KOMMENTAR
2,9 Prozent Inflation im August sind kein Grund zur Panik. Aber sie sind auch kein Grund zur Entwarnung. Im Juli waren es 2,8 Prozent, die Kerninflation liegt bei 2,4 Prozent. Besonders stark sind zuletzt die Energiepreise gestiegen: um 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Man sollte diese Zahlen weder dramatisieren noch schönreden. Von den zweistelligen Inflationsraten der Jahre 2022 und 2023 sind wir weit entfernt. Aber wer heute weniger Inflation mit sinkenden Preisen verwechselt, übersieht das Entscheidende: Die Preise steigen weiter, nur eben langsamer.
Die politische Antwort darauf ist vorhersehbar. Wenn Energie, Lebensmittel oder andere Dinge teurer werden, wird nach Entlastungen gerufen. Bei Menschen, die dadurch tatsächlich in Schwierigkeiten geraten, ist gezielte Hilfe selbstverständlich richtig. Aber aus einem sinnvollen Instrument kann schnell eine politische Gewohnheit werden: Der Staat soll möglichst jede zusätzliche Belastung ausgleichen.
Das kann er nicht.
Er kann Kosten verteilen, er kann sie zeitweise abfedern, und er kann bestimmte Gruppen unterstützen. Die wirtschaftliche Belastung selbst verschwindet dadurch nicht. Irgendjemand bezahlt sie – über Steuern, geringere andere Staatsausgaben oder höhere Schulden.
Gerade bei den derzeitigen Energiepreisen zeigt sich zudem, wie begrenzt der deutsche Handlungsspielraum ist. Ein erheblicher Teil des Preisschocks entsteht außerhalb Deutschlands. Die EZB muss gleichzeitig darauf achten, dass aus einem Energiepreisschock keine dauerhafte Inflation wird. Ihr Ziel sind mittelfristig zwei Prozent.
Deutschland sollte sich deshalb auf das konzentrieren, was es selbst beeinflussen kann: Investitionen erleichtern, Genehmigungen beschleunigen, Energie verlässlich und wettbewerbsfähig bereitstellen und die Produktivität erhöhen.
Das ist weniger populär als ein neues Entlastungspaket. Es ist auch weniger schnell.
Aber langfristig ist es die ehrlichere Politik. Ein Staat kann seinen Bürgern nicht versprechen, jede höhere Rechnung zu übernehmen. Er sollte vielmehr dafür sorgen, dass Wirtschaft und Einkommen stark genug sind, damit die Menschen ihre Rechnungen selbst bezahlen können.
Inflation lässt sich nicht wegsubventionieren. Man kann ihre Folgen abfedern – ihre Ursachen muss man angehen.
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