Die Schweiz passt ihre Asylinfrastruktur an die sinkenden Gesuchszahlen an. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) stellt sechs Bundesasylzentren vorübergehend außer Betrieb. Betroffen sind die Standorte Thônex (GE), Niederscherli (BE), Aesch und Arlesheim (BL), Sulgen (TG) sowie Chiasso (TI).
Hintergrund sind deutlich rückläufige Asylgesuche. In den ersten vier Monaten 2026 wurden rund 20 Prozent weniger Gesuche registriert als im Vorjahr. Das SEM rechnet inzwischen mit etwa 25.000 Gesuchen für das Gesamtjahr – weniger als noch zu Jahresbeginn erwartet.
Die Kapazität sinkt damit um rund 700 Plätze. Die Zentren sollen ab Mitte Juni für mehrere Wochen geschlossen werden, bei Bedarf aber rasch wieder in Betrieb genommen werden können.
Der Bund betreibt derzeit noch rund 30 Bundesasylzentren mit insgesamt etwa 7000 Plätzen. Die temporären Schließungen sollen Kosten senken und die Auslastung verbessern. Gleichzeitig sind kleinere Unterhaltsarbeiten vorgesehen.
Auch die Kantone werden entlastet: Personen aus der Ukraine mit negativem Asylentscheid bleiben länger in den Bundeszentren. Allein in den ersten vier Monaten übernahm der Bund dadurch rund 35.000 Übernachtungen.
Der Rückgang der Asylgesuche ist kein Einzelfall. Bereits 2025 gingen die Zahlen leicht zurück. Fachleute verweisen unter anderem auf strengere Kontrollen an den EU-Außengrenzen und veränderte Migrationsrouten. Im Vergleich zu einigen Nachbarländern fällt der Rückgang in der Schweiz jedoch moderater aus.
Politisch wird der Entscheid unterschiedlich bewertet: Befürworter sehen darin eine flexible und kosteneffiziente Steuerung, Kritiker warnen vor möglichen schnellen Veränderungen der Lage.
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