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  • 18. Juli 2026 11:41

Finnisches Startup entwickelt Superkondensator aus Holzabfällen für schnelle Energiespeicherung

ByPatricia Jungo

Juni 15, 2026

Die meisten Holzreste aus Sägewerken sowie landwirtschaftliche Reststoffe werden bislang überwiegend kompostiert oder energetisch in Heizkraftwerken genutzt. Das finnische Startup Granarium Technologies will diesen Rohstoff nun in einem anderen Bereich einsetzen: als Basis für schnelle Energiespeicher in Stromnetzen und industriellen Anwendungen.

Kern der Entwicklung ist ein Superkondensator auf Basis von Nanocellulose, der vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen soll. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um eine neuartige Materialplattform, die aus Holzabfällen und Agrarreststoffen gewonnen wird. Die zugrundeliegende Technologie stammt vom finnischen Forschungsinstitut VTT Technical Research Centre of Finland und wurde inklusive entsprechender Patente an Granarium Technologies übertragen. Damit gelangt ein Ergebnis mehrjähriger Materialforschung in die unternehmerische Weiterentwicklung.

Superkondensatoren speichern elektrische Energie nicht chemisch wie Batterien, sondern elektrostatisch. Dadurch können sie sehr schnell geladen und entladen werden – im Bereich von Millisekunden. Zudem erreichen sie eine hohe Zahl an Ladezyklen und gelten daher insbesondere für Anwendungen interessant, bei denen kurzfristige Leistungsspitzen ausgeglichen oder schnelle Reaktionen im Stromnetz erforderlich sind.

Herkömmliche Superkondensatoren basieren in der Regel auf synthetischen Aktivkohleschichten, die energieintensiv hergestellt werden. Granarium Technologies setzt nach eigenen Angaben auf eine Nanocellulose-Struktur, in die biobasierte Kohlenstoffmaterialien zur Ladungsspeicherung eingebunden werden. Die Ausgangsstoffe sollen lokal verfügbar sein, wodurch Transport- und Lieferketten reduziert würden.

Das Unternehmen gibt an, dass die Produktionskosten perspektivisch bis zu 80 Prozent unter denen klassischer Batteriefabriken liegen könnten. Diese Einschätzung ist jedoch eine Unternehmensprognose und noch nicht unabhängig verifiziert. Granarium Technologies versteht die Entwicklung ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung bestehender Batteriesysteme. Während Batterien für längerfristige Speicherung vorgesehen sind, sollen Superkondensatoren vor allem kurzfristige Anwendungen übernehmen – etwa in der Netzfrequenzregelung, bei Lastspitzen oder zur Stabilisierung der Stromqualität in industriellen Prozessen.

Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarkraft gewinnt genau dieser Bereich an Bedeutung, da die Netze zunehmend auf kurzfristige Schwankungen reagieren müssen. Erste Pilotprojekte sind nach Unternehmensangaben innerhalb der kommenden Monate geplant, zunächst in industriellen Anwendungen mit kontinuierlichem Betrieb. Eine kommerzielle Produktion im größeren Maßstab befindet sich noch in der Vorbereitung.

Die Frage nach Rohstoffabhängigkeiten spielt in der Energiewende eine zentrale Rolle. Lithium-Ionen-Batterien sind auf Materialien angewiesen, deren Förderung geografisch konzentriert und geopolitisch sensibel ist. Granarium Technologies setzt dem einen Ansatz entgegen, der auf regional verfügbaren biogenen Reststoffen basiert. Ob und in welchem Umfang sich diese Technologie skalieren lässt, bleibt allerdings noch offen.

Das Unternehmen hat zuletzt eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von rund einer Million Euro abgeschlossen und bereitet sich damit auf die Pilotphase vor.

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By Patricia Jungo

Patricia Jungo ist freie Autorin bei DMZ-News, Sekundarlehrerin und in der Freiwilligenarbeit aktiv. Sie schreibt zu Themen aus den Bereichen Gesundheit, Wissen sowie Gesellschaft und Leben und ist zudem Autorin mehrerer Bücher. Ihre Texte zeichnen sich durch Sachkenntnis und einen klaren, verständlichen Stil aus.

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