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  • 18. Juli 2026 11:43

Die FIFA und die Ökonomie des Übermaßes

BySarah Koller

Juni 13, 2026

Frankfurt – Die FIFA steht wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor. Für den Zyklus 2023 bis 2026 rechnet der Weltverband mit Einnahmen in der Größenordnung von rund 13 Milliarden US-Dollar. Einen erheblichen Anteil daran dürfte die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko beitragen, die nach FIFA-Prognosen allein mehrere Milliarden generieren soll. Der internationale Fußball bewegt sich damit längst in einem ökonomischen Rahmen, der noch vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar war.

Für FIFA-Präsident Gianni Infantino sind diese Entwicklungen Ausdruck einer konsequenten globalen Expansionsstrategie. Die Ausweitung von Turnierformaten, die stärkere Erschließung neuer Märkte sowie der Ausbau kommerzieller Rechte gelten innerhalb des Verbandes als zentrale Pfeiler dieses Kurses. Kritiker hingegen sehen darin eine zunehmende Verdichtung eines Systems, das an seine organisatorischen und sportlichen Grenzen stoßen könnte.

Tatsächlich hat sich die Struktur der Einnahmen im Weltfußball in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Steigende Erlöse aus Medienrechten, neue Wettbewerbsformate wie die erweiterte Klub-Weltmeisterschaft sowie die Aufstockung der Weltmeisterschaft auf 48 Teams sind Teil einer Strategie, die auf Wachstum durch Reichweitensteigerung setzt. Die FIFA argumentiert, dass zusätzliche Mittel in Entwicklungsprogramme fließen und damit insbesondere außerhalb der traditionellen Fußballzentren Wirkung entfalten sollen.

Parallel dazu wächst jedoch die Kritik an den sportlichen Nebenfolgen dieser Expansion. Die internationale Spielkalenderdichte hat ein Niveau erreicht, das von Spielern, Trainern und Verbänden zunehmend als Belastungsfaktor beschrieben wird. Besonders die Spielergewerkschaft FIFPRO warnt seit Jahren vor einer strukturellen Überlastung, die sowohl die Gesundheit der Spieler als auch die Qualität des Wettbewerbs beeinträchtigen könne.

Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Logik der Expansion nicht frei von Zielkonflikten ist. Mehr Spiele, größere Turniere und zusätzliche Vermarktungsoptionen erhöhen zwar die Einnahmen, verschärfen aber zugleich die Frage nach der Belastbarkeit des Systems insgesamt. Die Balance zwischen sportlicher Integrität und ökonomischer Ausweitung wird damit zu einer zentralen Governance-Frage des internationalen Fußballs.

Belastet wird die Debatte zudem durch die institutionelle Vergangenheit der FIFA. Die Korruptionsaffären der vergangenen Jahrzehnte und die umstrittenen Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 haben das Vertrauen in Entscheidungsprozesse nachhaltig beeinträchtigt. Auch wenn der Verband seither Compliance-Strukturen ausgebaut und Reformen umgesetzt hat, bleibt die Frage nach der Transparenz zentraler Entscheidungsmechanismen ein wiederkehrender Kritikpunkt.

Gleichzeitig verschärfen sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte im internationalen Klubfußball weiter. Während einzelne europäische Spitzenvereine über enorme finanzielle Ressourcen verfügen, kämpfen viele Verbände in anderen Regionen weiterhin um stabile Strukturen. Die FIFA verweist in diesem Zusammenhang auf ihre Förderprogramme, deren Wirkung jedoch in der Fachwelt unterschiedlich bewertet wird.

Die FIFA verfolgt damit weiterhin einen Kurs der Expansion, der auf Wachstum durch zusätzliche Wettbewerbe, höhere Reichweiten und neue Märkte setzt. Ökonomisch ist dieser Ansatz bislang erfolgreich. Offen bleibt jedoch, ob sich der internationale Fußball in dieser Form langfristig stabil entwickeln kann oder ob die zunehmende Verdichtung des Spielbetriebs strukturelle Spannungen erzeugt, die sich nicht dauerhaft auflösen lassen.

Die Weltmeisterschaft 2026 wird in diesem Kontext nicht nur ein sportliches Großereignis sein, sondern auch ein Belastungstest für die aktuelle Architektur des Weltfußballs. Sie wird zeigen, ob wirtschaftliche Expansion und sportliche Substanz weiterhin in einem tragfähigen Verhältnis stehen – oder ob die Spannungen zwischen beiden Polen weiter zunehmen.

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By Sarah Koller

Sarah Koller schreibt vor allem zu Gesundheits- und Wissenschaftsthemen, behandelt aber auch soziale und historische Fragestellungen. Ihre Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit und die Fähigkeit aus, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten.

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