Frankfurt – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erhöht den Druck auf neue Friedensverhandlungen mit Russland. In einem am 31. Mai 2026 ausgestrahlten Interview mit dem US-Sender CBS sprach er von einem „Fenster der Gelegenheit“, das sich der Ukraine biete. „Vor dem Winter brauchen wir einen diplomatischen Weg, um uns hinzusetzen und zu sprechen“, sagte Selenskyj.
Die Initiative ist nicht neu, erhält jedoch neues Gewicht. Bereits im April 2026 hatte Selenskyj bei einem Besuch in Istanbul seine Bereitschaft zu weiteren Gesprächen signalisiert – auch zu einem direkten Treffen mit Wladimir Putin. Die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan bietet sich erneut als Vermittler an. Ukrainische Delegationen nahmen 2025 mehrfach an Verhandlungsrunden in Istanbul teil, die jedoch ohne Durchbruch blieben. Kiew kritisierte dabei wiederholt die niedrige Rangstufe der russischen Vertreter.
Selenskyj verknüpft den Vorstoß mit einer aus ukrainischer Sicht verbesserten militärischen Lage seit Ende 2025. Russland habe an Offensivkraft verloren, während die Ukraine durch westliche Waffenlieferungen und den Aufbau eigener Produktion, insbesondere im Drohnenbereich, an Stärke gewonnen habe. Zugleich fordert Kiew schärfere Sanktionen gegen Moskau. Territoriale Zugeständnisse lehnt Selenskyj weiterhin kategorisch ab. Ein Waffenstillstand müsse Grundlage jeder weiteren Verhandlung sein.
Die ukrainische Seite hält an ihren Kernforderungen fest: Wiederherstellung der territorialen Souveränität, Sicherheitsgarantien, Rückkehr der Kriegsgefangenen sowie der nach ukrainischen Angaben deportierten Kinder.
Aus Moskau kommen weiterhin harte Vorbedingungen. Russische Vertreter bestehen auf der Anerkennung der „neuen Realitäten“ – darunter die Annexion der Krim sowie der von Russland kontrollierten Gebiete in Ost und Süd der Ukraine. Frühere Gesprächsrunden drehten sich zudem um ukrainische Neutralität, eine Begrenzung der Streitkräfte und die Aufhebung westlicher Sanktionen. Konzessionssignale aus dem Kreml sind bislang nicht erkennbar.
Die Vereinigten Staaten drängen seit Monaten auf einen diplomatischen Abschluss. In Europa überwiegt die Sorge, ein zu schnelles Abkommen könnte zulasten der Ukraine gehen und Russland lediglich eine Atempause verschaffen. Zugleich wächst in vielen westlichen Hauptstädten der Wunsch, den kostspieligen Abnutzungskrieg zu beenden.
Ob aus Selenskyjs Offensive eine Verhandlungschance wird, ist offen. Die Positionen in den zentralen Fragen – Territorium, Sicherheit und politische Zukunft der Ukraine – bleiben weit auseinander.
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