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  • 18. Juli 2026 11:45

Windräder und Infraschall: Eine Studie befeuert alte Ängste – doch die Datenlage bleibt dünn

ByLena Wallner

Juni 13, 2026

In der Debatte um die Energiewende taucht ein vertrautes Argument wieder auf: Windkraftanlagen seien wegen des von ihnen erzeugten Infraschalls gesundheitsschädlich, insbesondere für das Herz-Kreislauf-System. Ausgelöst wurde die jüngste Kontroverse durch eine auf einem medizinischen Kongress präsentierte Untersuchung, die einen statistischen Zusammenhang zwischen der Verbreitung von Windkraftanlagen und der Häufigkeit neu diagnostizierter Herzerkrankungen nahelegt.

In sozialen Netzwerken wird diese Arbeit bereits als Beleg dafür gehandelt, dass Windräder krank machten. Fachleute halten diese Interpretation jedoch für nicht haltbar – und verweisen auf grundlegende methodische Schwächen der Studie.

Denn untersucht wurden keine individuellen Gesundheitsdaten im Zusammenhang mit konkreter Lärmbelastung, sondern regionale Durchschnittswerte. Solche sogenannten ökologischen Vergleiche können zwar Auffälligkeiten anzeigen, erlauben aber keine Rückschlüsse auf Kausalitäten. Genau an diesem Punkt setzt die Kritik an: Der statistische Zusammenhang sei nicht geeignet, eine gesundheitliche Wirkung von Infraschall nachzuweisen.

Auch die physikalische Grundlage der Debatte ist seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Einordnung. Infraschall – Schall unterhalb von 20 Hertz – ist zwar allgegenwärtig, etwa durch Verkehr, Wind oder Industrieanlagen, wird vom menschlichen Ohr jedoch in der Regel nicht wahrgenommen. Windkraftanlagen erzeugen solche Frequenzen ebenfalls, allerdings nach übereinstimmenden Messungen in sehr geringer Intensität.

Das Umweltbundesamt und andere Fachinstitutionen kommen seit Jahren zu dem Schluss, dass die Infraschallpegel von Windenergieanlagen selbst in unmittelbarer Nähe deutlich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen. Ein gesundheitlicher Effekt lasse sich daraus nach aktuellem Forschungsstand nicht ableiten.

Gleichzeitig gilt: Die Diskussion ist wissenschaftlich nicht völlig abgeschlossen, weil einzelne Studien immer wieder Aufmerksamkeit erhalten – insbesondere dann, wenn sie in politischen oder gesellschaftlichen Konfliktfeldern erscheinen. Entscheidend ist jedoch, ob Ergebnisse reproduziert und methodisch bestätigt werden. Genau daran fehlt es bislang bei der These eines gesundheitsschädlichen Effekts von Windkraft-Infraschall.

Bemerkenswert ist weniger die Studie selbst als ihre schnelle Verbreitung in der öffentlichen Debatte. Fachleute kritisieren seit Jahren, dass vorläufige Forschungsergebnisse aus Kongressbeiträgen oder nicht begutachteten Präsentationen in sozialen Medien häufig als gesicherte Erkenntnisse dargestellt werden.

So entsteht ein Bild, das mit dem Stand der etablierten Forschung nur bedingt übereinstimmt. Diese verweist weiterhin darauf, dass zwischen der Nutzung von Windenergie und nachweisbaren gesundheitlichen Schäden durch Infraschall kein belastbarer Zusammenhang belegt ist.

Am Ende bleibt damit ein Befund, der in der Fachwelt vergleichsweise stabil ist – auch wenn er in der öffentlichen Debatte immer wieder infrage gestellt wird: Windräder erzeugen Infraschall, doch nach heutigem Kenntnisstand nicht in einer Form, die gesundheitlich relevant wäre. Die Kontroverse dagegen dürfte so schnell nicht verschwinden.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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