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  • 8. September 2026 21:14

Die Rofflaschlucht: Eine verrückte Idee, die Wirklichkeit wurde

ByMonika Romer

Aug. 26, 2026

Tief in der Rofflaschlucht bei Andeer führt ein Weg durch den Fels bis hinter einen tosenden Wasserfall. Doch noch beeindruckender als der Wasserfall selbst ist die Geschichte, die dahintersteckt.

Wer heute die Rofflaschlucht besucht, hört schon bald das gewaltige Rauschen des Hinterrheins. Tief zwischen den Felswänden führt ein schmaler Weg immer weiter in die Schlucht hinein. Schließlich erreicht man den Wasserfall und kann sogar hinter dem tosenden Wasser hindurch und unter dem Rhein hindurchgehen.

Dass dies überhaupt möglich ist, verdankt man einem Mann mit einer außergewöhnlichen Idee. Christian Pitschen-Melchior lebte mit seiner Familie beim heutigen Gasthaus Rofflaschlucht. Über viele Jahre hatte das Gasthaus von Reisenden profitiert, die über die alten Alpenrouten über den Splügen- oder San-Bernardino-Pass nach Italien unterwegs waren. Mit der Eröffnung der Gotthardbahn 1882 verlor dieser Verkehr jedoch stark an Bedeutung. Die Gäste blieben aus und damit auch wichtige Einnahmen.

Für die junge Familie wurde die Situation schwierig. Christian Pitschen-Melchior und seine Frau Maria beschlossen deshalb, mit ihren Kindern nach Amerika auszuwandern. Die Gemeinde übernahm damals sogar die Kosten für die Überfahrt. In Amerika suchte die Familie ihr Glück. Christian arbeitete als Diener bei einem reichen Engländer, der durch die Vereinigten Staaten reiste. Auf einer dieser Reisen kam Christian zu den Niagarafällen.

Dort sah er nicht nur die gewaltigen Wassermassen. Er bemerkte auch, wie viele Menschen kamen, um dieses Naturschauspiel zu bestaunen. Und er erkannte darin eine Möglichkeit. Christian musste an den Wasserfall in seiner Heimat denken. Tief hinten in der Rofflaschlucht war das Tosen des Wassers zwar zu hören, doch es gab keinen Weg dorthin.

Warum also nicht auch diesen Wasserfall für Besucher zugänglich machen?

Als die Familie schließlich in die Heimat zurückkehrte, begann Christian, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Sieben Winter im Fels

1907 begann er, sich mit einfachsten Mitteln einen Weg durch den harten Fels zu bahnen. Mit Handbohrer, Hammer und Sprengstoff arbeitete er sich Schritt für Schritt in die Schlucht hinein. Seine Frau und seine Kinder halfen mit. Während im Sommer die Landwirtschaft versorgt werden musste, wurde in den Wintermonaten in der Schlucht gearbeitet.

Doch die Arbeit war mühsam und kam nur langsam voran. Jahrelang war kaum ein Ziel zu erkennen. Meter um Meter kämpfte sich Christian durch den Fels. Für die Menschen im Dorf war lange nicht sichtbar, was aus diesem Vorhaben einmal werden sollte. Immer wieder wurde deshalb an seiner Idee gezweifelt. Man hielt ihn für einen «Spinner», der einer kaum vorstellbaren Sache nachging.

Doch Christian ließ sich nicht beirren

Sieben Winter lang, von 1907 bis 1914, wurde gebohrt, gesprengt und weitergebaut. Mehr als 10.000 Sprenglöcher mussten von Hand in den Fels geschlagen werden. Rund 8000 Sprengungen waren nötig. Erst nach Jahren zeichnete sich langsam ab, dass aus der ungewöhnlichen Idee tatsächlich ein Weg zum Wasserfall entstehen würde.

1914 war es geschafft. Die Felsengalerie führte bis zum Wasserfall und unter dem Rhein hindurch.

Was als kühne Idee begonnen hatte, wurde tatsächlich zu einer touristischen Attraktion. Mit der neuen Sehenswürdigkeit kamen Besucher zur Schlucht und das Gasthaus erhielt damit eine wichtige neue Lebensgrundlage.

Ein Weg, der Geschichte erzählt

Heute kann man diesen besonderen Weg selbst erleben. Durch die schmale Galerie geht es tief in die Schlucht. Das Rauschen des Wassers wird immer lauter, bis man schließlich direkt beim Wasserfall steht. Ganz hinten führt der Weg hinter dem Wasserfall und unter dem Rhein hindurch.

Wer dort innehält, bekommt eine Vorstellung davon, welche unglaubliche Leistung hinter diesem Weg steckt. Jeder Meter wurde unter schwierigsten Bedingungen geschaffen. Im historischen Gasthaus am Eingang der Schlucht erinnert ein Museum an die Familie und an die Entstehung der Felsengalerie.

Die Rofflaschlucht ist deshalb weit mehr als ein schöner Ausflugsort. Sie verbindet eindrucksvolle Natur mit einer Geschichte über Heimweh, Mut, harte Arbeit und den Glauben an eine Idee. Christian Pitschen-Melchior sah in Amerika die Niagarafälle und brachte eine Vision mit zurück nach Graubünden. Heute, mehr als hundert Jahre später, können Besucher noch immer den Weg gehen, den er damals mit seiner Familie geschaffen hat.

Man kommt wegen des Wasserfalls und entdeckt dabei die Geschichte eines Mannes, der seiner Zeit ein Stück voraus war.

Informationen zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten finden Sie unter rofflaschlucht.ch.

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By Monika Romer

Monika Romer schreibt zu Gesundheitsthemen und ergänzt ihre Arbeit durch journalistische sowie fotografische Beiträge zu Natur- und Wildlife-Themen. Sie beschäftigt sich zudem mit gesunder Ernährung und gibt praxisnahe Tipps für Genuss und Wohlbefinden. Ihre Texte zeichnen sich durch sachliche, faktenbasierte Berichterstattung und eine reflektierte Einordnung aus.

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