Heute Abend schiebt sich der Mond über die Sonne. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Finsternis partiell zu sehen, vielerorts mit mehr als 85 Prozent Bedeckung. Wer die Totalität erleben will, muss weiter nach Westen reisen. Für den deutschsprachigen Raum wird es erst in 55 Jahren wieder so weit sein.
Wer jetzt, kurz nach 20 Uhr, in den Himmel blickt, sieht keine gewöhnliche Abendsonne mehr. Über Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Mond dabei, einen großen Teil der Sonnenscheibe zu bedecken. Die Sonne steht bereits tief, das Licht verändert sich – und in den kommenden Minuten wird die Bedeckung vielerorts ihr Maximum erreichen.
In der Schweiz wird die Finsternis gegen 20.15 bis 20.20 Uhr ihren Höhepunkt erreichen. Je nach Standort verschwinden rund 90 Prozent der Sonnenscheibe hinter dem Mond; in Teilen der Schweiz sind es bis zu etwa 93 Prozent. Auch in Deutschland und Österreich werden zwischen rund 85 und 90 Prozent erreicht. Ganz dunkel wird es hier trotzdem nicht. Dafür fehlt das letzte Stück: die vollständige Bedeckung der Sonne.
Der Mond zieht vor der Sonne vorbei
Eine Sonnenfinsternis ist zunächst nichts anderes als eine Frage der Perspektive. Der Mond steht zwischen Erde und Sonne und wirft seinen Schatten auf die Erde. Wo der Kernschatten auftrifft, wird die Sonne vollständig bedeckt. Außerhalb dieses schmalen Streifens bleibt eine partielle Finsternis.
Dass der Mond die Sonne überhaupt vollständig verdecken kann, ist ein bemerkenswerter Zufall. Die Sonne hat einen etwa 400-mal größeren Durchmesser als der Mond, ist aber auch ungefähr 400-mal weiter von der Erde entfernt. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus annähernd gleich groß.
Heute passt diese Geometrie über Teilen Europas besonders genau. Der Kernschatten des Mondes zieht von der Arktis über Grönland und Island weiter über den Atlantik nach Spanien und zu den Balearen. Dort wird die Sonne für kurze Zeit vollständig verschwinden. Auf dem europäischen Festland liegt der Totalitätsstreifen vor allem über Nord- und Zentralspanien; Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen außerhalb davon.
In der Schweiz bleibt eine Sonnensichel
Gerade der Blick aus dem deutschsprachigen Raum ist heute deshalb ein anderer als der aus Spanien. Hier verschwindet die Sonne nicht. Sie wird zur schmalen Sichel. Das Maximum fällt zudem in eine ungewöhnliche Situation: Die Sonne steht bereits nahe am Horizont und geht vielerorts kurz danach unter.
Das macht die Finsternis fotografisch interessant. Die Landschaft bleibt sichtbar, während über dem Horizont eine stark angeknabberte Sonne steht. In der Totalitätszone dagegen ändert sich die Situation innerhalb weniger Minuten grundlegend: Die helle Sonnenscheibe verschwindet vollständig, und die Korona wird sichtbar. Diese äußere Atmosphäre der Sonne ist normalerweise vom hellen Licht der Photosphäre überstrahlt. Während der Totalität kann man sie mit bloßem Auge erkennen. Ihre Struktur wird wesentlich vom Magnetfeld der Sonne bestimmt; zugleich strömt aus der Korona der Sonnenwind ins All.

Die verfinsterte Sonne am 12. August 2026. Der Mond schiebt sich vor die Sonnenscheibe; in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Sonnenfinsternis partiell zu sehen, während sie in einem schmalen Streifen unter anderem über Spanien und Island total ist. (Foto: Kepler-1229b, CC BY-SA 4.0)
Warum das nicht jeden Monat passiert
Der Mond steht bei jedem Neumond ungefähr zwischen Erde und Sonne. Trotzdem gibt es nicht jeden Monat eine Sonnenfinsternis. Der Grund liegt in der geneigten Mondbahn. Sie ist gegenüber der Ebene, in der die Erde um die Sonne läuft, um etwa fünf Grad gekippt. Meist zieht der Mond deshalb aus unserer Perspektive etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.
Nur wenn die Geometrie stimmt, fällt der Mondschatten auf die Erde. Und selbst dann ist eine totale Finsternis nur auf einem relativ schmalen Streifen zu sehen. Deshalb kann ein und derselbe Ort jahrzehntelang auf eine totale Sonnenfinsternis warten.
Die nächste kommt 2081
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist die heutige Finsternis deshalb auch ein Vorgeschmack auf etwas, das erst in ferner Zukunft wieder direkt vor der eigenen Haustür zu sehen sein wird. Die nächste totale Sonnenfinsternis, deren Totalitätszone Deutschland, Österreich und die Schweiz überquert, findet am 3. September 2081 statt. Dann wird die Sonne unter anderem von Bern und Basel aus vollständig verschwinden. Auch München liegt sehr nahe am Totalitätsstreifen; in Österreich reicht die Zone ebenfalls in den Westen des Landes.
Bis dahin gibt es allerdings andere Gelegenheiten, eine totale Sonnenfinsternis in Europa zu erleben. Bereits am 2. August 2027 zieht der Totalitätsstreifen unter anderem über Südspanien und Nordafrika. Spanien erlebt damit innerhalb eines Jahres erneut eine totale Sonnenfinsternis. Für den heutigen Abend bedeutet das: Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz geblieben ist, erlebt keine Totalität. Aber er erlebt eine ungewöhnlich tiefe partielle Finsternis – und einen der seltenen Momente, in denen sich die vertraute Abendsonne innerhalb weniger Minuten sichtbar verändert.
Wer jetzt noch hinausgeht, sollte allerdings nicht den entscheidenden Fehler machen: Auch die stark verfinsterte Sonne darf nicht ohne geeigneten Sonnenschutz betrachtet werden. Eine normale Sonnenbrille reicht nicht aus. Erst wenn die Sonnenscheibe bei einer totalen Finsternis vollständig vom Mond bedeckt ist, darf man sie ohne Filter betrachten. Sobald auch nur ein Teil der hellen Sonnenscheibe wieder erscheint, gilt das nicht mehr. Die nächsten Minuten gehören also dem Mond. Dann geht die Sonne unter – und der Himmel sieht wieder aus wie an jedem anderen Augustabend.
Quellen und weiterführende Informationen
- NASA – Total Solar Eclipse of August 12, 2026: Verlauf der Finsternis, Totalitätszone, Sichtbarkeit und astronomische Hintergrundinformationen. NASA: Total Solar Eclipse on August 12, 2026
- MeteoSchweiz – Sonnenfinsternis vom 12. August 2026: Informationen zur Sichtbarkeit in der Schweiz und zum Verlauf des Ereignisses. MeteoSchweiz: Spektakel am Himmel
- ESA – Die Sonnenkorona während der Finsternis: Wissenschaftliche Hintergründe zur Beobachtung der Korona und zur Sonnenfinsternis 2026. ESA: How ESA mimics and models the 2026 total solar eclipse
- NASA – Beobachtung und wissenschaftliche Forschung: Informationen zu den Forschungsaktivitäten rund um die Sonnenfinsternis. NASA: August 2026 Total Solar Eclipse
- Schweizer Bundesamt für Gesundheit: Hinweise zur sicheren Beobachtung der Sonnenfinsternis und zum Schutz der Augen. BAG: Sonnenfinsternis vom 12. August 2026
Stand: 12. August 2026, 20 Uhr. Die Angaben zu Sichtbarkeit und Zeitpunkten beziehen sich auf den jeweiligen Beobachtungsort.
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