In einer internationalen klinischen Studie hat ein bereits bekanntes Krebsmedikament bei einem Teil schwer erkrankter Patientinnen und Patienten zu überraschend deutlichen Behandlungserfolgen geführt. In einzelnen Fällen verschwanden Tumoren vollständig. Die Ergebnisse werden in der Fachwelt aufmerksam diskutiert, gelten jedoch als vorläufig.
Untersucht wurde der Antikörper Amivantamab, der bislang vor allem zur Behandlung bestimmter Formen des Lungenkarzinoms eingesetzt wird. Der Wirkstoff richtet sich gegen spezifische Wachstumsrezeptoren auf Tumorzellen und verbindet diesen Ansatz mit einer Aktivierung des Immunsystems. Er wird intravenös oder als Injektion verabreicht und zählt zu den zielgerichteten Krebstherapien.
Studie bei fortgeschrittenem Kopf-Hals-Krebs
An der Untersuchung nahmen 102 Patientinnen und Patienten aus elf Ländern teil. Alle litten an fortgeschrittenem oder metastasiertem Kopf-Hals-Krebs, der nach mehreren Therapielinien nicht mehr auf etablierte Behandlungen angesprochen hatte. Die therapeutischen Optionen in dieser Situation sind in der Regel stark eingeschränkt.
Nach Angaben der Forschenden zeigte sich bei rund 43 Prozent der Teilnehmenden eine objektive Tumorverkleinerung. Bei etwa 15 Patientinnen und Patienten konnte kein Tumorgewebe mehr nachgewiesen werden. Für eine Kohorte mit derart ungünstiger Prognose sind solche Ansprechraten ungewöhnlich hoch.
Beteiligte Onkologinnen und Onkologen berichten von teils rasch einsetzenden klinischen Effekten innerhalb weniger Wochen nach Therapiebeginn.
Einordnung der Ergebnisse
Trotz der auffälligen Resultate ist die Aussagekraft der Studie begrenzt. Es handelt sich um eine vergleichsweise kleine Untersuchung ohne randomisierten Kontrollarm. Ob die beobachteten Remissionen langfristig anhalten, ist derzeit nicht geklärt.
Auch bleibt offen, welche Patientengruppen tatsächlich profitieren und ob Resistenzmechanismen oder Spättoxizitäten die Effekte relativieren könnten. Fachleute verweisen darauf, dass frühe klinische Signale in der Onkologie nicht selten in größeren Studien abgeschwächt werden.
Entwicklung zielgerichteter Therapien
Unabhängig von der Einordnung der Einzelergebnisse fügen sich die Daten in einen breiteren Trend der Krebsmedizin ein. Zielgerichtete Antikörpertherapien und immunonkologische Ansätze gewinnen insbesondere bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen an Bedeutung und werden zunehmend kombiniert eingesetzt.
Ob Amivantamab über den Status eines weiteren Studienergebnisses hinausweist, müssen größere und kontrollierte Untersuchungen zeigen. Für stark vorbehandelte Patientinnen und Patienten markieren die Daten vorerst jedoch einen seltenen Hinweis darauf, dass selbst weit fortgeschrittene Tumorerkrankungen in Einzelfällen noch therapeutisch beeinflussbar sein können.
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