswelle aus, wodurch die langjährige Zinssenkungspolitik beendet wurde. Nachdem die Inflation sich wieder beruhigte, wurden die Zinsen gesenkt, bis jetzt die inkompetente Trump-Regierung durch den Iran-Krieg die nächste Energiepreiswelle auslöste, was nun erneut steigende Zinsen bedeutet.

Parallel sind die Staatsdefizite weltweit gestiegen, was zusammen mit den steigenden Zinsen die Zinslasten der Haushalte belastet. Haushaltsdisziplin wird gefordert, die Kapitalmärkte sind angespannt, die Wirkung auf die Realwirtschaft könnte kritisch sein.

Das ist soweit bekannt und die gängige Geschichte. Ich habe die Daten aber mal anders aufbereitet, indem ich nicht die typischen Zinssätze, sondern die Realzinsen, also die Zinsen nach Inflation bewerte. Die Staatsdefizite habe ich als Quote der Zinsausgaben am BIP analysiert, um mal von der fachlich eher schwach begründeten Schuldenquote abzusehen.

Keine Analyse, nur eine Beobachtung:

– Die Realzinsen sind im Trend weiter seit 1980 sinkend. Lediglich der tiefe Einbruch wegen des 22er Inflationsschocks ist ausgeglichen. Insofern: Wir haben kein hohes Zinsniveau, sondern einen weiter sinkenden Langfristtrend.

– Das dürfte die Wirtschaft allgemein eher gering belasten. Die wird tatsächlich erst belastet, wenn hohe Realzinsen entstehen. Vermutlich sind sektoral Effekte zu erwarten. Zinsabhängige Bereiche wie Infrastrukturen oder Immobilien werden stärker belastet.

– Es ist aber für alle Anleger in Tagesgelder, Anleihen, Versicherungsprodukte sowie regulierte Altersvorsorgeeinrichtungen eine unveränderte Enteignung. “Sparer” werden als benachteiligt und daher sollte weiter niemand “sparen”, sondern “anlegen”.

– Das Narrativ, Staatsdefizite seien durch Inflation und niedrige Realzinsen begünstigt, hat lange funktioniert. In Deutschland gilt das immer noch, in den USA kehrt sich das durch die inkompetente Regierungspolitik gerade jedoch um.

Interpretationen:

– Systemisch sollte endlich mal kritisch geprüft werden, ob es gegen Energiepreisschocks klügeres gibt, als diese singulären Preise hilflos in alle Preise durchsickern zu sehen und dann mit dem Zinshammer antworten zu müssen.

– Das ökonomische Modell sieht eigentlich eine überhitzte Konjunktur als Inflationsursache und da mag die Zinspolitik eine angemessene Reaktion sein. Aber wegen irgendwelcher geopolitischen Probleme bei der Ölversorgung so hilflos zu reagieren, kann mal kritisch hinterfragt werden.

Das belastet Verbraucher, die wichtigen Sektoren Wohnraum und Infrastruktur, es führt zu politischen Verwerfungen. Weil irgendeine inkompetente Regierung irgendwo die Ölversorgung stört?

– China macht das besser, strategische Speicher, Sicherstellung von Lieferketten, Preiseingriffe direkt bei der Energie, Elektrifizierung, Substitution von fossilen Energien, Reduktion von Importabhängigkeiten.

– Die Haushalte in den USA waren lange Zeit in Ordnung, erst jetzt läuft – auch das – aus dem Ruder. Deutschland hätte immer noch Spielraum für eine Krisenreaktion aus dem Haushalt. Hier ist eher ein anderes Problem relevant: Dieser bürokratische und nicht mehr für Sachentscheidungen aufgestellte Staat schafft es offensichtlich nicht, so etwas wie Investitionen und Wirtschaftsförderung zu steuern. Deutschland hat kein Schulden-, sondern ein methodisches Investmentproblem.

Fazit: Die USA brauchen eine kompetente Regierung. Deutschland sollte nach Vorbild von Staatsfonds wie in Norwegen, Schweden, Singapur professionell besetzte Institutionen schaffen, die verstehen, wie man Kapital investiert, statt das ineffizient bürokratisch zu verwalten und erratisch zu verteilen.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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