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  • 14. Juni 2026 8:34

AI ist keine simple Blase, sondern ein systemischer Wettbewerb

ByDirk Specht

Juni 4, 2026

KOMMENTAR

Die täglichen Meldungen aus dem AI-Sektor überschlagen sich förmlich. Kaum überraschend tauchen in der kompletten Liefer- und Wertschöpfungskette immer mehr Knappheiten auf, die zu entsprechenden „Kursexplosionen“ führen. Jüngst Speicherchips und Serverplattformen. Selbst größere Unternehmen werden in wenigen Stunden >30% höher bewertet.

Dieser primär zeitbedingte Wettlauf der Hyperscaler wird sich sogar beschleunigen. Die Investitionen in KI alleine durch die ganz großen Auftraggeber in den USA sind von knapp 500 Milliarden 2025 auf erwartet bis zu 700 Milliarden in 2026 gestiegen und für 2027 wird eine Billion erwartet. Natürlich erzeugt das Knappheitspreise bei den Anbietern. Die sind auch nicht nachhaltig, jeder weiß das. Zugleich ist der Kapitalbedarf immens, wird aber erfüllt, die Amerikaner können das.

Die „Nahrungskette“ beginnt aber ganz offensichtlich in der Breite der Wirtschaft, die immer mehr AI-Leistung nachfragt. Amazon, Alphabet und Microsoft melden immer höhere Cloud-Auftragsbücher. Das sind keine Chatbot-Abos oder selbst genutzte Kapazitäten, das ist reale Nachfrage und die ist hoch profitabel. Offensichtlich ist auch in der Wirtschaft, vor allem in den USA genau derselbe zeitbedingte Wettlauf eingetreten. Keiner will AI als Effizienzmaßnahme oder für neue Services verpassen, seinem Wettbewerb überlassen. Geschwindigkeit zählt, Knappheitspreise werden bezahlt.

Die gestrige Meldung von Alphabet über eine Kapitalerhöhung von 80 Milliarden enthält eine andere Nachricht, die erst wenige erkannt haben: Der Auftragsbestand für Cloud-Dienste ist auf 460 Milliarden gestiegen, in wenigen Monaten. Das näher sich jährlichen Verdopplungsraten! Offensichtlich werden diese mehrjährigen, verbindlichen, hoch profitablen Aufträge von Unternehmen an die Hyperscaler vergeben, die das auch liefern können. Längst geht es nämlich genau darum: Wer kriegt das überhaupt hin, wer kann die Rechenzentren bauen, von den Chips bis zum Strom. Da liegt Alphabet momentan wohl weit vorn, von eigenen T-Chips bis zu einer eigenen Tochter, die (sic!) mit Wind- und PV-Strom KI-gesteuerte flexibilisierte Rechenzentren versorgen wird!

Wenn hier in einer Ökonomie ein Sektor alleine eine Billion pro Jahr bewegt, ist es vollkommen klar, dass das vom Wirtschaftswachstum bis zu Börsenbewertungen alles dominiert und Knappheitspreise auslöst, die auch Inflation anheizen. Das ist aber alles höchst rational und nichts davon sollte man als „Blase“ abtun. Der Begriff führt zu komplett falschen Bewertungen und Handlungsweisen.

Längst ist das in den USA bis in den Arbeitsmarkt messbar, der die Schattenseite dieser unfassbaren Produktivitätswelle schon abbildet. Längst gibt es die fällige Systemdebatte, denn die Spaltung der Gesellschaft wird es vertiefen und jetzt sogar eine Spaltung der Unternehmen erzeugen. Funktioniert das systemisch überhaupt noch oder rationalisiert sich die Gesamtökonomie selbst dahin, bis der KI selbst als letzte Instanz auch das Geld ausgeht?

In China besagt der kürzlich beschlossene Fünfjahresplan dazu, dass KI und Automatisierung als Antwort auf die alternde Gesellschaft zu nutzen sind. In den USA ist das ein hemmungsloser Wettbewerb um Kapitalverfügbarkeit und die knallharte Umsetzung von Infrastruktur.

In Deutschland wird behauptet, das sei eine Blase, deren Platzen man nur abzuwarten habe. Außerdem ist Infrastruktur zu teuer und so ein Kapitaleinsatz nur Geldverbrennung.

Das ist schon wieder antiökonomisches Sparschweinchendenken, das sich rächen wird. Parallel frisst der Sozialstaat demografisch unsere Haushalte auf, wogegen auch noch gespart werden soll, vor allem bei Bürgergeld oder Migranten. Außerdem sollen wir mehr und länger arbeiten.

Diese komplett veralteten Reaktionsmuster sind im Kontext solcher geoökonomischen Entwicklungen eklatant hilflos!

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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