Möchten Sie Push-Benachrichtigungen von unserer Zeitung erhalten? Ja Nein, danke
  • 13. August 2026 1:12

Die chinesischen Mehrjahrespläne sollte man nicht weiter aus den Bilanzen der Vergangenheit zur Kenntnis nehmen

ByDirk Specht

Juli 18, 2026

KOMMENTAR

Das faszinierende an diesem Bild ist, dass diese Daten fast 15 Jahre vorher in öffentlichen Planungen der chinesischen Institute absehbar waren und 10 Jahre vorher in öffentlichen Fünfjahresplänen als Ziel definiert wurden. Trotzdem werden sie jetzt von vielen “überrascht” festgestellt, die sich irgendwo mit diesen verschwindend kleinen Balken zu befassen haben. Begleitet von politisierten Erklärungsversuchen, warum es dazu gekommen ist, was in der intellektuellen Glanzleistung fehlender Kernkraftwerke münden kann.

Seitdem ich auf diese Pläne hinweise, höre ich, das seien irgendwelche Institute, die irgendwelche Szenarien modellieren und diese Pläne seien irgendwelche politischen Ziele einer Autokratie, die machen könne, was sie wolle.

Gerne darf man zumindest mal zur Kenntnis nehmen, dass diese Szenarien zuverlässig eintreten und diese Autokratie offensichtlich nicht nur macht, was sie will, sondern zudem, was real funktioniert. Dabei darf man vielleicht auch den vorsichtigen Verdacht entwickeln, dass es sich nicht um Zufälle handelt, sondern irgendwas mit Strategie, Wissenschaft, Planungs- und Umsetzungskompetenz zu tun hat. Also so komisches Zeugs, das man in einer Demokratie weshalb so ganz genau nicht nutzen kann, darf oder soll?

Daher erlaube ich mir auf die aktuellen Pläne hinzuweisen, in denen nämlich folgende zukünftig führende Balken angestrebt werden:

  • Das größte primär mit PV, Wind und BESS komplett digitalisiert gesteuerte Stromnetz der Welt.
  • Als alles entscheidende Infrastruktur für die größte vollständig elektrifizierte Volkswirtschaft der Welt.
  • Der Weltmarktführer der dafür erforderlichen Netztechnologien: KI, Leistungselektronik, saisonale Speichertechnologien.

Das ist aber “nur” der Energiesektor, von dem man dort verstanden hat, dass er Basis für alles weitere ist (stand im FYP um die 2000er). Die Amerikaner haben das erkannt, ein KI-Wettlauf gegen einen Wettbewerber, dessen Stromsystem doppelt so groß ist und viermal schneller wächst, wird schwierig. Das europäische Stromsystem liegt übrigens bei 1/4 des chinesischen und es darf gar nicht wachsen, weil das zu teuer ist und effiziente Verbrenner im Geschäftsmodell stört.

Nun will China im aktuellen FYP aber weit mehr, ich zitiere nur die dort definierten 7 „Frontier-Technologien“:

  • “AI Plus“-Initiative: Multimodale Intelligenz, autonome Agenten, Embodied AI, Physical AI, Industrial AI. Damit will man Weltmarktführer in Robotik und Automatisierung werden, was anders als in Europa aus der AI und nicht aus der Grenzoptimierung von “Robotergelenken” gedacht wird.
  • Quanten-Computing, Quantenkryptografie, satellitengestützte Quantenkommunikation.
  • Halbleiter, technologische Autonomie als Existenzfrage (direkte Reaktion auf die US-Sanktionen), optoelektronische Bauteile, High-End-Prozessoren, fortgeschrittene Packaging-Technologien, eigene EDA-Software (Design-Tools).
  • Neurowissenschaften & Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI): Erforschung neuronaler Netzwerke, Entwicklung eigener Gehirn-Computer-Schnittstellen, analog zu Neuralink, jedoch für den industriellen und medizinischen Massenmarkt.
  • Genomik, Biotechnologie & Biomanufacturing: Synthetische Biologie und genetische Züchtungsmethoden zur Sicherung der Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung.
  • Klinische Medizin und Gesundheit: Aufbau global führender Zentren für translationale Medizin und innovative Biopharmazeutika.
  • Deep Space, Deep Earth, Deep Sea & Polarforschung: Technologische Erschließung extremer Räume. Hierzu zählen Tiefseetauchboote, die Erkundung von Erdmantel-Ressourcen sowie Raumfahrttechnologien (Mond- und Marsmissionen).

Das muss man alles nicht mögen, aber die vielen Branchen jenseits des hoch effizienten Verbrenners, die betroffen sind, erkennt wohl jeder. Die geopolitischen, militärischen und gesellschaftlichen Themen hoffentlich auch.

Wollen wir die dabei vielleicht ausnahmsweise mal etwas stören oder lassen wir das dort laufen, damit wir hier über Arbeitszeiten, Krankschreibungen und Gendern versus Anti-Gendern weiter tiefe Debatten führen können. Ach ja, über Kernkraftwerke natürlich auch.

Wenn Sie einen Fehler entdecken, der Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollte, teilen Sie ihn uns bitte mit, indem Sie an feedback@dmz-news.online schreiben. Wir sind bestrebt, eventuelle Fehler zeitnah zu korrigieren, und Ihre Mitarbeit erleichtert uns diesen Prozess erheblich.

Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail die folgenden Informationen sachlich an: Ort des Fehlers: Geben Sie uns die genaue URL/Webadresse an, unter der Sie den Fehler gefunden haben.

Beschreibung des Fehlers:

Teilen Sie uns bitte präzise mit, welche Angaben oder Textpassagen Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollten und auf welche Weise. Wir sind offen für Ihre sinnvollen Vorschläge.

Belege: Idealerweise fügen Sie Ihrer Nachricht Belege für Ihre Aussagen hinzu, wie beispielsweise Webadressen. Das erleichtert es uns, Ihre Fehler- oder Korrekturhinweise zu überprüfen und die Korrektur möglichst schnell durchzuführen. Wir prüfen eingegangene Fehler- und Korrekturhinweise so schnell wie möglich.

Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback!

Seit unserer Gründung setzt sich die DMZ dafür ein, dass verlässliche Informationen für alle zugänglich sind. In einer Zeit, in der Desinformation und soziale Medien die Nachrichtenlandschaft prägen, ist unabhängiger Journalismus wichtiger denn je.

Wir glauben daran, dass jede:r das Recht hat, faktenbasierte, hochwertige Nachrichten zu erhalten – ohne Paywall und ohne Unterbrechungen. Unser Ziel ist es, Journalismus zu machen, der informiert, erklärt und Vertrauen schafft.

Unsere Leser:innen sind das Herzstück dieser Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir weiterhin unabhängig, kritisch und engagiert berichten. Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft uns, dieses Ziel zu erreichen.

Helfen Sie mit, Journalismus frei zugänglich zu halten. Unterstützen Sie die DMZ noch heute.

By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert