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  • 18. Juli 2026 10:39

Die Rückkehr der Schweiz in die Weltspitze: Ein Viertelfinale nach 72 Jahren

ByAnton Aeberhard

Juli 8, 2026

Es war kein spektakulärer Fußballabend, zumindest nicht im klassischen Sinn. Keine Tore in 120 Minuten, wenig spielerischer Glanz, dafür aber eine Mannschaft, die unter größtem Druck die Ruhe bewahrte. Im Elfmeterschießen gegen Kolumbien setzte sich die Schweiz mit 4:3 durch und erreichte damit erstmals seit 1954 wieder das Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Was sich über weite Strecken wie ein Geduldsspiel anfühlte, wurde am Ende zu einem der bedeutendsten Kapitel in der Geschichte des Schweizer Nationalteams.

Der entscheidende Moment gehörte Ruben Vargas. Sein verwandelter Strafstoß besiegelte nicht nur den Sieg gegen Kolumbien, sondern beendete auch eine lange Wartezeit. 72 Jahre lang hatte die Schweiz auf eine Rückkehr unter die besten acht Mannschaften einer Weltmeisterschaft gewartet. Eine solche Serie ist für ein Land, das seit Jahrzehnten regelmäßig an großen Turnieren teilnimmt, bemerkenswert.

Der letzte Viertelfinaleinzug der Schweizer Männer lag in einer anderen Fußballwelt. 1954 war die Schweiz Gastgeber der Weltmeisterschaft und erreichte vor eigenem Publikum die Runde der letzten Acht. Das Turnier ging als jenes Jahr in die Geschichte ein, in dem Deutschland mit dem „Wunder von Bern“ seinen ersten Weltmeistertitel gewann. Für die Schweiz endete das eigene Turnier allerdings mit einer bitteren Niederlage: Im Viertelfinale verlor sie gegen Österreich in einem bis heute legendären Spiel mit 5:7 – dem torreichsten WM-Spiel der Geschichte.

Schweizer Nationalmannschaft 1954: Kapitän Roger Bocquet führte das Team bei der Heim-Weltmeisterschaft an. Die Aufnahme stammt aus dem WM-Jahr 1954.
Foto: J. D. Noske / Nationaal Archief Fotocollectie Anefo – Lizenz: CC BY-SA 3.0 NL.

Roger Bocquet, Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft bei der Fussball-Weltmeisterschaft 1954.<br> Foto: J. D. Noske / Nationaal Archief Fotocollectie Anefo – CC BY-SA 3.0 NL.

Auch in den Jahren davor hatte die Schweiz international für Aufmerksamkeit gesorgt. Bei den Weltmeisterschaften 1934 und 1938 erreichte sie ebenfalls das Viertelfinale. Danach begann jedoch eine lange Phase wechselnder Erfolge. Die Schweiz blieb zwar eine regelmäßige Teilnehmerin an Weltmeisterschaften, doch der Sprung in die entscheidenden Runden wollte nicht gelingen.

Besonders schmerzhaft waren jene Turniere, bei denen die Mannschaft nahe am Durchbruch stand. 2006 in Deutschland scheiterte die Schweiz im Achtelfinale gegen die Ukraine nach einem Elfmeterschießen, das bis heute als eines der bittersten Kapitel der Nationalmannschaft gilt. Die Schweizer verschossen damals alle drei Versuche vom Punkt. 2014 folgte das Aus gegen Argentinien erst in der Verlängerung, als Ángel Di María kurz vor dem Ende traf. Auch 2018 und 2022 endete die Reise jeweils im Achtelfinale.

Der Sieg gegen Kolumbien besitzt deshalb eine besondere Bedeutung: Die Schweiz hat nicht nur eine sportliche Hürde überwunden, sondern auch ein lange bestehendes Muster durchbrochen. Ausgerechnet im Elfmeterschießen, jener Disziplin, die einst zum Symbol des Scheiterns geworden war, gelang diesmal der historische Schritt nach vorne.

Der Erfolg ist allerdings nicht allein das Ergebnis eines einzelnen Spiels. Er ist Ausdruck einer Entwicklung, die den Schweizer Fußball seit Jahren prägt. Die konsequente Nachwuchsarbeit, die bessere Ausbildung junger Spieler und die zunehmende Präsenz Schweizer Fußballer in europäischen Spitzenligen haben eine Generation hervorgebracht, die auf internationalem Niveau bestehen kann.

Spieler wie Granit Xhaka stehen für diese Entwicklung. Sie verbinden internationale Erfahrung mit der Mentalität einer Mannschaft, die längst nicht mehr nur als unangenehmer Außenseiter wahrgenommen wird. Die Schweiz ist heute ein Team, das gegen etablierte Fußballnationen auf Augenhöhe auftreten kann.

Dabei war der Weg keineswegs geradlinig. Die Schweiz hat nie über die Ressourcen der großen Fußballnationen verfügt. Ihr Erfolg beruht weniger auf einzelnen Ausnahmetalenten als auf einer über Jahre aufgebauten Struktur. Genau darin liegt die eigentliche Geschichte dieses Viertelfinaleinzugs.

Nun wartet mit Argentinien der amtierende Weltmeister. Es ist eine Begegnung mit besonderer Vorgeschichte: Schon 2014 trafen beide Mannschaften im Achtelfinale aufeinander, damals entschied ein spätes Tor in der Verlängerung zugunsten der Südamerikaner. Die Ausgangslage ist diesmal eine andere. Die Schweiz tritt nicht mehr als Mannschaft an, die auf einen Überraschungsmoment hoffen muss, sondern als ein Team, das bewiesen hat, dass es auf dieser Bühne bestehen kann.

Ob der Weg weiterführt, entscheidet sich gegen einen der stärksten Gegner der Welt. Unabhängig vom Ausgang aber steht fest: Mit dem Sieg gegen Kolumbien hat die Schweiz einen Platz in ihrer Fußballgeschichte zurückerobert, den sie seit mehr als sieben Jahrzehnten nicht mehr erreicht hatte.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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