KOMMENTAR
Bin jetzt mehrfach über ein Interview der Chef-Lobbyistin der Automobilindustrie gestolpert und habe es mir dann sogar vollständig angetan. Es ist lesenswert, weil Ausdruck von Kenntnislosigkeit des Wettbewerbs, fassungsloser Hilflosigkeit mit eigenen Widersprüchen und last but not least eines politischen Dilettantismus, der für eine Ex-Politikern fassungslos macht.
Man kann eigentlich jeden Absatz dieser Aussagen nahezu vollständig zerlegen. Die “Highlights” sind folgende:
– Aufmacher ist die übliche Ignoranz der chinesischen Wettbewerber mit irgendwelchen Aussagen über eigenes Selbstbewusstsein, welches seitens des Lesers im Laufe des Interviews zu pathologischen Vermutungen führen muss.
– Absolut erwähnenswert ist die politische Unfähigkeit, die Frage nach der AfD-Position zum sogenannten “Verbrenner-Aus” damit zu beantworten, man wolle “Technologieoffenheit”. Das ist symptomatisch für das politische Vollversagen von Union und FDP in der ganzen Debatte, die keinen Millimeter Abgrenzung zur AfD leistete, sondern genau das Gegenteil.
Für viele ist inzwischen ausschließlich die AfD der Rettungsanker unserer Industrie, herzlichen Glückwunsch an diese Narrative der “Technologieoffenheit”. Die Auto-Lobby hat daran einen nicht unerheblichen Anteil!
– Weiter folgt Gelaber über die Innovationskraft der Industrie, mit dem schönen Widerspruch, ein E-Auto sei einfacher zu produzieren, weshalb dafür weniger Arbeitsplätze zu erwarten seien und daher seien Berlin und Brüssel schuld, da Arbeitskosten, Bürokratie und natürlich die Energiekosten zu hoch seien. Hirnverkettungsverrenkungssyndrom innerhalb weniger Sätze.
– Dann der typische ignorante Unfug über die chinesischen Wettbewerber, die alle übersubventioniert sind, Überkapazitäten haben und kein Geld verdienen. Zu einem Zeitpunkt, zu dem sämtliche staatlichen Maßnahmen in China bereits seit acht Monaten beendet sind und die Marktauslese dort läuft, weil nichts “am Leben gehalten” wird, was nicht zum Weltmarkführer taugt. Diese wiederum rollen den Plan aus und haben genau gar keine Überkapazitäten – jenseits des Verbrenners.
Danach dummes Zeug über den nebensächlichen deutschen Markt, kein Wort zum Absturz in China sowie den US-Zöllen, nur am Rande die eigenen Überkapazitäten mal fallen lassend und weiteres, was wenig Lesefreude erzeugt. Den vollständigen Kotau am Schluss, wo es um so etwas wie eine Lösung geht, lasse ich unkommentiert stehen. Außer bräsigem Achselzucken und der Unverschämtheit, Brüssel habe autonomes Fahren in Europa verhindert, ist da nichts erkennbar.
Ich würde das gerne als hilfloses Lobby-Geschwätz abtun. Aber es ist leider nicht auszuschließen, dass wir hier ein kleines Zeitdokument sehen, welches ganz gut ein unternehmerisches Vollversagen einer ganzen Branche beleuchtet.
Mindestens muss diese Branche sich zurechnen lassen, dass die von ihr gestellte Chef-Lobbyistin im August des Jahres 2026 so ein absurdes Stück an Ahnungs- und Hilflosigkeit abliefert – in einer eklatanten eigenen Krisenphase!

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