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  • 18. Juli 2026 11:07

Long COVID: Blutwäsche ohne überzeugenden Effekt

ByDavid Aebischer

Juli 2, 2026

Eine randomisierte Studie prüft die viel diskutierte Immunadsorption – und findet keinen klinischen Nutzen.

Die Idee war naheliegend. Wenn sich bei einem Teil der Long-COVID-Patienten Autoantikörper nachweisen lassen, könnte ihre Entfernung helfen. Genau darauf setzte die Immunadsorption, ein aufwendiges Verfahren der Blutwäsche, das bestimmte Antikörper aus dem Blut filtert.

Nun liegt dazu erstmals eine randomisierte, sham-kontrollierte Studie vor. Das Ergebnis ist nüchtern – und für die Befürworter der Methode eher ernüchternd: Die Autoantikörper lassen sich zwar reduzieren, an den Beschwerden ändert sich jedoch praktisch nichts.

Ein Krankheitsbild ohne klare Linie

Long COVID bleibt schwer zu fassen. Die Symptome reichen von ausgeprägter Erschöpfung über Konzentrationsstörungen bis hin zu Belastungsintoleranz und autonomen Beschwerden. Bei manchen Betroffenen über Monate stabil, bei anderen schwankend.

Was im Körper genau passiert, ist weiterhin nicht geklärt. Vieles spricht für ein Zusammenspiel unterschiedlicher Mechanismen – immunologische Veränderungen, möglicherweise Störungen der Mikrozirkulation, vielleicht auch persistierende Virusbestandteile. Sicher ist das alles nicht im Detail.

In diese unscharfe Lage passt auch die Diskussion um GPCR-Autoantikörper. Sie wurden beschrieben, ja – aber nicht konsistent, und ihre Bedeutung bleibt offen. Ursache, Begleitphänomen oder schlicht Marker einer gestörten Immunlage? Die Frage ist nicht entschieden.

Die Studie

Die IAMPOCO-Studie hat genau diesen Ansatz geprüft. 40 Patientinnen und Patienten, randomisiertes Crossover-Design, Scheinbehandlung als Kontrolle – methodisch solide, ohne Frage.

Das Ergebnis ist trotzdem eindeutig: Die Immunadsorption entfernt die Zielantikörper zuverlässig. Klinisch passiert jedoch wenig bis nichts. Fatigue, kognitive Einschränkungen, Lebensqualität – kein messbarer Unterschied zur Kontrollintervention.

Mehr lässt sich aus den Daten im Grunde nicht herauslesen.

Einordnung

Das bedeutet nicht, dass Autoantikörper in einzelnen Fällen keine Rolle spielen könnten. Aber die Vorstellung, sie seien ein zentraler therapeutischer Hebel, trägt diese Studie nicht.

Vielleicht ist Long COVID ohnehin zu heterogen für solche linearen Ansätze. Vielleicht greift die Intervention zu kurz. Oder die entscheidenden Mechanismen liegen an anderer Stelle – metabolisch, neurologisch, vaskulär. Sicher ist nur: Die bloße Entfernung eines Laborbefunds reicht nicht aus.

Konsequenzen

Für die Praxis ist das Ergebnis ziemlich klar. Immunadsorption ist aufwendig, teuer und nicht risikofrei – und nach dieser Datenlage kein Verfahren, das außerhalb von Studien eingesetzt werden sollte.

Das klingt unspektakulär, ist aber wichtig. Gerade bei Erkrankungen ohne etablierte Therapie werden biologische Hypothesen schnell zu Behandlungsversprechen. Diese Studie bremst das ein Stück weit.

Die Suche nach wirksamen Therapien geht weiter. Nur eben auf einer etwas nüchterneren Grundlage als zuvor.

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By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

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