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  • 9. Oktober 2026 10:37

Was chinesische Überkapazitäten genannt wird, sollte nicht als Fehler sondern als Strategie erkannt werden

ByDirk Specht

Sep. 6, 2026

KOMMENTAR

PV, Batterien, E-Autos: Preiskriege, Verluste, «Überkapazitäten» — die Schlagzeilen lesen sich wie eine Krisendiagnose. Abgesehen davon, dass auch diese Diagnose noch keine Antwort ist, halte ich sie für falsch.

Dabei geht es nicht um die Zahlen, sondern um deren Bewertung: «Überkapazität» wird fast automatisch mit Marktversagen gleichgesetzt, zu viel gebaut, jetzt muss bereinigt werden. Das ist eine mögliche Lesart. Es gibt aber eine zweite, ökonomisch ebenso fundierte: Kapazität wird gezielt vor der Nachfrage aufgebaut, drückt über den Preismechanismus Wettbewerber aus dem Markt und sichert Marktanteile — mit Konsolidierung als eingepreistem, unvermeidlichem Bestandteil der Strategie. Das ist in der Industrieökonomik ein eigenes, seit Jahrzehnten untersuchtes Konzept: Strategische Überkapazität als Markteintrittsbarriere (Beispielsweise Dixit, A., «The Role of Investment in Entry Deterrence», The Economic Journal, 1980).

Das trifft exakt auf die Felder zu, die Chinas Fünfjahrespläne über Jahre explizit als globale Schlüsselindustrien benannt haben. Beide Lesarten erklären dieselben Verlustquartale und Auslastungsraten. Der Unterschied liegt in der Bewertung, nicht in den Fakten.

Siehe das Chart anbei: Wer in drei Kernbranchen der Energie- und Mobilitätstransformation – mit Ansage!! – 65–92% Weltmarktanteil hält, hat entweder ein gigantisches Fehlallokationsproblem — oder vielleicht das genaue Gegenteil!

Die eigentlich unbequeme These: Wir bewerten diese Entwicklung überwiegend mit dem Instrumentarium klassischer, auf reife Märkte und Kapitalrendite ausgerichteter Ökonomie: Auslastungsquoten, Quartalsmargen, Verschuldungskennziffern. Diese Kennzahlen sind für inkrementelles Wachstum in etablierten Märkten gemacht. Eine wuchtige, szenariobasierte Industrietransformation lässt sich mit diesem Instrumentarium meiner Ansicht nach weder erfolgreich gestalten noch aufhalten — man kann sie damit nur zu spät und zu klein beantworten, wie die bisherigen westlichen Gegenstrategien zeigen.

Das ist keine Entwarnung, es ist das Gegenteil: Es ist eine Bitte um die richtige Diagnose. Denn nur wer die Herausforderung korrekt erkennt, kann ihr wirksam begegnen — mit der falschen Diagnose (vorübergehende Krise eines maroden Systems) landen wir bei der falschen Antwort – abwarten.

In diesem Sinne empfehle ich exemplarisch einen eigentlich sehr gut recherchierten Artikel des Handelsblatts. Der arbeitet sogar sehr gut die bei uns verbreitete Bewertung auf, er liefert die dafür korrekten Grundlagen und interessanterweise komme ich zu dem vernichtenden Ergebnis, dass der Artikel vollumfänglich verfehlt ist – obwohl keinerlei sachliche Fehler nachweisbar sind.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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