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  • 18. Juli 2026 11:43

Klimaanlage als Krankheitsursache? Ein medizinisch überholtes Erklärungsmuster

ByLena Wallner

Juni 18, 2026

KOMMENTAR

Die Meldung, Nationaltrainer Murat Yakin sei vor dem Spiel gegen Bosnien erkrankt, ist im Kontext des internationalen Fußballs zunächst nichts Ungewöhnliches. Auffällig ist jedoch weniger die Erkrankung selbst als die in solchen Fällen wiederkehrende Deutung, eine Klimaanlage könne dafür verantwortlich sein.

Diese Erklärung folgt einem bekannten Muster, das medizinisch jedoch nicht haltbar ist.

Infektionen entstehen durch Erreger

Atemwegserkrankungen wie Erkältungen, Influenza oder COVID-19 werden durch Viren verursacht, in bestimmten Fällen auch durch bakterielle Erreger. Eine Klimaanlage kann keine Infektion auslösen, da sie keine Krankheitserreger erzeugt oder überträgt.

Zwar können trockene oder kalte Luftbedingungen die Schleimhäute reizen und damit subjektive Beschwerden verstärken. Dies ist jedoch klar von einer Infektionskrankheit zu unterscheiden.

Die Ursache einer Infektion bleibt die Übertragung von Erregern zwischen Menschen.

Persistenz eines überholten Deutungsmusters

Bemerkenswert ist, dass sich die Vorstellung einer krankmachenden Wirkung von Klimaanlagen oder Zugluft weiterhin in der öffentlichen Kommunikation hält. Dies steht im Gegensatz zu dem in der Virologie und Epidemiologie seit langem etablierten Kenntnisstand.

Spätestens die COVID-19-Pandemie hat die Bedeutung der aerogenen Übertragung von Atemwegsviren deutlich gemacht. Dennoch werden im Alltag weiterhin mechanistische Erklärungen bevorzugt, die Witterung oder Raumklima als Ursache in den Vordergrund stellen.

Realistischere Risikofaktoren im Profisport

Gerade im Leistungssport sind die tatsächlichen Infektionsrisiken gut dokumentiert: enge Teamkontakte, Reisen, Aufenthalte in Hotels sowie gemeinsame Innenräume begünstigen die Verbreitung respiratorischer Viren erheblich.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Fokussierung auf eine Klimaanlage als ursächlicher Faktor zumindest verkürzt.

Einordnung der Prävention

Wirksame Massnahmen zur Reduktion von Infektionsrisiken sind hinlänglich bekannt: ausreichende Lüftung, Luftfilterung, konsequente Hygiene sowie in bestimmten Situationen der Einsatz von Atemschutzmasken.

Diese Maßnahmen adressieren die tatsächliche Ursache von Infektionen, nämlich die Übertragung von Erregern.

Die Zuschreibung von Erkrankungen an Klimaanlagen entspricht keinem medizinisch gesicherten Zusammenhang. Sie verdeckt vielmehr die eigentlichen Übertragungswege von Atemwegsinfektionen.

Die Differenzierung zwischen Komfortfaktoren und Infektionsursachen bleibt auch jenseits der Pandemie zentral – insbesondere in der öffentlichen Kommunikation.

Die Geschichte von der krankmachenden Klimaanlage hält sich hartnäckig. Umso wichtiger wäre es, dass Medien solche Behauptungen nicht einfach übernehmen. Nach den Erfahrungen der Pandemie sollte eigentlich klar sein, wie Atemwegsinfektionen entstehen und übertragen werden. Wer den Eindruck erweckt, eine Klimaanlage sei die Ursache einer Erkrankung, lenkt von den tatsächlichen Ursachen ab: Viren und andere Krankheitserreger.

Medien haben die Aufgabe, einzuordnen und aufzuklären. Gerade bei Gesundheitsthemen sollte deshalb sorgfältig zwischen wissenschaftlich belegten Erkenntnissen und weitverbreiteten Irrtümern unterschieden werden. Andernfalls tragen auch journalistische Berichte dazu bei, dass sich Mythen halten, die längst widerlegt sind.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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