Statt das Internet vollzuschreiben, durfte ich mal wieder quatschen. Ein “Streitgespräch” mit Prof. Lion Hirth ist natürlich eine besondere Freude. Hervorheben möchte ich, dass es für mich ein Gewinn an Debattenkultur ist, denn wir konnten uns auf die Fakten sehr gut einigen, um dann aus unterschiedlichen Perspektiven zu bewerten. So sollte das sein!
Das Gespräch hat viel Konsens ergeben, aber in einigen Punkten bin ich kritischer:
– Wir haben in Deutschland inzwischen ein bald pathologisches Effizienzproblem. Das ist im Energiesektor besonders ausgeprägt. Es gipfelt in meinem Statement, dass wir zu viel über Erzeugungstechnologie und zu wenig über Effizienz bzw. die Gründe der Ineffizienzen reden. “Was wir in Deutschland einsetzen, wird immer teurer als woanders sein” – um mich selbst zu zitieren.
– Ohne es wirklich zu wissen, bezahlen Endverbrauchen über den Strompreis in Deutschland sehr hohe Kapitalkosten. Die werden auf der anderen Seite von Betreibern, vor allem Netzbetreibern, von Banken, Versicherungen, Investoren als Rendite erzielt. Der deutsche Energiesektor gilt aus Gründen als sehr lukratives Investment, weshalb diese Renditen zudem auch noch oft von ausländischen Investoren erzielt werden. Das wäre in Ordnung, wenn der Markt freier und wettbewerbsintensiver wäre. So nenne ich beispielsweise Texas. Ist er das aber nicht, wird er also so eng staatliche reguliert und abgesichert, wie bei uns – was ich richtig finde! – dann dürfen die Investoren bei geringeren Risiken nicht Renditen erhalten, die weit über Staatsanleihen liegen. So nenne ich beispielsweise China.
Die Kapitalkosten sind der größte Bestandteil unserer Endpreise. Das muss nicht sein, diese Überrenditen sind nicht gerechtfertigt.
– Bei Merit-Order sehe ich den Grenznutzen überschritten. Wir haben inzwischen aus technischen Gründen, die dieses Marktdesign nicht berücksichtigt, wahlweise Preise, zu denen keiner mehr produzieren kann, zugleich aber sogar zu geringe Zeiten, zu denen mit Mondpreisen ausgeglichen wird. Vor allem ist es asymmetrisch, wer von diesen Mondpreisen profitiert. In anderen Märkten, die Lion zu Recht nennt, führt das zu Lenkungseffekten, weil die günstiger produzierenden die teureren verdrängen. Das geht aus technischen Gründen hier nicht.
Die Folge ist, dass parallel ein Subventionsmarkt entsteht, bei dem der Staat Mindestpreise absichert, damit Erzeuger noch anbieten, inzwischen auch bei Gaskraftwerken. Einen Börsenmechanismus, den ich woanders sehr schätze, der aber durch einen politischen Fördermarkt ausgehebelt wird, braucht man m.E. nicht.
Auch das ist nämlich: Ineffizient.
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