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  • 18. Juli 2026 11:47

Lebensmittelinfektionen in der Schweiz bleiben hartnäckig hoch – Campylobacter weiter dominierend

ByAnton Aeberhard

Juli 3, 2026

Bern – Die Zahl lebensmittelbedingter Infektionen in der Schweiz kommt nicht von der Stelle. Trotz hoher Hygienestandards, engmaschiger Kontrollen und wiederholter Präventionskampagnen bleibt das Niveau seit Jahren bemerkenswert stabil – und hoch.

Der neue Zoonosebericht des Bundes zeigt für 2025 rund 8.700 laborbestätigte Campylobacter-Fälle. Der Erreger bleibt damit mit Abstand die häufigste Ursache bakterieller Lebensmittelinfektionen im Land. Dahinter folgen Salmonellen mit etwa 2.300 Fällen sowie STEC-Infektionen durch E. coli.

Der auffälligste Befund ist weniger ein einzelner Ausschlag als die Dauerhaftigkeit der Entwicklung. Von einer Trendwende ist nichts zu sehen, vielmehr von einer Art stabilisiertem Dauerzustand.

Auch bei den Ausbrüchen zeigt sich Bewegung nach oben: 72 Ereignisse wurden 2025 registriert, nach 43 im Vorjahr. Beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen verweist man darauf, dass ein Teil des Anstiegs auf verbesserte Meldesysteme und eine höhere Sensibilität in den Kantonen zurückzuführen sei. Ganz erklären lässt sich die Entwicklung damit jedoch nicht.

Unterm Strich bleibt ein ambivalentes Bild. Die Behörden vermeiden zwar jede Zuspitzung in Richtung Systemversagen – eine Entwarnung lässt sich aus den Daten aber ebenso wenig ableiten.

Geflügel bleibt zentraler Risikofaktor

Im Zentrum der Problematik steht weiterhin Geflügelfleisch. Die Kontaminationen entstehen entlang der Produktionskette, aber auch im Haushalt selbst – dort, wo Hygienevorgaben im Alltag oft weniger konsequent umgesetzt werden.

Die Prävention setzt deshalb an mehreren Punkten gleichzeitig an: bei der Industrie, bei der Gastronomie und zunehmend auch bei den Konsumenten. Händewaschen, saubere Arbeitsflächen, konsequentes Durchgaren – die bekannten Regeln werden zwar immer wieder kommuniziert, aber offenbar nicht immer eingehalten.

Regulatorisch hat der Bund zuletzt nachgezogen, unter anderem mit verschärften Vorgaben zu Listerien, die seit Juli 2026 gelten. Vieles bleibt jedoch eine Frage der Umsetzung.

Schweiz im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld

Im europäischen Vergleich bewegt sich die Schweiz im oberen Mittelfeld. Einige Nachbarländer konnten bei Campylobacter zuletzt leichte Rückgänge verzeichnen, während hierzulande eher eine Seitwärtsbewegung zu beobachten ist.

Allerdings sind direkte Vergleiche nur eingeschränkt belastbar. Unterschiede bei Meldeverhalten, Testintensität und Erfassungssystemen verzerren die Einordnung.

Verantwortung rückt stärker in den Alltag

Auffällig ist, wie stark der Bericht auf klassische Hygieneregeln verweist. Vieles davon ist bekannt, im Alltag aber offenbar nicht durchgängig verankert. Damit verlagert sich ein Teil der Verantwortung zunehmend in die privaten Küchen.

Die Schweiz verfügt über ein hochentwickeltes System der Lebensmittelsicherheit. Akute Kontrollprobleme sind nicht erkennbar. Doch der Bericht zeigt ebenso deutlich, dass sich an der Grundkonstellation wenig geändert hat. Die Fallzahlen bleiben hoch, die Ursachen verteilt, die Hebel begrenzt. Es ist kein akutes Problem – aber eines, das sich hartnäckig hält.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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