Washington/Ottawa – Der Ontariosee heißt in den Vereinigten Staaten künftig „Lake America“. Zumindest in den Karten und Dokumenten der amerikanischen Bundesregierung. Präsident Donald Trump unterzeichnete am Donnerstag im Oval Office eine Executive Order, mit der das Innenministerium angewiesen wird, den Namen in der staatlichen Geodatenbank zu ändern. Flankiert wurde die Zeremonie von großformatigen Karten der Great Lakes, auf denen über dem östlichen See in roter Schrift „Lake America“ stand – und der Slogan „Making the Great Lakes Even Greater“.
In Kanada reagierte man unbeeindruckt. Premierminister Mark Carney stellte klar, dass der See auf kanadischer Seite weiterhin Lake Ontario heißen werde: „Damals, heute und immer.“ Auch New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul erklärte, den neuen Namen nicht zu verwenden. Viel mehr als eine politische Provokation ist die Anordnung zunächst einmal nicht.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Die Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa sind gescheitert. Die Vereinigten Staaten haben daraufhin Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar verhängt. Kanada hat Gegenmaßnahmen angekündigt, die am 8. September in Kraft treten sollen. In diesen Streit fügt sich die Umbenennung nahtlos ein. Trump hatte die Idee bereits zuvor in sozialen Medien angedeutet und sogar Videos veröffentlicht, in denen er den Namen auf einer Karte durchstreicht.
Bei der Unterzeichnung verwies er auf seine frühere Entscheidung, den Golf von Mexiko im amerikanischen Regierungsgebrauch in „Gulf of America“ umzubenennen. Dann ging er noch einen Schritt weiter und scherzte, irgendwann könne man vielleicht auch den Atlantik oder den Pazifik neu benennen. Der Scherz passt zu dem, was Trump seit Jahren mit geografischen Namen macht. Für ihn sind sie nicht bloß neutrale Bezeichnungen. Sie können politische Statements sein.
Beim Ontariosee ist die Lage komplizierter als beim Golf von Mexiko. Der See liegt an der Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten. Kein amerikanischer Präsident kann der anderen Seite vorschreiben, welchen Namen sie verwendet. Die Executive Order gilt für den Gebrauch durch die US-Bundesbehörden. Das Geographic Names Information System soll entsprechend geändert werden. Kanada, internationale Organisationen und private Kartenanbieter sind daran nicht gebunden.

Der Ontariosee, aufgenommen vom CN Tower in Toronto. In den Vereinigten Staaten soll das Gewässer künftig „Lake America“ heißen. (Foto: Ujjwal Kumar, Lake Ontario as seen from CN Tower, 2009, Wikimedia Commons, Public Domain)
Hinzu kommt die Geschichte des Namens. „Ontario“ leitet sich aus dem Wendat-Wort „Ontari’io“ ab und bedeutet in etwa „der See ist schön“ oder „See der glänzenden Wasser“. Europäische Kartographen verwendeten die Bezeichnung bereits im 17. Jahrhundert – lange vor der amerikanischen Unabhängigkeit und der kanadischen Konföderation. Trump setzt also einen ausdrücklich nationalen Namen auf ein Gewässer, dessen Bezeichnung älter ist als die heutigen Nationalstaaten.
Für die Handelsbeziehungen ändert die Umbenennung praktisch nichts. Kein Zoll wird aufgehoben, kein Abkommen verbessert. Die Schiffe auf dem See behalten ihren Kurs.
Ganz folgenlos ist die Geste trotzdem nicht. Trump nutzt auch in seiner zweiten Amtszeit symbolische Entscheidungen, um Souveränität und Durchsetzungswillen zu demonstrieren. Beim „Gulf of America“ war das bereits zu beobachten. Nun trifft es ein Gewässer, das unmittelbar an Kanada grenzt und den Namen einer kanadischen Provinz trägt.
Es geht also weniger darum, wie der See auf einer Karte heißt. Interessanter ist, dass selbst ein geografischer Name zum Gegenstand eines politischen Machtkampfes werden kann.
In den Vereinigten Staaten soll er „Lake America“ heißen. In Kanada bleibt er Lake Ontario. Der See selbst wird mit dieser Unterscheidung leben können.
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