KOMMENTAR
Als der Iran-Krieg begann, war ich für zwei Monate in Asien und konnte dort sehr gut die Folgen sowie Reaktionen verschiedener Länder beobachten. Zugleich wunderte ich mich über die eher verschlafenen Reaktionen der Europäer sowie noch mehr über die merkbefreite öffentliche Bewertung. Nach meiner Rückkehr hatte ich einige Gelegenheiten, darüber zu berichten (s.u.) und nun fasst ein Bericht des WSJ sehr gut zusammen, was ich zu China sagte: Die sind bestens auf die Versorgungsengpässe vorbereitet und sie profitieren durch massive Wettbewerbsvorteile!
Hier drei Interviews/Podcasts zum Thema:
Podcast «geladen» zur Ölversorgung und Energiewende in Asien
Gespräch mit Prof. Dr. Henrik te Heesen über strategisches Management
Aus einer früherer «geladen»-Folge zum chinesischen Stromsystem
Das steht in Kontrast zu immer noch gerne geglaubten Bewertungen, die US-Strategie sei auch im Fall Iran gegen China gerichtet und funktioniere sehr gut. Das wird auch durch die Nachricht gestützt, die USA hätten ihre Öl-Exporte um eine Million Barrel pro Tag ausgeweitet, was die Märkte stütze und den USA ein tolles Geschäft bringe. Korrekt ist, dass die USA dafür an ihre Reserven müssen, die Profite von deren Ölindustrie bereits im eigenen Land die ökonomischen Schäden nicht kompensieren können und sie zugleich auch noch China diese massiven Wettbewerbsvorteile verschaffen. Ironischerweise formuliert das WSJ sogar, dass China die Weltmärkte weit mehr entlaste, weil die nämlich ihre Importe um das Dreifache der US-Exportsteigerung reduzieren: Drei Millionen Barrel pro Tag gehen weniger nach China!
Davon merkt man in China aber immer noch nichts, was ich selbst so auch erlebte. Wobei man das anders formulieren muss, denn die Reaktion sollte jedem, der sich an Daten von gestern klammert und Veränderungen so schwierig findet, zu denken geben: So haben die Chinesen insbesondere im Mobilitätssektor durch elektrifizierte Züge und E-Autos reagiert, deren Nutzungswerte aus dem Stand um 50% gestiegen sind, während der Flugverkehr und Verbrenner zurück gehen. Stattdessen wird Öl stärker reserviert für die Petrochemie, die kaum reagieren musste.
Grundlage ist strategisches Handeln. Die in den Mehrjahresplänen verordnete Autarkie ist keine politische Hülse, sondern führt zu klaren Maßnahmen:
- Ausbau von gigantischen Ölspeichern, die man nebenbei bemerkt auch strategisch nutzt, statt das „dem Markt“ zu überlassen.
- Reduktion der Verbrennung fossiler Rohstoffe durch Eigenproduktion mit Erneuerbaren.
- Elektrifizierung mit exponentiellem Tempo.
- Aufbau des größten Stromsektors der Welt (Netze, Erneuerbare, Speicher) und dessen Versorgung mit PV und Wind.
Natürlich wird trotzdem weiter Öl gebraucht, für die Dauer der Transformation und als industrieller Rohstoff. Man sieht aber, dass offensichtlich VOR Versorgungskrisen reagiert wird, während man sich fragen muss, ob die Europäer überhaupt in einer solche zu so etwas wie einer Reaktion in der Lage sind. Das Ergebnis alleine im Ölsektor ist glasklar:
- Die Öl-Speicher wurden zu Preisen um 40 US$ prall gefüllt, im letzten Winter, nicht mal im Sommer.
- Das ist erkennbar eine strategische Reaktion auf die Spannungen in der Golfregion!
- Zugleich wurden seit Jahren die Lieferwege diversifiziert, Schattenflotten aufgebaut, eine Pipeline mit Russland gebaut.
Der Status quo: Man kann die dreifache Importmenge der US-Ausweitung streichen, man kann die eigene Wirtschaft mit 40 US$ weiter versorgen, während der Rest der Welt, auch die Amerikaner derzeit für 100 US$ kaufen müssen und ganz offensichtlich funktioniert die diversifizierte Lieferkette trotzdem weiter. Die Menge sinkt zwar, aber auch aus dem Iran und Russland kommt weiter Zufluss. Zu welchen Preisen ist unbekannt, aber die werden ganz sicher weiter zu einem Discount einkaufen.
Die ganze Expertenwelt staunt und fragt sich, wie lange die das durchhalten, bis sie doch wieder zu aktuellen Preisen auf den Märkten auftauchen. Der WSJ-Bericht zitiert unterschiedlichste Stimmen und Einschätzungen dazu. Ich habe da eine klare These: Das halten die definitiv länger aus als jeder andere und zwar als einer der größten Verbraucher ohne eigene Vorkommen.
So geht Strategie und die setzt sich zunehmend durch. Wenn wir als Europäer nicht endlich aus unserem Würfelspiel herausfinden und das globale Schachspiel annehmen, werden wir weiter nur noch über Erfolge der Vergangenheit jammern und über die Torheit, das habe gefälligst so zu bleiben, nicht hinausfinden.



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