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  • 13. August 2026 2:34

KI ist das leistungsfähigste Werkzeug – nicht weniger, nicht mehr

ByDirk Specht

Juli 22, 2026

KOMMENTAR

OpenAI verliert bei einem Test mit einem AI-Modell die Kontrolle. Diese Nachricht wird momentan mal wieder bis zur Unkenntlichkeit weiter gedreht, um Erregungsjournalismus zu fördern. Daher kurz ein paar Worte dazu.

Was KI an der Stelle macht, ist nichts anderes als Sicherheitsexperten oder Hacker auch tun. Source-Codes, Systemarchitekturen, Netzwerkumgebungen werden auf Fehler und Lücken untersucht. Daraus kann man Angriffsstrategien entwickeln. Die Palette ist groß, das reicht von einer ungewollte “Backdoor”, also einem nicht dokumentierten direkten Zugang bis zu systematischen Abfragesequenzen, die ein System mit verschiedenen Folgen überlasten.

KI macht das (natürlich) genauso, weil sie aus der Summe dieser Möglichkeiten und Vorgehensweise trainiert wurde. Sie macht das aber erstens gnadenlos vollständig und zweitens unfassbar schnell. Das ist in der Gesamtwirkung daher wirkungsvoller als Teams von Menschen es erreichen können. Daher wird nebenbei bemerkt KI als Abwehrschirm unverzichtbar. Wer das nicht macht, muss nur warten, bis irgendein Modell mal um die Ecke kommt und im eigenen Wohnzimmer Platz nimmt.

Wie in vielen anderen Fällen automatisiert und beschleunigt KI hier also nur, was Menschen vorher gemacht haben und am besten stellt man KI dagegen auf. Es gibt aus meiner Sicht “aufregender” Dinge rund um KI als das.

Im vorliegenden Fall hat zudem keine “dämonische” KI irgendwas eigenständiges getan. Das Modell hatte bei OpenAI lediglich den Auftrag, Systeme mit Sicherheitslücken zu suchen und diese anzugreifen. Das ist leider eine typische Hacker-Vorgehensweise: Die wählen gar kein spezifisches Angriffsziel, sondern lassen von ihren Tools irgendeinen Service suchen, der irgendeine Lücke hat. Was dann gefunden und angegriffen wird, ist Zufall.

So hat dieses Modell hier zuerst die eigene Umgebung bei OpenAI als Ziel identifiziert und die unzureichende Abschottung überwunden. Das sollte nämlich alles im internen Netz von OpenAI ablaufen. Nach diesem “Ausbruch” wurde dann die Website von “Hugging Face” angegriffen. Übrigens erfolglos, denn deren Sicherheitssysteme bemerkten und stoppten den Angriff. Sie merkten sogar, dass der von einem der leistungsfähigeren KI-Labore kommen musste, wodurch letztlich OpenAI identifiziert werden konnte.

Das ist keine Petitesse, aber diese Dämonisierung ist nicht angemessen. Die KI hat ausgeführt, was ihr Auftrag war, es hat sich nichts verselbständigt. Was aber klar ist: Das sind mächtige Werkzeuge, die offensichtlich auch die Kontrollmöglichkeiten der eigenen Hersteller überfordern können.

Selbstverständlich ist das also ein ernster Vorgang, der die Initiativen, über die ich berichtete, bestätigt. Umso sachgerechter sollte aber berichtet werden. KI ist weder ein nutzloses Spielzeug, was viele immer noch so sehen, es ist aber auch keine Superintelligenz, die ihre eigenen Wege geht.

KI ist das mächtigste Werkzeug, das die Menschheit je erfunden hat. Zudem eines, das sich selbst weiter entwickelt. Selbstverständlich muss über den Einsatz des Werkzeugs gesprochen und der muss auch geregelt werden. Mit wahlweise Verharmlosung oder Dämonisierung geht das aber nicht.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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