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  • 18. Juli 2026 11:03

Es gibt keine KI-Blase und die kommt auch nicht.

ByDirk Specht

Juni 19, 2026

KOMMENTAR

Als vor 25 Jahren das Gerede einer Internet-Blase dominierte, stellte ich exponentiell wachsende Traffic-Daten (Rohdatenvolumen, Nutzerinterkationen, Seitenabrufe etc.) dagegen. Antworten: Der Traffic kostet viel und ist nichts wert, ein Verlustgeschäft. Die Anwendungen sind ineffizient, der Traffic Verschwendung. Die Antworten waren sträflich falsch, weil sie zu vielen ökonomisch katastrophalen Fehlentscheidungen führten, deren Schrumpfkur in Sektoren wie Medien, Handel, Finanzen, Telekommunikation und jetzt beginnend Industrie leider noch längst nicht abgeschlossen ist.

Richtig und kaum überraschend war: Es gibt keine Blase, der Traffic wächst einfach weiter, jeder Effizienzgewinn führt nur zu noch mehr Nutzung und die Frage, wer daraus welchen Wert generiert, ist eine der innovativen Geschäftsmodelle. Wer die sucht, indem er sich darauf reduziert, die bisherigen immer kosteneffizienter zu machen, wird keine finden.

Nichts repräsentiert das besser als ein mir bekannter Vorstandsbeschluss, die erfolgreichste europäische Suchmaschine in die USA zu verkaufen: Eine Suchmaschine hat großen Nutzen für Anwender und wird weiter Traffic generieren, aber es gibt dafür kein Geschäftsmodell, das kann also weg.

Nuja oder tiefenphilosophisch: Na denn. Viel wichtiger: Bei KI schon wieder? Echt jetzt?

Bei KI ist eine Traffic-Einheit das Token, welches für die Nutzung (nicht Training/Entwicklung!) die abgerufene Rechenleistung repräsentiert. Da (außerhalb Deutschlands) das mit dem Datenvolumen gelöst ist, kann man mit der Metrik ganz gut arbeiten. Die anbei dargestellten Daten sind Schätzwerte aus mehreren Analysen, die sich aus öffentlich verfügbaren Daten von Routing-Plattformen und den Geschäftsberichten der Branche zusammensetzen. Jenseits der weniger relevanten Frage, wie genau die absolut sind, dürften die Trends sehr gut abgebildet sein:

  • Es gibt keine KI-Blase.
  • Die Nutzung ist Anfangs durch Chat-Bots, inzwischen zunehmend «Agentic», also populär ausgedrückt so etwas wie «Analyse-Apps», die komplexere Aufgaben spezialisiert mit den KI-Modellen lösen, getrieben.
  • «Agentic» wird dabei weitaus intensivere Nutzung erzeugen und der Begriff wird sehr wahrscheinlich in hunderte tiefere Nutzungsformen und Spezialmodelle zerfallen, die man kaum vergleichen kann.
  • Der Preis fällt exponentiell stabil (log-Skala beachten), was nachlaufend exponentiell steigende Nutzung erzeugt. Übrigens hat das was mit Effizienz zu tun. Und Ökonomie. Und so. Aber es gibt immer noch «Analysen», die nur die Preiskurve sehen. Das wird nebenbei bemerkt bei E-Autos auch gerne gemacht. Dummheiten kennen keine Grenzen.
  • Bei den Geschäftsmodellen zeigen zwei der leistungsstärksten Modelle (Anthropic, OpenAI), dass Spitzenleistung keinen Preisverfall kennt. Ferner zeigt Alphabet/Google, dass schon jetzt im Massenmarkt Geschäft möglich ist.
  • Nebenbefund: SpaceX, hauptsächlich durch KI-Phantasie «bewertet», findet bisher real nicht statt. Da die KI-Phantasie aus Tesla, dem letzten Hütchenspiel von Musk, so langsam entweicht, sei erwähnt, dass die hier real auch nie stattfanden.

Das ist nur ein kleiner Einblick, zudem sehr grob. Alleine die Maschinenräume dahinter wären einen Bericht von mehrfacher Länge wert. Während beispielsweise Google und teilweise auch Amazon die Tokens auf eigenen Chips betreiben, hängen andere an der Nvidia-Lieferkette. Auch die Fähigkeiten, mit neuen Rechenzentren bis zur Energieversorgung zu skalieren, sind sehr unterschiedlich.

Meine These lautet aber, dass auch in der KI die ganz großen Erfolge nicht in den heute diskutierten Themen, wer welche Hardware zu welchen Horrorpreisen hinstellt, entschieden wird. Es dürfte vielmehr erneut um die innovativen Geschäftsmodelle gehen. Wer die findet, wird noch größere Erfolge als die heutigen digitalen Plattformen generieren. Vermutlich wird man in wenigen Jahren daher gar nicht mehr über Token-Preise reden. Hoffentlich wird dieser Satz gefunden, wenn in Zukunft ein weiterer Depp gesucht wird, der sich 2026 über Token den Kopf zerbrach.

Wer in KI nichts wertschöpfendes findet, wird in der Nahrungskette absteigen. Das gilt im KI-Zeitalter noch viel mehr für definitiv jeden Sektor, jedes Unternehmen, jede Volkswirtschaft und aufgrund der Änderungen für Arbeitsprozesse auch für jeden Werktätigen.

Daran werden viele scheitern, das wird auch wieder eine Auslese an der Börse erzeugen und die dämlichen «siehste»-Bewertungen auslösen. Leider werden ebenso viele dann sagen, dass es klug war, den Hype mal abzuwarten, bis die Blase platzt. Jede Wette meinerseits: Das sind exakt die Leute, die danach weiter abwarten, bis klar ist, ob alles ausgereift, effizient, seriös bewertbar ist und sich garantiert rechnet.

Nuja, na denn.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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