Mit Space-X ist das größte jemals erzeugte Schneeballsystem, zudem überwiegend legal, erfolgreich an die Börse gebracht worden, was interessanterweise viele Musk-Fans mit Posts über dessen Papiergeldreichtum feiern. Ach ja, es wird auch mal wieder Fußball gespielt, rein zufällig im Land der zunehmend unbegrenzten Möglichkeiten.
Da fällt es nicht weiter auf, dass die US-Regierung gestern den weltweiten Zugang zu zwei KI-Modellen verboten hat. Vermutlich wissen viele unter uns nicht mal, dass es die entsprechenden Rechtsmittel in den USA schon lange gibt. Die wurden nun also erstmals in größerem Umfang für ein KI-Modell genutzt. Anthropics Modelle Fable 5 und Mythos 5 sind seit gestern außerhalb der USA nicht mehr verfügbar. Das Unternehmen hat dem zunächst mal zu folgen, obwohl es die Maßnahme bzw. deren Begründung sehr klar widerlegen kann. An der Stelle erlaubt das US-System aber keine Rechtsmittel, es ist vollkommen offen, wie das weiter geht.
Inhaltlich wird das in den USA ganz anders diskutiert, als bei uns und beide Perspektiven sind interessant. Das WSJ fasst das gut zusammen, denn die Sperre erfolge auf Hinweise eines Wettbewerbers (Amazon) direkt an die Trump-Administration. Das ist ungewöhnlich und die Diskussion bewegt sich nun vor allem um die Motive sowie die Folgen. Ob dieser Präzedenzfall wirklich Sicherheitsaspekte verfolgt oder eher der Disziplinierung der eigenen KI-Industrie dienen soll, ist strittig. Ebenso macht man sich zurecht Sorgen, welche Folgen für die Geschäftsinteressen damit verbunden sind, sollten die globalen Partner der US-Firmen nun negativ reagieren.
Genau das wäre in der Tat nun endlich mal erforderlich, weil überfällig. In Deutschland hatte das BSI bereits seit Monaten über genau diese beiden KI-Modelle und deren Potenzial, Sicherheitslücken in Software zu identifizieren, berichtet. Der IT-Rechtsblog Ferner-Alsdorf wertet die Sperre nur als historischen Einschnitt und erinnert an den sogenannten PGP-Streit in den 1990er Jahren, als die US-Regierung starke Verschlüsselungssoftware als “Kriegswaffe” einstufte und deren Export verbot.
An dem Thema ist also nichts neu, weder solche Rechtsmittel, noch die konkrete Bedeutung des vorliegenden Modells. Leider ist keine angemessene Reaktion erkennbar, Musks Schneebälle und welche Tore die Fußbälle finden scheinen bedeutender.
Nein, das sind sie nicht!
Europa sollte Digitalisierung endlich begreifen. Software ist kritische Infrastruktur! Das ist spätestens seit dem Ausrollen des Internets als Massenmedium so. Es geht nicht einfach nur um physische Netze, es geht auch nicht um die beste Hardware oder die geringsten Spaltmaße beim Autoblech. Keine Frage, europäische und speziell deutsche Ingenieurskunst sind eine wichtige Kompetenz, die alles entscheidende Bedeutung von Software für den Einsatz von „Blech“ darf nun aber spätestens mit KI dann doch mal erkannt werden.
Es ist nicht hinnehmbar, dass die KI-Debatte in Europa irgendwo zwischen „Blase“ über „zu teuer“/“nicht leistungsfähig“ bis zu „wir machen das effizienter“ bewegt. Die Parallelen zum falschen Abbiegen bei der angeblichen „Dotcom-Blase“, die bis heute falsch beschrieben wird, sind auffällig. Damals gab es die gleichen Beschwichtigungen und Abwehrreaktionen. Konsequenz war kleinteiliges und „risikoaverses“ Vorgehen. Wenig Kapitaleinsatz, muss sich alles rechnen, konservative Budgetplanung, knapp budgetierte Projekte, die schon wegen zu geringem Kapitel bei zu kurzer ROI-Erwartung sinnlos waren. Was übrig blieb, war zu klein, wurde schnell gefressen, wenn doch erfolgreich, aufgekauft.
Das zeichnet sich genau so wieder ab. Wenn ich die vielen Sprüche über „KI-Agenten“ lese, mit denen „effizient“ irgendeine „Spezialisierung“ umgesetzt wird, sehe ich jetzt schon jede Menge Projekte, die von den größeren Modellen in wenigen Quartalen bequem überrollt werden. Vieles, was heute noch irgendwie spezialisiert irgendwas kann, das Gemini&Co nicht vermögen, werden die mit einer der nächsten Versionen dann doch können. Dazu passt übrigens, dass viele „KI-Spezialisten“ die großen Modelle der Amerikaner und Chinesen mit irgendwelchen Chatbots gleichsetzen, deren Wertschöpfung darin bestehe, Privatleuten zum besseren Brötchenbacken oder zum Schummeln beim Kreuzworträtsel zu verhelfen. Gefolgt von „Analysten“, die ausrechnen, dass die monatlichen Chatbot-Abos niemals diese Billionen für Rechenzentren refinanzieren können, zumal die doch so schnell an Wert verlieren.
Als ob den Hyperscalern unbekannt ist, dass Chips schnell überholt sind. Aber was soll’s, bei Debatten über Energietechnologie gilt auch als größte wissenschaftliche Erkenntnis, dass nachts keine Sonne scheint. Das erinnert sehr an Analysen vor 25 Jahren, so eine Pommesbude wie Amazon als Online-Buchhändler könne den Aktienkurs nicht mal rechtfertigen, wenn die den kompletten Buchmarkt übernähmen.
Hinter jeder AI-Spezialanwendung, die so „effizient“ und „rechnet sich garantiert“ gebaut wird, steht irgendwo in der Nahrungskette eines der großen Modelle. Von Rang gibt es die der Amerikaner und Chinesen, Mistral aus Frankreich ist ein kleiner Hoffnungswert. Längst werden aber Token-Preise gerechnet und bestimmen die Routings, was derzeit fast alles nach China treibt. Ist ja billiger.
Derweil trainieren vermutlich um die 1,5 Milliarden Nutzer täglich Gemini&Co fleißig weiter, füttern die mit Daten und immer mehr Reaktionen darauf. Selbst der deutsche Robotik-Leuchtturm Neura muss seine KI einer Google-Tochter überlassen. Und nein, liebe Experten, das macht nicht der Gemini-Chatbot. Die ganzen „effizienten“ KI-Agenten in der deutschen „KI-Industrie“ füttern via APIs die amerikanischen und nun vor allem chinesischen Modelle. Die Fachwelt aber ist sich einig: So viel Geld, wie die investieren, das ist eine Blase. Das kann sich niemals rechnen, die Chips verlieren an Wert, AfA-Tabellen erklären eine ökonomisch/technische Disruption mehr.
Dass es wieder ein Rennen um Zeit ist und wieder die Frage, wer welche Daten schneller akkumuliert und konkrete Nutzer/Kunden-Beziehungen aufbaut, das mag niemand erkennen. Die Europäer scheinen schon wieder zu glauben, man könne das abwarten und zuerst mal zuschauen, was sich davon als relevant, funktionsfähig und wirtschaftlich tragfähig entwickelt.
Wer keines der großen Modelle besitzt, wird in der KI-Welt keine Rolle spielen. Das sollte nach derselben Logik für die großen Tech-Plattformen nun wirklich jeder verstanden haben.
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