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  • 13. August 2026 2:33

Der Makrohubschrauber signalisiert: EU weiter entwickeln!

ByDirk Specht

Juli 20, 2026

KOMMENTAR

Aus der Recherche für ein Paper hier eine Datenschlacht zur Information für die höchste makroökonomische Hubschrauberperspektive:

  • Chart1: Der BIP-Verlauf der größten Wirtschaftsregionen seit 2000. Das oft gesehene Bild: Die USA sind zum größten Wirtschaftsraum aufgestiegen. Die EU, die das mal war, wurde von China knapp überholt. Was gerne übersehen wird: Die Weltwirtschaft hat sich insgesamt ähnlich entwickelt und der gerne als „Rest der Welt“ bezeichnete Wirtschaftsraum war und ist immer noch der größte.
  • Chart2: Der direkte Vergleich 2000 versus 2025. Dieselben Zahlen nochmals lesbar, Deutschland als einzelne Volkswirtschaft bekanntlich auf Rang 3. Aus Platzgründen musste ich Japan hier insgesamt weglassen.
  • Chart3: Wenn man das nicht in Dollar, sondern in lokaler Kaufkraft ausdrückt, also die Währungsschwankungen mit den jeweiligen Inflationsraten der Regionen korrigiert (oft „internationaler Dollar“ genannt), so ist das Bild aber bereits anders. Das weist inzwischen China als größte Region aus, nebenbei bemerkt wäre Japan hier Nummer drei. Ich möchte klarstellen: Der Vergleich in Dollar und dieser kaufkraftbereinigte haben beide ihre Vor- und Nachteile. Keiner kann von sich behaupten, der einzig richtige zu sein. Man kann grob sagen, dass der Dollarvergleich eher die Verhältnisse aus Sicht der Weltmärkte darstellt, der kaufkraftbereinigte eher die aus jeweils nationaler Sicht.
  • Chart4: Wenn man das Wachstum bewertet, also alle Daten für 2000 auf 100% normiert, so findet das fast nur in China statt. Klar, das sind Basis- und Aufholeffekte. Man kann hier vermutlich auch weitaus kleinere Volkswirtschaften finden, die sich hier einreihen würden. Es ist aber die insgesamt nun mal vermutlich bereits jetzt größte. Und zwar wegen genau dieser Darstellung.
  • Chart5: Hier findet sich ein tieferer Blick in diese Daten, nämlich die Verhältnisse von Im- und Exporten zu dieser nationalen Wirtschaftsleistung. Das ist nicht die Quote, denn Importe und Exporte werden nicht zum BIP gezählt, lösen dieses aber indirekt natürlich aus. Diese Verhältnisse drücken aber sehr gut aus, wie tief die Volkswirtschaften in den globalen Handel integriert sind. Was man unschwer erkennt: Die europäischen Volkswirtschaften haben das aus einem führenden Niveau weiter ausgebaut, der externe Handel erreicht fast 50% der nationalen Wirtschaftsleistung. Die USA liegen unverändert bei ca. 14% Importen und 10% Exporten, hier dominiert wie schon immer die Binnenwirtschaft. China hat das leicht reduziert, 15% Importe, 20% Exporte.
  • Chart6: Das ist Chart5, jedoch für die EU korrigiert um den Binnenhandel. Hier sind also nur die EU-Außenhandelsdaten zu finden. Zwei Punkte sind erwähnenswert: i) Die Abhängigkeit von Außenhandel wurde auch gemäß der korrigierten Daten ausgeweitet, aber tatsächlich erst auf das Niveau Chinas, die das jedoch reduzieren. ii) Bei den Exporten nimmt der Dienstleistungssektor insbesondere bei den USA zu, in Deutschland ist das immer noch unterrepräsentiert.

Ich will das bewusst nicht bewerten, das würde den Rahmen sprengen. Daten in dieser Aggregation kann man nicht mit wenigen Worten angemessen analysieren. Lediglich zwei Feststellungen möchte ableiten:

  • Die EU spielt immer noch eine relevante Rolle, aber die EU ist tief in den globalen Handel integriert. Das muss sie gewiss verteidigen, aber sie sollte es auch nicht vertiefen, sondern den Binnenhandel stärken. Außerdem darf sie mal den „Rest der Welt“ adressieren, da sind die Chinesen nebenbei bemerkt momentan strategisch weiteraus konsequenter unterwegs.
  • Die einzelnen EU-Länder sind inzwischen so tief in Handelsbeziehungen – primär immer noch untereinander – integriert, dass hier ein Modellwechsel weder möglich, noch attraktiv ist. Insofern sollte niemand den AfDeppen folgen, die mit völkischem Überlegenheitssprech ausgerechnet das EU-Projekt verlassen wollen.

Bei aller berechtigten Kritik an der EU gibt es nur einen Weg, der explizit Folge dieser Kritik sein muss: Wir müssen das EU-Projekt verbessern und vertiefen.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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