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  • 8. September 2026 20:51

Ceuta und Drohnen – zwei Ereignisse mit Zusammenhang: Europas politisch/gesellschaftliche Schwachstellen.

ByDirk Specht

Aug. 8, 2026

KOMMENTAR

Bei Messern und Mietautos ist die öffentliche Erregung vollkommen, bei Flüchtlingen gibt es immerhin feststellbare Erregung, bei Drohnen bleibt es eher bescheiden bis still. Es wird dringend Zeit, erwachsen zu werden!

Zu Ceuta war sofort klar, dass es sich um den nächsten Akt in der Causa Marokko/Spanien handelt. Sogar ähnliches Drehbuch, die Marokkaner belügen – vor allem über Social Media – die eigene Bevölkerung, um einen Massenansturm zu erzeugen. Unklar war eigentlich nur, ob oder wie tief die Amerikaner involviert sind. Nicht auf der Seite Spaniens, nota bene. Die mag Trump momentan bekanntlich nicht so, die Marokkaner umso mehr.

Hinderte die europäischen Regierungen aber nicht, sich wie in diesen von außen geschriebenen Drehbüchern vorgesehen, in einen hilflosen Hühnerhaufen zu verwandeln. Das Oberhuhn war dieses Mal ausnahmsweise nicht der Bundeskanzler, dessen Reaktion damit nicht als erstklassig zu bezeichnen ist, sondern seine Amtskollegin aus Rom. Die Europäer hatten nichts Besseres zu tun, als sich öffentlich an der Migrationspolitik Spaniens abzuarbeiten, obwohl denen hoffentlich noch irgendwelche Leute in der eigenen Administration sachgerechte Berichte vorlegten, dass es schlicht keinerlei Zusammenhang dazwischen gibt?

Pflichtschuldig rollten ganze Empörungswellen durch die Sozialen Medien, leider befeuert durch diverse „konservative“ Medien, die ebenfalls über Rechtsnormen, Pull-Effekte und was auch immer berichteten. Was passiert ist klar, die Erregung ging von Grenzsicherung (gegen einen Ansturm von 50.000 Menschen auf 500m Grenzzaun an einem Strand – irgendwelche sachdienlichen Vorschläge??), über „Wohlfahrtsanreize“ im Asylrecht bis zu selbstverständlich hoch wichtigen Kostendiskussionen.

Dass die Zahlen in ganz Europa und so auch in Spanien sinken, übrigens wegen der einzig möglichen großräumigen „freundlichen Unterstützung“ diverser Staaten in Nordafrika bis zur Türkei, die Marokko an dem Tag dann mal umdrehte, dass der Spuk nach einem Tag wieder vorbei war, dass da ein paar missbrauchte arme Teufel jetzt immer noch rumhängen und nicht mal so eben nach Europa kommen – alles kein Thema. So was wie Menschlichkeit inkludiert.

Es lohnt (leider) wieder vorzugsweise, ausländische Presse zu lesen und ganz bewusst zitiere ich das konservative WSJ, welches die richtige Ebene erreichte, indem es letztlich eine europäische Regierungskrise feststellt. Schon der einleitende Satz ist brillant: „Während die meisten Migranten an diesem Wochenende ein kleines spanisches Gebiet in Nordafrika verließen, wandte sich Premierminister Pedro Sánchez einer neuen Krise zu – einer Krise, die sich in den Machtzentren Europas abspielte“. Weiter führt der Bericht schlüssig vom europäischen Regierungshühnerhaufen über die Politik der Marokkaner zur Rolle der MAGA-Bewegung in den USA.

Damit zur Drohne in/über Leipzig und sorry, das hat mit der Frage, wie unerwachsen wir sind und wie wenig Talent für relevante Themen wir haben leider zu tun.

Die möglicherweise sogar zwei Drohnen führen leider nicht überraschend zu überwiegend von Troll-Armeen beherrschten Debatten über die Frage, ob „die Russen“ das (nicht) waren. Hoch gejazzt mit allen möglichen Gerüchten von „Experten“, die angeblich was auch immer ganz genau „wissen“. Auch das geht weitgehend an der primär relevanten Ebene komplett vorbei: Wie kann es sein, dass so ein Gerät da hin kommen kann? Ergänzen möchte ich, dass diese Frage offensichtlich seit einigen Jahren mehrfach in ganz Europa auf den Tisch gelegt wurde und aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen auch wieder verschwunden ist. Auch hier empfehle ich das WSJ mit dem korrekten Titel: „Bewaffnete Drohne an deutschem Flughafen stellt neue Bedrohung für Europa dar!“.

Zum Gerät bewerte ich nur aus verlässlichen Quellen veröffentlichte Informationen:

– Frame & Komponenten: Es handelte sich um eine modifizierte FPV-Drohne auf Basis eines handelsüblichen Quadrocopter-Bausatzes. Sehr wahrscheinlich vor Ort zusammengebaut.

– Elektronik: Verbaut war eine digitale Transceiver-Einheit mit Unterstützung für Frequency Hopping (frequenzspringende Signale), was elektronische Störung (Jamming) erschwert und die zudem Reichweiten von mehreren Kilometern, vermutlich sogar Fernsteuerung via D-Netz von jedem Punkt der Erde ermöglicht. Das war schon etwas mehr als „handelsüblich“, aber durchaus beschaffbar.

– Sprengstoff: Schwer detektierbarer, hoch wirksamer „Plastiksprengstoff“, Semtex, gilt als nur mit Hilfe staatlicher Zugänge als beschaffbar, daher „Militärsprengstoff“ genannt. Sehr begrenzt beschaffbar.

– Fähigkeiten, in der Kürze der Würze: Für das, was bei uns Drohnenabwehr genannt wird, komplett unsichtbar. Teilautonom flugfähig, kann sowohl manuell gesteuert werden, als auch GPS-Pfade abfliegen.

– Technologische Einstufung, dieselbe Würze: Eher lowtech, semi-professionell, im Militärsektor würde man „noch brauchbar“ dazu sagen. Vorliegend trotzdem vollkommen ausreichend.

Zu Herkunft und Motivation:

– In der öffentlichen Diskussion reine Spekulation, zunächst mal belanglos. Aus meiner Sicht wurde da ganz bewusst etwas verwendet, dessen Herkunft selbst die Nachrichtendienste vielleicht mit einigen Wahrscheinlichkeiten, aber nicht „gerichtsfest“ nachweisen können.

– Das wurde begünstigt, weil dieses eher simple Gerät für so einen Anschlag leider ausreicht. Ich spekuliere, dass diese Drohne von einem Piloten aus größerer Entfernung bis zu einem Punkt manuell navigiert wurde, ab dem dann ein autonomer GPS-Flug ins Ziel erfolgen konnte. Dadurch kann der Pilot die navigatorisch komplexere großräumige Annäherung aus der Distanz leisten, der präzise Zielanflug, der für den Piloten nicht mehr möglich ist, erfolgt autonom. Nur deshalb fliegt die Drohne ganz zum Schluss ziemlich „dumm“ und kann tatsächlich auch einfach abgefangen werden – wenn jemand sie denn zufällig sieht! Sonst: nicht! Die hätte sonst aufgrund geringer Größe und Geräuschs fast in Zeitlupe ins Ziel gefunden. Ebenso denkbar ist übrigens, dass die gar nicht funktionieren, sondern nur ein Paket Semtex demonstrativ dahin bringen sollte!?

– Zur Würze: Eine Militärdrohne der führenden Spezifikation braucht von diesen Voraussetzungen gar nichts mehr. GPS übrigens auch nicht. Die fliegt voll autonom vom beliebig weit entfernten Startpunkt ins beliebig kleine Ziel. Die kann weder durch Jamming (Elektronic Warfare) abgefangen werden und die fliegt mit mehren 100km/h ins Ziel. Wer die zufällig sieht, sollte rennen. Eine wirklich funktionierende Abwehr gegen so etwas existiert derzeit nicht. Sogar Militärstützpunkte sind, wie die USA es jetzt erfahren, nicht schützbar. Für die braucht man immerhin noch einen Drohnenschwarm, der die physischen Abwehrkräfte ablenkt, bis man die Wirkdrohne auf den Weg bringt.

– Zur Einordnung: Das Ding oder die Dinger aus Leipzig kann von jedem sein Handwerk beherrschenden Terroristen bis zu jedem einigermaßen modernen Militär (bei der Bundeswehr bin ich immer noch nicht sicher) jeder bauen. Beim Sprengstoff wird es für Terroristen wohl schwieriger, so die immer noch geltende Einstufung von Sicherheitskreisen.

Fazit: Wir sind nach mehr als zehn Jahren der angeblich staatstragend bedeutenden Migrationsfrage politisch/gesellschaftlich keinen Schritt weiter. Die Europäer haben durch viele Deals entlang der großen Flüchtlingsräume die Zahlen sogar runter gebracht, also letztlich den menschlich mehr als fraglichen politischen Auftrag umgesetzt. Die politische Kontrolle liegt damit aber woanders. Geht die verloren, reagieren die Europäer sowohl innen- wie außenpolitisch maximal dysfunktional und die Öffentlichkeit diskutiert denselben angstbasierten Blödsinn wie seit zehn Jahren. Auch deshalb funktioniert das so einfach, was die Marokkaner, Putin und Trump mit uns treiben. Damit bleibt Migration ein sehr scharfes und zugleich simples Schwert (hüstel, Messer, Mietauto), das politische System Europas aufzumischen – vermutlich bis zu von wem auch immer erwünschten Regierungswechseln!

Bei der zweiten großen Bedrohung unserer Sicherheit, nämlich moderner Drohnentechnologie und zwar sowohl als Terrorwaffe, als Waffe für hybride Kriegsführung, wie als unmittelbare Angriffswaffe, stehen wir nach vier Jahren Erkenntnis ungefähr bei einer vierjährigen Debatte, was wir mit dieser Erkenntnis tun sollten. Öffentlich, politisch, operativ, auf keiner Ebene angemessener Fortschritt erkennbar. Tatsächlich sind sogar die Zuständigkeiten immer noch ungeklärt, irgendwas in Richtung eigener relevanter Technologie ist nicht in Sicht und schon klar, wenn wir wissen oder nicht wissen, ob “die Russen” das waren, kann das Thema auch wieder abgelegt werden.

Wir neigen ohnehin dazu, Problemen der Vergangenheit mit Mitteln der Vergangenheit zu begegnen und damit dazu, die tatsächlichen Probleme mit deren Ursachen bekämpfen zu wollen. Zugleich neigen wir offensichtlich dazu, Problemen zu begegnen, indem wir uns gegenseitig mit bunter Knete über was auch immer bewerfen, um bloß nicht zu erkennen, worum es eigentlich geht.

Das ist nicht vielversprechend.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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