Der Rückzug eines geplanten Investors trifft Gianni Infantino an einem empfindlichen Punkt. Der FIFA-Präsident hat den Weltverband in den vergangenen Jahren konsequent auf Wachstum, neue Einnahmequellen und eine stärkere globale Vermarktung ausgerichtet. Nun ist eines der ambitioniertesten Finanzprojekte seiner Amtszeit ins Stocken geraten – und damit auch die Frage, wie tragfähig Infantinos Kurs innerhalb der FIFA noch ist.
Im Mittelpunkt stand die Idee, eine neue kommerzielle Struktur aufzubauen, über die zusätzliche private Mittel in die Vermarktung von FIFA-Wettbewerben fließen sollten. Das Ziel war klar: Die wirtschaftliche Bedeutung des Weltfußballs sollte weiter gesteigert und neue Erlösquellen erschlossen werden. Doch der Plan stieß auf erheblichen Widerstand. Kritiker sahen die Gefahr, dass ein stärkerer Einfluss privater Geldgeber die Unabhängigkeit des Weltverbandes beeinträchtigen könnte.
Für Infantino ist die Angelegenheit mehr als ein gescheitertes Geschäftsvorhaben. Seit seinem Amtsantritt 2016 steht seine Präsidentschaft für den Versuch, die FIFA nach den Korruptionsskandalen früherer Jahre neu auszurichten und wirtschaftlich weiter auszubauen. Der Schweizer präsentiert höhere Einnahmen und größere Investitionen in den Fußball als Beleg für den Erfolg seiner Strategie.
Gerade deshalb besitzt der Rückschlag politische Bedeutung. Innerhalb der FIFA zählt nicht allein die wirtschaftliche Bilanz, sondern auch die Fähigkeit des Präsidenten, unterschiedliche Interessen der Mitgliedsverbände zusammenzuführen. Der Widerstand gegen den Investorenplan zeigte, dass Infantinos Vorstellungen nicht überall auf Zustimmung stoßen.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch Berichte über mögliche Verbindungen einzelner Unterstützer des Projekts zum politischen Umfeld von Donald Trump. Solche Kontakte verstärkten die Forderungen nach Transparenz und sorgten für neue Diskussionen über die Nähe zwischen Fußball, Wirtschaft und Politik.
Die FIFA selbst bleibt finanziell ein mächtiger Verband. Für den aktuellen Geschäftszyklus rechnet die Organisation mit Milliarden-Einnahmen, insbesondere durch die Vermarktung großer Turniere wie der Weltmeisterschaft. Infantinos Argument lautet seit Jahren, dass diese wirtschaftliche Stärke genutzt werden müsse, um den Fußball weltweit weiterzuentwickeln.
Doch wirtschaftliches Wachstum allein garantiert keine politische Stabilität. Der FIFA-Präsident muss nun erklären, wie seine Pläne ohne den umstrittenen Investorenansatz umgesetzt werden sollen. Gleichzeitig beginnt die nächste Phase des Machtkampfs um die Führung des Weltverbandes.
Noch verfügt Infantino über erheblichen Einfluss und Unterstützung in vielen Mitgliedsverbänden. Der gescheiterte Plan hat jedoch gezeigt, dass auch seine Position nicht unangreifbar ist. Die Auseinandersetzung um die Zukunft der FIFA wird deshalb nicht nur eine Debatte über Geld sein – sondern darüber, wem die Kontrolle über das größte Geschäft des Weltfußballs letztlich gehört.
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