Die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen in Europa ist nach aktuellen Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) im Jahr 2024 erneut auf ein Rekordniveau gestiegen. Besonders deutlich fällt der Anstieg bei Gonorrhö und Syphilis aus, während auch die Übertragung von Syphilis von Schwangeren auf Neugeborene zunehmend in den Fokus der Gesundheitsbehörden rückt.
Nach den jetzt veröffentlichten ECDC-Daten wurden im Jahr 2024 mehr als 106.000 Gonorrhö-Fälle in der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum registriert. Dies entspricht einem Anstieg von rund 303 Prozent gegenüber dem Jahr 2015. Auch Syphilis hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt und liegt inzwischen bei über 45.000 gemeldeten Fällen.
Besonders besorgniserregend ist aus Sicht der Fachleute die Entwicklung der sogenannten kongenitalen Syphilis. Dabei wird die Infektion während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen. Die Zahl dieser Fälle hat sich zwischen 2023 und 2024 nahezu verdoppelt und erreichte den höchsten Stand seit Beginn der europäischen Surveillance-Daten.
Die ECDC-Daten verweisen auf ein insgesamt anhaltend hohes Übertragungsgeschehen über mehrere Länder hinweg. Besonders stark betroffen sind einzelne Staaten, darunter Spanien, das in der aktuellen Auswertung zu den Ländern mit den höchsten Fallzahlen zählt.
Als mögliche Erklärungen für die Entwicklung nennen die Gesundheitsbehörden eine Kombination aus veränderten Test- und Diagnosepraktiken sowie epidemiologischen und verhaltensbezogenen Faktoren. Neben einer verbesserten Erfassung der Fälle werden insbesondere Veränderungen im Sexualverhalten sowie eine geringere konsequente Nutzung von Kondomen diskutiert. Eine abschließende Ursache lässt sich aus den Daten jedoch nicht ableiten.
Gleichzeitig warnen Fachleute vor den gesundheitlichen Folgen unbehandelter Infektionen, die von chronischen Beschwerden bis hin zu schweren Komplikationen reichen können. Für das Gesundheitssystem stellt insbesondere die Zunahme resistenter Erreger bei Gonorrhö eine zusätzliche Herausforderung dar.
Insgesamt deuten die ECDC-Daten darauf hin, dass sich die seit Jahren beobachtete Zunahme bakterieller sexuell übertragbarer Infektionen in Europa weiter fortsetzt – mit bislang keinem erkennbaren Trend zur Stabilisierung.
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