KOMMENTAR
Ich begleite die Strategie von BYD schon länger, auch an den Kapitalmärkten. Während real seit ca. 2015 eine Verzehnfachung des Werts erreicht wurde, wird in Börsenkanälen das Gerede von „Überkapazitäten“ und „mangelnder Profitabilität“ mit Charts erläutert, die nicht mal die massive Kapitalmaßnahme 2025 korrekt bewerten: Da hat BYD fast 9,5 Milliarden Eigenmittel an die Aktionäre gegeben, da man zu viel Kapital angesammelt hatte und die expansive Strategie auch so realisieren konnte!
Auch die behaupteten Zusammenhänge zum „schwächelnden Inlandsmarkt“ sind nur durch Unkenntnis zu erklären. Ob der überhaupt „schwächelt“, kann sich erst zeigen, wenn die Ende 2025 konsequent auslaufenden Subventionen und Marktinterventionen als Einmaleffekt aus den Zahlen verschwinden. Das gehört nämlich auch zu dem faktenfernen Gerede in unseren Medien: China hat den E-Sektor in der Tat durch ein strategisches Bündel an Maßnahmen seit 2015 (!!) hochgezogen. Das ist bereits nicht durch „Subventionen“ erklärbar, vor allem aber hat man bereits vor fünf (!!) Jahren geplant und wie immer dann auch durchgeführt, dass der ab 2026 alleine laufen darf. Richtig gelesen, wir hören 2026 Geplärre über Subventionen, die wie 2020 angekündigt 2025 beendet wurden!
BYD zeigt im Rahmen dieser Fünfjahrespläne aber nicht nur, wie man technologisch so eine Transformation gewinnt, sondern auch strategisch. Dazu wurde aus dem ehemaligen Batteriehersteller ein technologisch vertikal aufgestellter Tech-Konzern, der sowohl für den Inlands- als auch die Exportmärkte seit fünf Jahren ganz genau weiß, was er macht! Es ist real lächerlich, wie das bei uns nun „erklärt“ wird, das kann man seit Jahrzehnten sowohl in den FYP als auch in der öffentlichen Kommunikation des Unternehmens nachlesen. Die machen das übrigens nicht, um uns zu informieren, sondern um ihre eigene Wirtschaft sowie auch die konsequent akquirierten globalen Partner einzubeziehen.
Lesen dürfen wir das trotzdem endlich auch mal!
BYD zeigt, wie strategische Industrialisierung im globalen Automotive-Sektor heute funktioniert. Statt reiner Export-Abhängigkeit skaliert das Unternehmen eine konsequente „Local-for-Local“-Strategie, die in ihrer Tiefe einzigartig ist. Der Masterplan hat drei Ebenen:
- Vertikale Integration als Fundament: Hauseigene Batterietechnologie (Blade Battery), hauseigene kritische Halbleiter, haueigene führende Robotik für führende Automatisierung in der Fertigung, hauseigene AI-Modelle, hauseigene Carsoftware. Das sichert Margen, definiert Kerntechnologie im Autobau komplett neu und entkoppelt von externen Risiken. Das Unternehmen beschäftigt mehr Batterie-, IT- und AI-Experten als Ingenieure und vor allem immer weniger Fertigungspersonal.
- Automatisierung und Skalierung: BYD exportiert nicht einfach Fahrzeuge, sondern zunehmend auch Fabriken. Die neuen Überseewerke (Ungarn, Türkei, Thailand, Brasilien) setzen auf hochgradig automatisierte Produktionslinien. Das gleicht regionale Lohnkostenunterschiede aus und sichert regionale Qualitätsstandards sowie Produktpräferenzen direkt vor Ort. Ferner unterläuft es die Optionen von Zollschranken.
- Inhouse-Logistik: Mit einer eigenen Flotte von besonders effizienten Autotransportschiffen schottet sich BYD gegen die Volatilität und Kapazitätsengpässe der globalen Schifffahrtsmärkte ab.

Das Ergebnis: Eine seit 2015 geplante und ab 2020 physisch aufgebaute Exportstrategie dreht 2025 (als man zugleich zu viel Kapital in der Bilanz feststellte!) in exponentielles Wachstum. Dabei wurden systematisch stark wachsende Regionen in Asien, Nahem Osten und Südamerika sowie zugleich aufstrebende Schwellenländer erschlossen. Die mit Zollbarrieren dichten US-Märkte interessierten nicht, Europa hat man sich m.E. strategisch glanzvoll zurechtgelegt, hier werden wir Zahlen sehen, die mal wieder „keiner sehen“ konnte.

Auch diese Strategie ist übrigens nicht ohne Herausforderungen. Der AI-Wettbewerb in Robotik sowie autonomen Fahrzeugen wird nach meiner Einschätzung über die Dominanz des Autosektors entscheiden. Ob dabei Transformationspioniere wie Tesla und BYD gewinnen oder AI-Giganten wie Google Deepseek, Nvidia sowie deren chinesische Pendants etc. muss sich erst noch erweisen.
Ohne jede Freude sehe ich parallel nur noch mit einer Mischung aus Belustigung, Tränen und wachsender Verachtung Auftritte wie den des BDA-Lobbyisten Kampeter beim zu Sicherheitsthemen immer sehenswerten Paul Ronzheimer. Da für Paul leider kein Heimspiel dürfen solche Fehlgriffe dann die Bühne nutzen, um ihr Geschwafel von Technologieoffenheit bis zu Arbeitskosten und zu hohen Steuern abzusondern. Kennt man Mitarbeiter- und Gehaltsstrukturen von Tech-Konzernen – auch in China! –, kann man sich nur schütteln, wenn immer noch nichts begreifende steinalte Herren (der ist zwei Jahre älter als ich 😉) letztlich mit schon seit 30 Jahren grenzoptimierenden Konzepten daherkommen.
Ich übersetze: Wenn mit geringeren Arbeitskosten noch ein paar hoch effiziente Verbrenner in ineffizienten Herstellungsprozessen vom Band laufen und selbstverständlich die Besteuerung von Managern sowie Aktionären geringer ausfällt, dann kann sich diese von der Politik so schmählich missachtete Industrie erholen!

Keine Pointe. Keine Hörempfehlung. Klare Weghörempfehlung!
Technologisch hat diese Führungsgeneration der deutschen Industrie fast alle Kernthemen liegen lassen. Zugleich hat man strategisch zuerst Zollbarrieren verhindert, weil man selbst in China noch ein paar Quartalsgewinne einfahren wollte und nun, da man in China nichts mehr auf die Straße bringt, hängt man am US-Markt, dessen Präsident die deutsche Autoindustrie als persönlichen Feind nennt. Tatsächlich hängt man daher an den EU-Märkten – und da fangen die Chinesen gerade erst an. Die ganzen Wachstumsmärkte der Zukunft hängen durch, weil man da weder nennenswert präsent ist, schon wegen der Hochpreisstrategie keine geeigneten Produkte hat und die Chinesen sowie andere Asiaten mit allen technologischen und wettbewerbsrelevanten Faktoren längst enteilt sind.
Das ist nicht nur technologisch ein komplettes Vollversagen, leider ist es das auch strategisch!
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