Amerikanische Langzeitstudie untersucht anhaltende Symptome und Einschränkungen nach einer SARS-CoV-2-Infektion
In einer großen amerikanischen Langzeitstudie berichtete rund jeder vierte untersuchte Teilnehmer auch bis zu drei Jahre nach einer SARS-CoV-2-Infektion über anhaltende Beschwerden. Die im Fachjournal The Lancet Regional Health – Americas veröffentlichte Untersuchung liefert weitere Hinweise darauf, dass Long Covid bei einem Teil der Erkrankten mit längerfristigen gesundheitlichen Einschränkungen verbunden ist.
Die Forscher werteten Daten des INSPIRE-Projekts aus, einer prospektiven Kohortenstudie zur Entwicklung von Gesundheitszustand und Symptomen nach einer Covid-19-Erkrankung. In die Analyse gingen 3663 Erwachsene ein, die sich zwischen Dezember 2020 und August 2022 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. Die Teilnehmer wurden bis April 2024 wiederholt zu Beschwerden, Lebensqualität und verschiedenen Gesundheitsindikatoren befragt.
994 Personen – rund 27 Prozent der untersuchten Gruppe – gaben an, weiterhin unter Long Covid zu leiden. Eine vollständige Symptomfreiheit wurde nur selten berichtet. Die Ergebnisse zeigen damit, dass ein relevanter Anteil der Teilnehmer über einen längeren Zeitraum Beschwerden angab.
Die Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Long Covid waren besonders bei körperlichen Symptomen ausgeprägt. Häufig genannt wurden starke Erschöpfung, Atemprobleme und Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit. Teilnehmer mit aktuellem Long Covid berichteten deutlich häufiger über mittelstarke bis schwere Fatigue und Atemnot als Personen ohne anhaltende Beschwerden. Auch bei der psychischen Gesundheit zeigten sich Unterschiede: Betroffene gaben häufiger Stress, Einsamkeit und eine geringere gesundheitsbezogene Lebensqualität an.
Die Studie untersuchte zudem mögliche Zusammenhänge zwischen Impfstatus und langfristigem Gesundheitszustand. Teilnehmer mit einer höheren Zahl von Covid-19-Impfungen wiesen in den statistischen Analysen bessere Werte bei mehreren Gesundheitsmaßen auf. Daraus lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können weitere Faktoren – etwa Unterschiede zwischen den Teilnehmergruppen – eine Rolle spielen.
Die Ergebnisse stehen im Einklang mit einer wachsenden Zahl von Studien, die Long Covid als komplexes Krankheitsbild mit unterschiedlichen möglichen Ursachen beschreiben. Welche biologischen Prozesse für die anhaltenden Beschwerden verantwortlich sind, ist weiterhin Gegenstand der Forschung. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen des Immunsystems, anhaltende Entzündungsprozesse, Gefäßveränderungen und Auswirkungen auf das Nervensystem. Ein einzelner Mechanismus konnte bislang nicht als Erklärung für alle Fälle bestätigt werden.
Wie jede Beobachtungsstudie hat auch diese Untersuchung Einschränkungen. Die Erfassung vieler Symptome beruht auf Angaben der Teilnehmer selbst; außerdem ist die Studiengruppe nicht vollständig mit der Gesamtbevölkerung gleichzusetzen. Dennoch gehört INSPIRE zu den größeren prospektiven Langzeituntersuchungen zu den Folgen einer Covid-19-Erkrankung und liefert wichtige Daten zur Dauer und Belastung durch anhaltende Symptome.
Die Bedeutung der Ergebnisse liegt vor allem in der langfristigen Perspektive: Für einen Teil der Betroffenen bestehen gesundheitliche Einschränkungen auch Jahre nach der akuten Infektion fort. Die Studie unterstreicht damit den Bedarf an weiterer Forschung sowie an geeigneten Versorgungsangeboten für Menschen mit anhaltenden Beschwerden nach Covid-19.
Quelle:
Gottlieb M, Yu H, Chen J, et al. Differences in Long COVID severity by duration of illness, symptom evolution, and vaccination: a longitudinal cohort study from the INSPIRE group. The Lancet Regional Health – Americas. 2025;44:101026.
DOI: 10.1016/j.lana.2025.101026
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