Bern – Frauen in der Schweiz bringen staatlichen Institutionen deutlich weniger Vertrauen entgegen als Männer. Das geht aus einer Auswertung der OECD-Studie „Trust Survey 2023“ hervor, die vom Bundesamt für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) veröffentlicht wurde. Zwar liegt das allgemeine Vertrauensniveau in der Schweiz im internationalen Vergleich weiterhin hoch, innerhalb der Bevölkerung zeigen sich jedoch ausgeprägte Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Besonders deutlich wird dies beim Gefühl politischer Selbstwirksamkeit. 45 Prozent der Frauen geben an, sie könnten das politische Geschehen in ihrem Land beeinflussen. Bei den Männern sind es 65 Prozent. Auch bei der politischen Beteiligung zeigen sich Unterschiede: 26 Prozent der Frauen haben im vergangenen Jahr keinerlei politische Aktivität angegeben, bei den Männern waren es 17 Prozent.
Unterschiede zeigen sich zudem in der Wahrnehmung staatlicher Fairness. Nur etwa die Hälfte der Frauen ist überzeugt, dass Behörden Unterstützungsanträge gleich und gerecht behandeln. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei rund zwei Dritteln. Ähnlich verhält es sich bei der Frage, ob Parlament und Verwaltung die Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen ausreichend abbilden.
Die OECD weist darauf hin, dass solche Einschätzungen mit dem tatsächlichen Vertrauen in Institutionen zusammenhängen können. Wer sich politisch weniger repräsentiert oder ernst genommen fühlt, beteiligt sich tendenziell seltener an Wahlen oder politischen Prozessen.
Das Phänomen ist nicht auf die Schweiz beschränkt, fällt dort jedoch besonders deutlich aus. Als mögliche Gründe nennen die Studienautoren unter anderem unterschiedliche Alltagserfahrungen mit Behörden, abweichende Bedürfnisse bei staatlichen Dienstleistungen sowie langfristige Unterschiede in der politischen Sozialisation.
Hinzu kommen strukturelle Besonderheiten der Schweiz. Frauen erhielten dort erst 1971 auf Bundesebene das Wahlrecht. Zudem gelten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie traditionelle Rollenbilder in Teilen der Gesellschaft weiterhin als Faktoren, die politische Teilhabe beeinflussen können.
Die OECD empfiehlt vor diesem Hintergrund unter anderem eine stärkere politische Einbindung junger Frauen, eine bessere Anpassung öffentlicher Dienstleistungen an unterschiedliche Lebensrealitäten sowie eine differenziertere Datenerhebung nach Geschlecht. Die Ergebnisse sollen in die Weiterentwicklung der Gleichstellungsstrategie des Bundes bis 2030 einfließen.
Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz insgesamt weiterhin zu den Ländern mit hohem institutionellem Vertrauen. Der Geschlechterunterschied bleibt jedoch ein struktureller Befund, der in der politischen Diskussion zunehmend Beachtung findet.
Fehler- und Korrekturhinweise
Wenn Sie einen Fehler entdecken, der Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollte, teilen Sie ihn uns bitte mit, indem Sie an feedback@dmz-news.online schreiben. Wir sind bestrebt, eventuelle Fehler zeitnah zu korrigieren, und Ihre Mitarbeit erleichtert uns diesen Prozess erheblich.
Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail die folgenden Informationen sachlich an: Ort des Fehlers: Geben Sie uns die genaue URL/Webadresse an, unter der Sie den Fehler gefunden haben.
Beschreibung des Fehlers:
Teilen Sie uns bitte präzise mit, welche Angaben oder Textpassagen Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollten und auf welche Weise. Wir sind offen für Ihre sinnvollen Vorschläge.
Belege: Idealerweise fügen Sie Ihrer Nachricht Belege für Ihre Aussagen hinzu, wie beispielsweise Webadressen. Das erleichtert es uns, Ihre Fehler- oder Korrekturhinweise zu überprüfen und die Korrektur möglichst schnell durchzuführen. Wir prüfen eingegangene Fehler- und Korrekturhinweise so schnell wie möglich.
Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback!
Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus
Seit unserer Gründung setzt sich die DMZ dafür ein, dass verlässliche Informationen für alle zugänglich sind. In einer Zeit, in der Desinformation und soziale Medien die Nachrichtenlandschaft prägen, ist unabhängiger Journalismus wichtiger denn je.
Wir glauben daran, dass jede:r das Recht hat, faktenbasierte, hochwertige Nachrichten zu erhalten – ohne Paywall und ohne Unterbrechungen. Unser Ziel ist es, Journalismus zu machen, der informiert, erklärt und Vertrauen schafft.
Unsere Leser:innen sind das Herzstück dieser Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir weiterhin unabhängig, kritisch und engagiert berichten. Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft uns, dieses Ziel zu erreichen.
Helfen Sie mit, Journalismus frei zugänglich zu halten. Unterstützen Sie die DMZ noch heute.
